Bundesliga

Baumanns Werder-Warnung: "Brutal" - und rechtzeitig?

Bremens Sportchef über Anzeichen, Sorgen und Füllkrug

Baumanns Werder-Warnung: "Brutal" - und rechtzeitig?

Sah ein grausames Spiel seiner Mannschaft: Frank Baumann.

Sah ein grausames Spiel seiner Mannschaft: Frank Baumann. Getty Images

70 Tage lagen zwischen den letzten beiden Partien des SV Werder Bremen. Doch was in der Zwischenzeit passiert ist, gab eigentlich keinerlei Anlass dazu, anzunehmen, dass auf ein 1:2 am 15. Spieltag gegen RB Leipzig ein 1:7 am 16. Spieltag beim 1. FC Köln folgen würde. "Nein", bestätigt selbst Frank Baumann diesen Eindruck gegenüber dem kicker, derlei Befürchtungen gab es im Vorfeld "aus meiner Sicht nicht".

Auch der Bremer Sportchef hatte in den vergangenen Wochen ja eine "zumindest ordentliche Vorbereitung" ausgemacht - mit Testspielen, die "grundsätzlich okay waren". Keine Widerrede: 3:1, 1:0, 2:0, 2:2, 1:0 - vier Siege, ein Unentschieden. Allerdings auch gegen Gegner, die bis auf die Generalprobe vor einer Woche auf Schalke nicht den höchsten (Bundesliga-)Maßstäben genügten. Dass man "nach einer so langen Pause nicht weiß, wie du reinkommst und wo du stehst", wie Baumann sagte, ist gewissermaßen normal.

Das Thema 'in den Wettkampfmodus schalten' hatten wir einfach noch nicht drin.

Frank Baumann

Nicht normal war hingegen, dass die Unterschiede zu den jüngsten Eindrücken - geschweige denn zur bisherigen Hinrunde, die der Tabellenneunte für einen Aufsteiger ja überdurchschnittlich souverän bestritten hatte - so deutlich waren und wurden. "Das Thema 'in den Wettkampfmodus schalten' hatten wir einfach noch nicht drin", erklärte der Werder-Sportchef: "Ich hoffe, dass das zwar ein brutaler, aber ein rechtzeitiger Warnschuss war. Und dass wir es gegen Union und Wolfsburg besser machen können."

Bereits am Mittwoch bekommt Werder in der bevorstehenden englischen Woche dazu die Gelegenheit, erst gegen den Tabellendritten - am Samstag dann gegen die formstarken Wolfsburger (fünf Ligasiege in Folge). Für Werder bedeutete das "desaströse Ergebnis" (Baumann) aus Köln indes die dritte Niederlage in der Bundesliga in Folge, wenngleich die mehr als zweimonatige Pause mögliche Aussagen über einen derart negativen Trend natürlich etwas abschwächt.

Nur ein Ausrutscher? "Die Frage stellen wir nicht"

Muss man sich trotzdem allmählich ernsthafte Gedanken darüber machen, dass aus einer bislang sorgenfreien vielleicht noch eine sorgenvolle Saison für den SV Werder Bremen wird - oder war dieses 1:7 nur ein Ausrutscher? "Die Frage stellen wir nicht", entgegnet Baumann: "Wir beschäftigen uns mit dem Spiel, der Analyse mit den Spielern - und dann ab Montag spätestens mit der Vorbereitung auf Union Berlin. Über alles andere sollte man nicht zu viel nachdenken. Wichtig ist, dass wir uns über die Leistung unterhalten und definieren."

Doch die hatte in Köln so gar nichts mit jenen Parametern zu tun, die Werder bis dato über weite Strecken der Saison ausgezeichnet hatten. Ob dieses Negativ-Erlebnis sich nun womöglich nachhaltig auf die restliche Saison auswirkt, bleibt zwar erst einmal noch abzuwarten. Allerdings dürfe man die Geschehnisse vom Samstagabend "nicht auf die leichte Schulter nehmen", so Baumann, der daran erinnerte, dass die Bremer "eine Geschlossenheit auf dem Platz und ein gewisses Selbstverständnis in den Abläufen" benötigen, um in der Bundesliga bestehen zu können. Und sicherlich auch: ihren besten Torschützen.

Füllkrug: "Haltung hat sich nicht verändert"

Niclas Füllkrug erzielte in Köln immerhin seinen elften Saisontreffer. Ein zumindest theoretisch möglicher Abgang des Nationalspielers noch in diesem Winter würde etwaige Sorgen zumindest entscheidend vergrößern. Doch der 29-Jährige soll definitiv bleiben, sagt Baumann, diese Notwendigkeit sei nach der Klatsche in Köln nicht unbedingt größer als ohnehin bereits: "Da war unsere Haltung vorher schon klar - und die hat sich durch das Spiel auch nicht verändert."

Tim Lüddecke

Spieltagsbilder 16. Spieltag 2022/23