Bundesliga

Bayerns Oktober-Neuzugänge: Masse statt Klasse

Bei Roca ist die Ernüchterung am größten

Bayerns Oktober-Neuzugänge: Masse statt Klasse

Drei der vier Münchner Oktober-Neuzugänge: Marc Roca, Eric Maxim Choupo-Moting und Bouna Sarr (v.l.).

Drei der vier Münchner Oktober-Neuzugänge: Marc Roca, Eric Maxim Choupo-Moting und Bouna Sarr (v.l.). imago images

Gleich im ersten Pflichtspiel nach dem Ende der Wechselperiode standen Bouna Sarr, Marc Roca, Douglas Costa und Eric Maxim Choupo-Moting im Pokal gegen Fünftligist Düren (3:0) in der Startelf, Choupo-Moting traf doppelt. Die Nationalspieler standen damals nicht zur Verfügung, nahmen aber ihre arrivierten Plätze umgehend wieder ein, während das Quartett nur selten gefragt war. Von den 1530 möglichen Minuten spielte Sarr 546, Costa 503, Choupo Moting 385, Roca nur 267. Immer offensichtlicher wird, dass die Bayern ihren Kader zwar vergrößert, aber nicht verbessert haben. Masse statt Klasse.

Die vier Neuen im Überblick:

Bouna Sarr: Der 28-jährige Rechtsverteidiger kam für knapp zehn Millionen Euro Ablöse von Qlympique Marseille, ohne je in der Nationalelf oder der Champions League gespielt zu haben. Bemerkenswert, dass ihm die Münchner gleich einen Vierjahresvertrag gaben. Trotz der Formschwäche von Benjamin Pavard entpuppte sich Sarr bislang nicht als echte Alternative. In der Defensive bietet er seinen Gegenspielern zu viel an, offensiv finden seine Flanken fast nie den Mitspieler. Immerhin: Im Pokal gegen Düren steuerte er zwei Assists bei, gegen Frankfurt (5:0) einen.

Douglas Costa: Die Münchner liehen ihren Ex-Spieler (2015-17) ohne Gebühr bis zum Saisonende von Juventus Turin aus. Im Ranking der offensiven Außenbahnspieler ist der 30-Jährige die klare Nummer vier hinter Kingsley Coman, Serge Gnabry und Leroy Sané. Costa gewinnt zu selten Dribblings, seine Aktionen führen oft zu Ballverlusten. In der Liga traf er in Stuttgart zum 3:1-Endstand, lieferte beim 5:0 gegen Frankfurt ebenso eine Vorlage wie beim 2:0 in der Champions League gegen Lokomotive Moskau, als er per Ecke auf den Kopf von Niklas Süle servierte. Ein Kauf im Sommer dürfte mit Blick auf Costas Leistungen, sein Alter und die Corona-Sparzwänge unwahrscheinlich sein.

Eric Maxim Choupo-Moting: Der 31-Jährige kam ablösefrei von Paris St.-Germain als Back-up für Weltfußballer Robert Lewandowski. Der Kapitän der Nationalelf Kameruns kommt in der Kabine gut an, seine Rolle ist klar definiert. Choupo-Moting spielt dann, wenn Lewandowski eine seiner seltenen Pausen benötigt oder ein zweiter Angreifer in der Schlussphase auf dem Platz Sinn ergibt. Unter diesem Aspekt sind zwei Treffer im Pokal und einer in der Champions League okay, allerdings vergab er beim 1:1 gegen Werder Bremen in der Schlussphase die große Chance auf den Siegtreffer. Choupo-Motings Vertrag läuft am Saisonende aus.

Marc Roca: An den Sechser waren die größten Erwartungen aus dem Quartett geknüpft, daher ist bei ihm die Ernüchterung auch am größten. Rückblickend muss die Frage erlaubt sein, warum kein größerer spanischer Klub nach dem Abstieg Rocas mit Espanyol Barcelona Interesse bekundete, zumal er für knapp zehn Millionen Euro zu haben war. Der U-21-Europameister erhielt bei den Bayern dennoch einen Fünfjahresvertrag und muss sich enorm steigern, will er künftig eine Rolle bei Hansi Flick spielen. Der Trainer vertraute Roca trotz Personalnot im defensiven Mittelfeld fast nie, zumal er bei seinem ersten ernsthaften Einsatz gegen RB Salzburg (3:1) unnötig mit Gelb-Rot vom Platz flog.

Frank Linkesch

Freiburg wie Bayern und drei Premieren: Die kicker-Elf des 13. Spieltags