Bundesliga

Nach 0:5 in Hoffenheim: Baumgart übt auch Selbstkritik

Köln wird "so richtig vorgeführt"

Baumgart übt auch Selbstkritik - Czichos' schmerzvolle Aufzählung

Ging mit Köln in Hoffenheim unter: Steffen Baumgart.

Ging mit Köln in Hoffenheim unter: Steffen Baumgart. imago images/foto2press

Es gibt Tage, da bleibst du besser im Bett. Exakt einen Tag dieser Sorte erwischte der 1. FC Köln an diesem Freitag im Herbst. Und schenkt man der Statistik Glauben, dann kam das Debakel gar nicht überraschend. Der letzte Erfolg gegen die TSG Hoffenheim liegt sechseinhalb Jahre zurück, und dieser Herbstabend ließ Blütenträume für die Zukunft nicht zu. "Die Hoffenheimer legten genau die Tugenden an den Tag, die wir normalerweise an den Tag legen", lautete der Erklärungsansatz von Rafael Czichos, an diesem bitteren Abend Kapitän für den erkrankten Jonas Hector.

Czichos' Aufzählung der Defizite am DAZN-Mikrofon liest sich wie eine Bilanz des Schreckens: "Sie haben hoch angegriffen, mit viel Aggressivität, haben uns direkt im Spielaufbau gestört. Wir haben viel zu viele Fehler gemacht, individuelle Fehler im Spiel nach vorne. Wir waren nicht aggressiv genug in den Zweikämpfen, kamen immer ein Schritt zu spät. So kannst du hier nicht gewinnen, dazu ist Hoffenheim dann auch zu spielstark."

Horn: "Hoffenheim hat uns so richtig vorgeführt"

Die Liste des Grauens war damit nicht vollständig. Die Geißböcke fanden von Beginn an weder Ordnung noch Zuordnung, sie standen viel zu weit auseinander auf einem Spielfeld, das die Gastgeber fast nach Belieben in die Breite zogen - und damit den Weg Richtung Timo Horn in unschöner Regelmäßigkeit öffneten.

"Wir hatten keinen Zugriff", analysierte der bedauernswerte Kölner Keeper, an diesem Abend der einsamste Mensch im Stadion. Der Doppelpack nach der Pause sei ein "herber Nackenschlag" gewesen, eigentlich habe man versuchen wollen, das Spiel zu drehen: "Genau das Gegenteil ist dann passiert." Und deshalb stand als Fazit: "Hoffenheim hat uns so richtig vorgeführt, heute haben wir auf den Sack bekommen, und jetzt heißt es Mund abputzen, nicht zu viel darüber nachdenken und weiter geht's."

Es war ein abruptes Ende eines Kölner Höhenfluges, der dennoch längst nicht beendet sein muss. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kassiert fast jede Bundesliga-Mannschaft pro Saison mindestens eine Klatsche. Entscheidend ist für den weiteren Verlauf der Spielzeit, wie sie verarbeitet wird. Steffen Baumgart steht nicht dafür, mutlos zu werden nach Rückschlägen. Der Trainer weiß selbst am besten, wie schwer Spieler wie Ellyes Skhiri, Jonas Hector oder Dejan Ljubicic zu ersetzen sind. Dass er es nicht wie ein Monstranz vor sich her trägt, ehrt ihn. Dennoch: An diesem bitteren Freitag in Sinsheim hat auch er einen Eindruck davon bekommen, dass das Leistungsgefälle im Kader möglicherweise größer ist, als es scheint.

Baumgarts höchste Bundesliga-Niederlage

"Wir als Trainerteam hätten vielleicht früher auf die Dreierkette reagieren müssen, das ist dann auch für mich ein Erfahrungswert", sah Baumgart auch bei sich und seinem Staff Verbesserungspotential, ohne jedoch seine Spieler von der Schuld freizureden. "Wir können nicht zwei, drei Prozent weniger machen, das funktioniert nicht. Wir müssen lernen, dass wir gegen so einen Gegner auch mal den Arsch vollkriegen können", so Baumgart, der in der Bundesliga noch nie so hoch verloren hatte.

Die Chance auf Wiedergutmachung bietet sich dem FC am nächsten Wochenende, wenn Bayer Leverkusen zum Rheinischen Derby kommt. "Es ist ein Derby, wir spielen zuhause und werden alles daran setzen, dieses Spiel ganz anders anzugehen und zu gewinnen", gibt Baumgart bereits die Marschrichtung für den kommenden Spieltag vor. Zuvor wird beim FC jedoch genau darauf geachtet, was in Sinsheim alles falschgelaufen ist. Sowohl bei den Spielern als auch im Trainerteam.

Frank Lußem, kon

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