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WM 2022: Deutschlands bedenkliche Torschuss-Statistik

Historisch anfällig für Joker-Gegentore?

Bedenkliche deutsche Torschuss-Statistik - Flick wie Herberger

Noch nicht so erfolgreich wie gewünscht: Jamal Musiala (li.) und Hansi Flick.

Noch nicht so erfolgreich wie gewünscht: Jamal Musiala (li.) und Hansi Flick. imago images (2)

Wenn sich die 22 Spieler am Donnerstagabend (20 Uhr, LIVE! bei kicker) im Al-Bayt Stadium in Al-Khor bereitmachen, wird so mancher deutsche Fan womöglich Flashbacks bekommen. Zurückkatapultiert in den warmen WM-Sommer 2006, als Gastgeber Deutschland das Eröffnungsspiel mit 4:2 gegen Underdog Costa Rica gewann. Philipp Lahm schlenzt trotz Armschiene an den Innenpfosten, Miroslav Klose trifft doppelt, Torsten Frings erzielt ein sehenswertes Weitschusstor.

Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor der Costa Ricaner wird auch am Donnerstag gefragt sein - zu wichtig ist das Thema Torverhältnis in WM-Gruppenphasen. Allerdings gab die DFB-Elf bei dieser WM in zwei Spielen bereits 37 (!) Torschüsse ab, das wird nur von Frankreich (44) getoppt. Herausgekommen sind lediglich zwei magere Tore - macht 18,5 Torschüsse pro Treffer. Keine Bilanz eines künftigen Weltmeisters. Costa Rica hingegen gab mit vier Torschüssen die wenigsten aller WM-Teilnehmer ab, erzielte dabei aber immerhin einen Treffer. Eine Erfolgsquote von 25 Prozent.

Dass die DFB-Elf nach zwei Spielen noch sieglos ist, lässt die ohnehin gedämpfte Euphorie in der Heimat ausbleiben. Nur ein späterer Weltmeister gewann keine seiner ersten beiden Partien: Italien überstand 1982 die erste Gruppenphase sogar ohne Sieg (drei Remis) - und startete dann durch. Generell gewann das Team von Bundestrainer Hansi Flick nur zwei der jüngsten zehn Länderspiele (1:0 gegen den Oman und 5:2 gegen Italien).

Die Ladehemmung hält auch schon etwas länger an: Nur in zwei der vergangenen zehn Länderspiele erzielte die deutsche Mannschaft mehr als ein Tor - beim 3:3 gegen England und beim erwähnten 5:2 gegen Italien. Nicht nur die DFB-Offensive zeigte sich fahrig, auch die Hintermannschaft ist anfällig. Besonders gilt das für Joker-Gegentore: Alle drei Gegentreffer bei der Winter-WM erzielten eingewechselte Spieler deutscher Gegner. Mit Serbien & Montenegro (2006) und El Salvador (1982) kassierten nur zwei Nationen in der WM-Geschichte mehr Gegentreffer dieser Art bei einer Endrunde (je vier). 

Nur eine längere WM-Sieglosserie

Seit drei WM-Spielen ist die DFB-Auswahl zudem ohne eigenen Sieg, dem 1:1 gegen Spanien waren die Niederlagen gegen Japan (1:2) und Südkorea (0:2) vorausgegangen. Nur ein einziges Mal hatte der viermalige Weltmeister eine längere Sieglosserie an WM-Spielen. 1978 konnte die DFB-Elf die letzten vier Spiele nicht gewinnen (drei Unentschieden, eine Pleite), darüber hinaus setzte es 1982 dann gegen Algerien eine Auftaktniederlage (1:2).

Auch Flick hatte sich sein erstes Großereignis in der Chefrolle sicherlich anders vorgestellt. Mit Sepp Herberger, der 1938 seine WM-Premiere feierte, gibt es nur einen anderen DFB-Coach, der keines seiner ersten beiden WM-Spiele hatte gewinnen können.

msc

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