Bundesliga

Becherwurf in Bochum: Punkte futsch, Geisterspiel droht

Bisher letzter Spielabbruch in der Bundesliga passierte 2011

Becherwurf in Bochum: Punkte futsch, Geisterspiel droht

Eilte stinksauer zu den Fans: VfL-Keeper Manuel Riemann.

Eilte stinksauer zu den Fans: VfL-Keeper Manuel Riemann. IMAGO/kolbert-press

Sieben Spiele in der Bundesliga waren seit 1963 zuvor abgebrochen worden, meist ging es darum, dass ein Platz unbespielbar war, Nebel oder andere Wetterkapriolen vorlagen. Ein vergleichbarer Fall zu dem Becherwurfskandal in Bochum ereignete sich vor rund elf Jahren auf St. Pauli.

Am 1. April 2011 war die Partie gegen Schalke 04 abgebrochen worden, weil ein St.-Pauli-Fan den Schiedsrichterassistenten Thorsten Schiffner mit einem Becherwurf verletzt hatte. Die Partie wurde mit 0:2 gewertet; überdies wurde der Gastgeber angewiesen, ein Heimspiel ohne Zuschauer auszutragen.

Dieses Urteil allerdings wurde revidiert. Stattdessen musste St. Pauli ein Heimspiel der neuen Saison mindestens 50 Kilometer von Hamburg entfernt veranstalten.

Es ist also damit zu rechnen, dass die drei Punkte am grünen Tisch an Borussia Mönchengladbach gehen, das am Freitagabend mit 2:0 in Bochum geführt hatte. Und womöglich muss der VfL Bochum im Abstiegskampf ein Spiel ohne den Support seiner eigenen Anhänger bestreiten, ohne Zweifel ein deutlicher Nachteil im Rennen um den Verbleib in der Bundesliga. Ganz zu schweigen vom finanziellen Nachteil, denn bei einem gut besuchten Heimspiel setzt der finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete Klub in der Regel einen hohen sechsstelligen Betrag um.

"Für unsere Außendarstellung sehr, sehr schädlich"

Ein extrem bitterer Abend also für den VfL Bochum, der erstmals nach elf Jahren in der Bundesliga wieder dabei ist und am Freitagabend mal wieder 25.000 Zuschauer an der Castroper Straße begrüßen durfte, so viele wie seit zwei Jahren nicht mehr. Zur Partie gegen Borussia Mönchengladbach waren die Bochumer übrigens in Trikots angetreten, die für Frieden werben, um ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine zu setzen.

Bundesliga, 27. Spieltag

Der Becherwurf, der Assistent Christian Gittelmann verletzt hatte, war freilich nicht der erste während des Spiels. Wiederholt hatte der Stadionsprecher darauf hingewiesen, keine Gegenstände auf den Platz zu werfen. Und: Noch vor der Partie hatte Kapitän Anthony Losilla auf den Vereinskanälen darum geworben, Bier zu trinken und nicht zu werfen.

"Dieser Spielabbruch ist für unsere Außendarstellung sehr, sehr schädlich", sagt Bochums Vorstandssprecher Ilja Kaenzig. "Das tolle Bild vom VfL Bochum, das wir in dieser Saison aufgebaut haben, wird damit natürlich beschädigt."

Schiedsrichtergespann handelt besonnen

Ziemlich besonnen war übrigens das Schiedsrichtergespann mit der ungewöhnlichen Situation umgegangen, hatte sich in die Katakomben zurückgezogen und dort den unausweichlichen Spielabbruch beschlossen. "Bei einem tätlichen Angriff auf einen Spieloffiziellen, in dem Fall den Schiedsrichter-Assistenten, ist ein Spielabbruch alternativlos", sagte  Schiedsrichter Benjamin Cortus bei DAZN. "Er war benommen, ist ins Krankenhaus gebracht worden und wird dort untersucht", sagte der Hauptschiedsrichter am Freitagabend. Florian Heft, der zweite Assistent, habe Gittelmann ins Krankenhaus begleitet.

Der am Kopf getroffene Assistent arbeitet übrigens als Referent für die DFB-Stiftung Egidius Braun. Er wurde nun also ausgerechnet an einem Wochenende attackiert, an dem das Gedenken an den jüngst verstorbenen Braun und dessen Werte in allen Stadien präsent ist.

Lesen Sie auch Reaktionen nach dem Becherwurf: "Du hast im Stadion nichts verloren" - "Traurig, dass sich sowas Bochum-Fan nennt"

Oliver Bitter

Brennendes Stroh, Bierbecher und zu viel Wasser: Spielabbrüche in der Bundesliga