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Bayerischer Sonderweg: DFB-Vize Koch sieht sich bestätigt

Manche Verbände kämpfen mit überfüllten Ligen

Bayerischer Sonderweg: DFB-Vize Koch sieht sich bestätigt

Hofft, dass der Amateurfußball im Frühling wieder aufblüht: Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands und gleichzeitig Vizepräsident des DFB.

Hofft, dass der Amateurfußball im Frühling wieder aufblüht: Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands und gleichzeitig Vizepräsident des DFB. imago images / FAF

Der bayerische Sonderweg - ein geflügeltes Wort, was nicht nur in der Politik, sondern auch im Amateurfußball zuletzt häufig bemüht wurde, schließlich stand der Bayerische Fußball-Verband mit seiner Entscheidung, die Saison 2019/20 bis in den Frühling 2021 auszudehnen, allein auf weiter Flur.

"Unsere Argumente haben sich im sehr großen Maße als vollständig richtig erwiesen. Wir wollten aber auf gar keinen Fall, dass zwei Spielzeiten hintereinander nicht regulär ausgetragen werden können. Deshalb haben wir unseren Vereinen unsere Befürchtungen einer zweiten Welle sehr klar dargelegt und uns gewappnet", sagt Koch nun und will gleichzeitig vermeiden, dass seine Aussagen als Spitzzüngigkeit gegenüber dem Rest der Republik ausgelegt werden könnten: "Ich bin sehr dafür, dass wir die föderalen Strukturen im Amateurfußball leben. Es besteht doch überhaupt keine Notwendigkeit, dass in Flensburg die Sache genauso geregelt wird wie in Nürnberg. Entscheidend ist eine enge Verbindung zwischen Amateurverband und den Vereinen."

So eine Verbindung funktioniere nur mit Basisdemokratie, so Koch, der präzisiert: "In der Politik ist der Ministerpräsident mit einer Zweidrittelmehrheit hochzufrieden, als Verbandsvorstand ist es hingegen unglaublich schwierig, mit so einer Mehrheit agieren zu müssen, weil man die Auffassung des anderen Drittels nicht einfach ignorieren kann. Fußball funktioniert nur, wenn alle mitspielen." So habe Koch wahrgenommen, dass die Präsidien anderer Landesverbände zum Teil auch für eine Fortsetzung der Saison 2019/20 gewesen wären, ehe die dortigen Vereine sich in Abstimmungen für einen Abbruch entschieden hätten. Mit den Konsequenzen müssen nun die Akteure vor Ort klarkommen, für Bayern sagt Koch: "Wir im Vorstand waren immer klar für eine Fortsetzung der Saison, weil wir im Fall eines Abbruchs überfüllte Ligen bekommen hätten. Ist ja klar, wenn es nur Auf-, aber eben keine Absteiger gibt."

Bestehende Sponsorenverträge? Es wäre schön, wenn wir derartige hätten.

Rainer Koch

Der bayerische Verbandspräsident reklamiert für sich, dass er nach bestem Wissen und Gewissen versucht habe, die bestmögliche Entscheidung zu treffen. Oder war in Wahrheit die Angst Trumpf, dass ein Abbruch der Saison 2019/20 zu Problemen bei bestehenden Sponsorenverträgen geführt hätte. Koch widerspricht vehement: "Bestehende Sponsorenverträge? Es wäre schön, wenn wir derartige hätten. Ein Abbruch der Saison hätte für den BFV wirtschaftlich gesehen nur Vorteile gehabt. Wir haben uns für den Weg entschieden, der nach unserem Ermessen maximal mehrheitstauglich war."

Eine breite Masse soll auch weiterhin Spaß am Amateurfußball haben, doch die derzeitige Pandemie führt bei vielen Vereinen zu einem verstärkten Mitglieder- und Zuschauerschwund. "Ein Sportverein, der sein Angebot nicht anbieten kann, ist nun mal seiner Kernaufgabe beraubt", so Koch, der aber hofft, dass spätestens im Saisonendspurt im Frühling wieder Begeisterung auf den Amateurfußballplätzen einkehrt. Vorher gelten andere Prämissen, wie der DFB-Vizepräsident mit einem Hinweis an die Politik erklärt: "Wir stehen vor einem langen Winter und werden den Kampf mit dem Virus noch länger zu führen haben. Da ist es doch gut, wenn wir uns überlegen, wie wir am besten durch diesen Winter kommen. Ich hoffe doch sehr, dass man erkennt, dass es gut ist, wenn man sich sportlich betätigen kann. Wir haben ja für das Training innerhalb einer Mannschaft schon etablierte Hygienekonzepte, die die Vereine auch toll umgesetzt haben."

stw