3. Liga

Bayern II: Meister - und jetzt Abstiegskampf?

Reserve des Rekordmeisters nach großem Umbruch

Bayern II: Meister - und jetzt Abstiegskampf?

Bayern München II

Als Titelverteidiger im Abstiegskampf? Der FC Bayern München II geht nach einem großen Kaderumbruch in die neue Drittliga-Saison. imago images

Natürlich hatte niemand beim Rekordmeister in der vergangenen Saison mit dem Meistertitel in der 3. Liga gerechnet - und wie fern schien dieser erst im Dezember 2019 kurz vor Weihnachten. Die Reservemannschaft des FC Bayern hatte gerade erst 1:1 gegen die Würzburger Kickers gespielt und war damit zum fünften Mal in Folge ohne Sieg geblieben. Knapp über den Abstiegsrängen mussten die "kleinen Bayern" auf Platz 15 überwintern. Nur Schlusslicht Jena hatte zu diesem Zeitpunkt nach 20 Spieltagen mehr Gegentore kassiert. Der Abstiegskampf war längst ausgerufen.

Was dann jedoch folgte, war eine kaum für möglich gehaltene Aufholjagd. Innerhalb weniger Wochen - insbesondere nach der Corona-Zwangspause - stürmte das Hoeneß-Team an die Spitze der 3. Liga, am 30. Spieltag sprangen die Münchner das erste Mal in die Top-3, zwei Wochen später war der Aufsteiger Tabellenführer und sollte Rang eins bis zum Schluss nicht mehr abgeben. Mit nur zwei Niederlagen und 13 Siegen in der Rückrunde holten der FCB II den Meistertitel.

Der Trainer und mehrere Leistungsträger sind weg

Vielleicht mehr als bei anderen Drittliga-Meistern der Vergangenheit ist all das wenige Tage vor Beginn der neuen Saison jedoch weit, weit weg. Aufsteigen durfte die zweite Mannschaft des Rekordmeisters sowieso nicht, weshalb ein Team zum ersten Mal als Titelverteidiger in der 3. Liga an den Start geht. Aber auch sonst ist bei den Münchnern vieles anders. Der Kader hat sich radikal verändert, zahlreiche Leistungsträger haben die Mannschaft verlassen. Und auch Erfolgstrainer Sebastian Hoeneß steht nicht mehr an der Seitenlinie.

Der Sohn von Dieter und Neffe von Ehrenpräsident Uli Hoeneß tauschte den Job beim FC Bayern gegen das Traineramt bei der TSG Hoffenheim ein. Abschied nahmen auch Torschützenkönig Kwasi Okyere Wriedt (24 Treffer), der gemeinsam mit Flügelspieler Derrick Köhn zu Willem II in die niederländische Eredivisie ging. Mittelfeldmann Paul Will wechselte zu Dynamo Dresden, Woo-Yoeng Joeng zog es zurück zum SC Freiburg, mit Oliver Batista Meier (SC Heerenveen), Lars Lukas Mai (Darmstadt 98), Sarpreet Singh und Christian Früchtl (beide 1. FC Nürnberg) soll sich ein hochveranlagtes Quartett an anderer Stelle weiterentwickeln.

Vielversprechende Talente blieben - doch das Ziel ist klar

Zwar blieben dem Drittligisten vielversprechende Talente wie der zuvor bereits von Ajax Amsterdam ausgeliehene Nicolas Kühn, Angelo Stiller oder Chris Richards erhalten. Die Vorbereitung fand jedoch unter schwierigen Umständen statt, vor allem weil sich die Suche nach dem Hoeneß-Nachfolger hinzog. Am Ende fiel die Wahl auf Holger Seitz, der den Münchner Nachwuchs 2019 schon zum Aufstieg in die 3. Liga geführt hatte und nun für ein Jahr einspringen soll, ehe er die Leitung des Campus übernimmt. Was ihn erwartet, hatte sein Co-Trainer und vorübergehend Interimscoach Dirk Teschke schon klar formuliert: "Unser klares Ziel heißt Klassenerhalt."

Nur zwei externe Neuzugänge bekamen die Münchner bislang für dieses Unterfangen. Junioren-Nationalspieler Lenn Jastremski kam vom VfL Wolfsburg, von Greuther Fürth kehrte Alexander Lungwitz auf Leihbasis zurück. Ansonsten sollen - und müssen - es neben den verbliebenen Kräften aus der Vorsaison wie Fiete Arp, Maximilian Welzmüller, Leon Dajaku oder Torhüter Ron-Torben Hoffmann vor allem aufgerückte Talente aus dem eigenen Nachwuchs richten. Die neuen Hoffnungsträger heißen Malik Tillman, Jamal Musiala, die von Hansi Flick sogar schon in den Champions-League-Kader berufen worden sind, und auch bereits erste Drittliga-Luft schnuppern durften, Bright Arrey-Mbi, Dennis Waidner, Taylor Booth oder Ivan Mihaljevic.

Gemischte Ergebnisse in den Testspielen

Ein Trainingslager im österreichischen Stubaital sollte helfen, den großen Umbruch zu managen. Testspiele gegen Viertligist Heimstetten (7:2) und Zweitligist Aue (0:3) brachten wichtige Erkenntnisse, die Generalprobe gegen die SpVgg Unterhaching vor dem Saisonauftakt gegen Stadtrivale und Aufsteiger Türkgücü München endete mit einem durchwachsenen 1:1 - hinter das Seitz schnell einen Haken setzte. "Am Montag geht es dann in die wichtige Woche", sagte der Coach nach dem Spiel am vergangenen Freitag. "Dann denken wir nur noch an Türkgücü." Und vielleicht auch an eine Saison mit einigen Fragezeichen.

pau

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