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Begegnung in der Hofburg: Als Beckenbauer endgültig zum Kaiser wurde

Eine Reise nach Wien und ein Schnappschuss

Begegnung in der Hofburg: Als Beckenbauer endgültig zum Kaiser wurde

Aufnahme im Sommer 1971: Franz Beckenbauer beim FC Bayern.

Aufnahme im Sommer 1971: Franz Beckenbauer beim FC Bayern. imago images

Geboren in München, aufgewachsen in Giesing. Der Durchbruch beim FC Bayern, Europa- und Weltmeister als Spieler, später der WM-Titel als Teamchef - Beckenbauers Bilderbuch-Karriere ist bekannt und scheint seinen Beinamen, "der Kaiser", allemal gerecht zu werden. Dabei erhält der Stratege seinen Spitznamen schon vor seinen größten Erfolgen, dem Gewinn der Europameisterschaft 1972, der Weltmeisterschaft im eigenen Land 1974 und dem Triumphzug im Europapokal der Landesmeister ab 1973 mit den Bayern. Die "Verleihung" erfolgt bei einer Reise ins Nachbarland Österreich - wie sollte es auch anders sein?

Im August 1971 wird der FC Bayern nach Wien eingeladen. Die dort ansässige Austria möchte das 60-jährige Vereinsbestehen mit einem Freundschaftsspiel gegen die Münchner feiern. Beckenbauer ist zu diesem Zeitpunkt natürlich eine feste Fußballgröße in Deutschland. 1966 wird er mit der Nationalmannschaft Vize-Weltmeister, 1970 in Mexiko belegt er mit dem DFB-Team den dritten Platz. Vier Pokalsiege und eine Meisterschaft hat er mit den Bayern gefeiert.

Erst ein 4:0-Sieg, dann ein Besuch in der Hofburg

In Wien haben die Gäste leichtes Spiel und feiern einen lockeren 4:0-Sieg, kicker-Reporter Sepp Graf berichtet gar von einem "Klassenunterschied". Vor der Rückreise nach München steht am Tag darauf aber noch Sightseeing auf dem Programm. Beckenbauer und Co. werden in die Hofburg im Herzen der Donau-Metropole eingeladen, so hat es Manuel Neukirchner in seiner Erinnerung "Spieler Beckenbauer wird Kaiser Franz", die im Sammelband "Fundstücke aus dem Deutschen Fußballmuseum" erschienen ist, festgehalten.

In der Hofburg kommt es zu einer folgenreichen Begegnung. Beckenbauer tritt einer in Stein geschlagenen Büste von Franz Joseph I. gegenüber. Er mustert den letzten großen Regenten des Kaiserreichs Österreich, der 68 Jahre an der Macht war, mit fast frechem Blick. Wie lange mag der Moment angedauert haben? Ein Augenblick? Ein paar Sekunden? Jedenfalls schießt der Fotograf Herbert Sündhofer eine Aufnahme, die wenige Tage später rund 400 Kilometer entfernt auf einem Redaktionstisch Beachtung findet. Als Beckenbauer schon längst wieder in München weilt, wird das Foto des damals 25-Jährigen in der kicker-Redaktion aufmerksam gemustert.

"Zwei Kaiser trafen sich in der Hofburg..."

"Zwei Kaiser trafen sich in der Hofburg..." - die Schlagzeile in der kicker-Ausgabe vom 16. August 1971. kicker

Ein kurioser Schnappschuss, der in der Ausgabe am 16. August 1971 auf Seite 1 in der bunten Rubrik "Immer am Ball" erscheint, versehen mit der Überschrift: "Zwei Kaiser trafen sich in der Hofburg...".

Spätestens von da an ist der Kaiser endgültig der Kaiser. Der Spitzname, den er zuvor nur sporadisch mal zugeschrieben bekam, ist nun, wie das Portrait Franz Josephs in Stein, festgemeißelt. Und "geadelt" feiert Beckenbauer seine größten Erfolge. Die EM 1972, die WM 1974. Die Europapokal-Siege, später als Teamchef und als OK-Chef bei der WM 2006, die seinem Ansehen allerdings Kratzer zufügen sollte. Kaiser bleibt er trotzdem.

Die Büste, die den legendären Ruf (mit-)begründet hat, steht derweil noch heute in der Wiener Hofburg. Das Schwarzweiß-Foto hat inzwischen im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund einen Ehrenplatz erhalten.

pau

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