DFB-Pokal

Bayerns Blamage: Nur ein böser Ausrutscher oder mehr?

Nach dem 0:5-Pokalaus in Mönchengladbach

Bayerns Blamage: Nur ein böser Ausrutscher oder mehr?

Resignation: Die Spieler des FC Bayern nach einem der fünf Gegentore.

Resignation: Die Spieler des FC Bayern nach einem der fünf Gegentore. imago images/ULMER Pressebildagentur

"Einen kollektiven Blackout" nannte Sportvorstand Hasan Salihamidzic die höchste Pokalniederlage, die der FC Bayern München jemals erlitten hat. Komplett zerpflückt worden sei seine Mannschaft in der ersten Halbzeit, rang Thomas Müller um Fassung. Nun taugt eine einzelne Partie in den seltensten Fällen dazu, Grundsätzliches infrage zu stellen, dafür waren die Ergebnisse des Rekordmeisters in dieser Saison auch insgesamt zu gut. Aber einfach zur Tagesordnung übergehen? Nein, das wäre ein Fehler.

Auch unter Julian Nagelsmann kassiert der FC Bayern viel zu leicht Gegentore und bekommt in der Defensive immer dann Probleme, wenn er entweder mit aggressivem Pressing unter Druck gesetzt wird oder der Gegner fußballerisch in der Lage ist, Ballverluste der Bayern mit schnellem und präzisem Umschaltspiel zu kontern.

Gladbach sorgte für Bayerns vorläufigen Tiefpunkt

Diese zwei Probleme lassen sich beispielhaft an einzelnen Spielern darstellen. So neigt Dayot Upamecano unter Druck zu schlimmen Patzern und Stellungsfehlern. Top-Leistungen wechseln mit schwachen Auftritten, dem Franzosen fehlt Konstanz. Lucas Hernandez stand seinem Partner in der Innenverteidigung am Mittwoch freilich in nichts nach. Die Sechser Joshua Kimmich und Leon Goretzka rücken oft weit auf, sodass der Gegner zwischen ihnen und der Innenverteidigung viel Raum und Zeit bekommt. Ins Offensivspiel schleichen sich an schlechten Tagen erstaunlich viele Ungenauigkeiten und Schlampigkeiten ein, die zu Ballverlusten führen. Serge Gnabry, Leroy Sané, Thomas Müller, keiner kann sich hier rausnehmen.

In den meisten Partien standen die Münchner dennoch stabil, acht Gegentore nach neun Bundesligapartien bedeuten eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr. In der Champions League hat Manuel Neuer bislang sogar eine weiße Weste. Und dennoch gibt es Rückfälle. Das 1:2 gegen Eintracht Frankfurt vor der letzten Länderspielperiode war ein solcher, den ein besserer Gegner zu mehr Toren genutzt hätte. Gladbach brachte nun den vorläufigen Tiefpunkt.

Unruhe in München: Klappt das Umschalten am Samstag?

Natürlich gab es in den vergangenen Tagen viel Unruhe um das Team. Die Corona-Infektion des zum dritten Mal an der Seitenlinie fehlenden Trainers Julian Nagelsmann, die drohende und im letzten Moment abgewendete Haftstrafe für Lucas Hernandez, die Diskussion um den ungeimpften Joshua Kimmich. Diese Themen dürfen jedoch keine Ausrede sein, schließlich gewann das Team die beiden Partien davor deutlich mit 4:0. Das Aber: Selbst in diesen Begegnungen offenbarten die Münchner Schwächen und boten defensiv viel an, in Lissabon rettete Manuel Neuer mehrfach, gegen Hoffenheim konnte der Gegner nichts mit den Angeboten anfangen.

"Wir wollen uns kurz schütteln und am Samstag Gas geben", sagte Salihamidzic noch in den Katakomben des Borussia-Parks. Ob dies so einfach gelingt, ist die spannende Frage. Die Nagelsmann-Mannschaft zeigt zwei Gesichter. Aber kann sie nach diesem historischen Nackenschlag umgehend in das positive umschalten? Der Samstagnachmittag wird es zeigen.

Frank Linkesch