Bundesliga

Neu-Unioner Baumgartl: Mit Roger Schmidt "war's nicht immer einfach"

Neu-Unioner verschwendet keine Gedanken an Vergangenes

Baumgartl: Mit Roger Schmidt "war's nicht immer einfach"

Der Blick geht nach vorn: Timo Baumgartl, Neuzugang bei Union Berlin.

Der Blick geht nach vorn: Timo Baumgartl, Neuzugang bei Union Berlin. imago images

Der erst zweite Tag der Vorbereitung hatte gerade begonnen, Max Kruse absolvierte sogar seine erste Einheit des Sommers, alles konnte also noch nicht funktionieren. Tat es dann auch nicht. Als Kruse den Ball bei einer Passübung rückwärts in die Bewegung mitnehmen und sich drehen wollte, verlor der 33-Jährige das Gleichgewicht und ging zu Boden. Kurzes Gelächter am Trainingsplatz in Reichenwalde, dann ging's weiter.

Kruse, Unions Top-Scorer der vergangenen Saison, hatte beim Trainingsauftakt des 1. FC Union am Donnerstag gefehlt, weil er aufgrund seiner bevorstehenden Teilnahme am olympischen Fußballturnier (22. Juli bis 7. August) am Mittwoch geimpft worden war. Nach einem Tag der Schonung stieg der Offensivspieler dann am Freitag - zumindest teilweise - ins Mannschaftstraining ein. In Reichenwalde, wo die Eisernen im Rahmen ihres dreitägigen Camps im brandenburgischen Bad Saarow trainieren, stand neben Kruse erstmals auch Stürmer Kevin Behrens auf dem Platz, der als elfter externer Neuzugang am Donnerstag zum Team gestoßen war. Zudem präsentierte sich am Freitag in Timo Baumgartl die zehnte Neuverpflichtung der Köpenicker den Medienvertretern.

Relegation 2019 "ist Vergangenheit"

Den Innenverteidiger, der zunächst für ein Jahr auf Leihbasis aus Eindhoven zu Union wechselt und für den der FCU eine Kaufoption besitzt, verbindet eine "unschöne Erinnerung" mit den Eisernen. Vor zwei Jahren zog Baumgartl in der Relegation mit dem VfB Stuttgart den Kürzeren. Das aber "ist Vergangenheit", sagte Baumgartl, "ich bin generell ein Mensch, der nach vorne blickt. Ich hatte jetzt keinen Gedanken daran verschwendet, was vor zwei Jahren passiert ist."

Ähnliches soll auch für die jüngere Vergangenheit gelten, insbesondere seine letzte Saison in Eindhoven, wo er noch bis 2024 unter Vertrag steht. Nach dem Abstieg mit dem VfB 2019 ging Baumgartl in die Niederlande. Zum damaligen PSV-Trainer Mark van Bommel, nun in Wolfsburg tätig, habe er einen "super Draht" gehabt. Dann aber kam erst van Bommels Aus bei der PSV im Dezember 2019, dann Corona, dazu Verletzungspech - und zuletzt Roger Schmidt. Mit dem "war's nicht immer einfach. Wir waren nicht immer einer Meinung. Deshalb bin ich froh, dass ich jetzt bei Union bin, dass ich gute Gespräche mit Oliver Ruhnert und Trainer Urs Fischer hatte. Hier ist ein Verein, der dich unbedingt möchte. Das ist für einen Spieler, der im vergangenen Jahr keine leichte Saison hatte, ein schönes Gefühl", sagte Baumgartl und ergänzte: "Was letztes Jahr passiert ist, das lassen wir ruhen. Ich bin jetzt erst mal für ein Jahr hier und freue mich, hier und wieder in der Bundesliga zu sein."

Internationale Highlights und ein Reifeprozess

In der Liga will er, der sich vor seinem Wechsel zu Union Tipps von seinem ehemaligen VfB-Kapitän Christian Gentner (bis Sommer bei Union, nun in Luzern) holte, mit seinem neuen Klub schnell die 40-Punkte-Marke knacken. Die nationalen Aufgaben in Liga und Pokal sollen aber nicht alles sein, denn ein "wichtiges Argument" bei seiner Entscheidung pro Union sei die Chance auf die Teilnahme an der Conference League gewesen. "Internationale Highlights sind was Besonders. Die möchte ich erleben", sagte Baumgartl, der durch seine zwei Jahre in den Niederlanden in vielerlei Hinsicht gereift sein will, nicht zuletzt durch Europapokal-Einsätze mit der PSV. "Wenn man alle drei Tage spielt, dafür möchte man Leistungssportler sein. Wir haben mit Eindhoven leider nicht in der Champions League gespielt, aber regelmäßig in der Europa League. Solche Erfahrungen nimmt man mit. Ich weiß jetzt auch, wie man mit dem Körper umgeht, wenn alle drei Tage gespielt wird. Es ist ein Reifeprozess im Ausland gewesen", sagte der 25-Jährige.

Jan Reinold