Bundesliga

Frank Baumanns Werder-Rückzug: Gründe und Nachfolger-Suche

Was der baldige Abschied des Sportchefs bedeutet

Baumanns Werder-Rückzug: Gründe, Nachfolger-Suche, Fritz-Chance, Rückkehr

Der alte und womöglich bald der neue Geschäftsführer von Werder Bremen: Frank Baumann (re.) und sein Nachfolgekandidat Clemens Fritz.

Der alte und womöglich bald der neue Geschäftsführer von Werder Bremen: Frank Baumann (re.) und sein Nachfolgekandidat Clemens Fritz. IMAGO/Nordphoto

Aus völlig heiterem Himmel kam die Entscheidung Frank Baumanns, sich nach der Saison als Sportchef des SV Werder Bremen zurückzuziehen, schon deshalb nicht mehr, da er ja schon länger von einer Auszeit mit spätestens 50 Jahren gesprochen hatte. Auch Dr. Hubertus Hess-Grunewald übermittelte am Mittwochnachmittag via Vereinsmedien zwar sein Bedauern: "Aber überraschend war es nicht", erklärte der Vorsitzende des Aufsichtsrats.

Und wer genau hinhörte, wann immer Baumann mal wieder auf seine persönliche Zukunft angesprochen wurde, der durfte zumindest skeptisch sein, was eine erneute Unterschrift unter einem Werder-Vertrag anbelangte. Dass Hess-Grunewald nun erwähnte, dass der Nachfolgeprozess "bereits begonnen" habe und nun entsprechend "fortgesetzt" wird, belegt auch einen gewissermaßen vorausschauenden internen Umgang mit dieser Personalie.

Baumann: "Ich werde vielleicht einmal sentimental"

"Nicht leicht" sei Baumann sein Entschluss gefallen, getroffen hat er diesen allerdings "mit voller Überzeugung". Der 48-Jährige, seit über zwei Jahrzehnten ein Teil des Vereins - erst als Spieler, später in verschiedenen Managementpositionen - sieht die Zeit gekommen, "den Weg freizumachen" - um neue Impulse für den Verein zuzulassen, für den er seit 2016 als Geschäftsführer Sport tätig war. Und, um selbst mal wieder eine Pause einzulegen, wie er das bereits nach seiner Profikarriere und im Jahr 2015 getan hatte. Zeit zu haben für sich selbst und seine Familie, sagt Baumann: "Das ist auch ein Grund." Eine erneute Rückkehr in den Verein will er zwar "nicht ausschließen, aber ich glaube, dass eine hauptamtliche Stelle bei Werder eher unwahrscheinlich ist".

Bis Ende der laufenden Saison wird er jedoch erst einmal weiter vollumfänglich in alle Prozesse eingebunden sein und gab dabei auch das Versprechen ab, dass sich durch seinen auslaufenden Vertrag nichts daran ändern werde: "Ich mache da keinen Unterschied und werde mit dem gleichen Engagement darangehen." Noch seien die Abschiedsgedanken und derlei Gefühle jedenfalls weit weg: "Ich werde vielleicht einmal sentimental", glaubt Baumann: "Das wird das letzte Heimspiel sein." Am 34. Spieltag gegen den VfL Bochum.

Fritz als Nachfolger? "Wir werden ihm die Gelegenheit geben"

Bis dahin wird längst auch sein Nachfolger bekannt sein, der Klub hat sich dabei das Ende des ersten Quartals 2024 als Deadline gesetzt. Bei der Entscheidungsfindung will man sich laut Hess-Grunewald jedoch nicht treiben lassen: "Sorgfalt geht vor Geschwindigkeit", betont der 63-Jährige: "Wir suchen eine Persönlichkeit, die Werder Bremen auch in den nächsten Jahren langfristig in der Bundesliga etabliert und die Rahmenbedingungen dafür schafft, dass sich die Mannschaft weiterentwickeln kann." Zudem seien die Felder Scouting, Nachwuchs und Frauen-Fußball Teil des "umfassenden Anforderungsprofils".

Er wäre sicherlich geeignet, diese Position auszufüllen.

Dr. Hubertus Hess-Grunewald über Clemens Fritz

Der aktuelle Leiter Profifußball, Clemens Fritz, gehöre dabei "natürlich" zu den möglichen Kandidaten für die Baumann-Nachfolge: "Er wäre sicherlich geeignet, diese Position auszufüllen, weil er sich gerade in den letzten Jahren entwickelt hat und wir ihn ja auch ein Stück weit in diese Richtung ausgebildet haben", erklärt Hess-Grunewald. Und weiter: "Wir werden Clemens die Gelegenheit geben, sich dem Aufsichtsrat zu präsentieren und uns seine Vorstellung von Entwicklung und der Ausfüllung dieser Position darzulegen." Seine Bereitschaft besteht.

Hess-Grunewald: Baumann hatte stets das "Ganze im Blick"

Doch auch darüber hinaus will der Werder-Führungskreis sich seiner "Verantwortung gerecht werden, den Markt zu scannen, uns weitere Kandidaten anzuschauen und dann eine Entscheidung zu treffen". Dass eine Werder-DNA, wie sie der langjährige Ex-Kapitän Fritz mitbrächte, nicht zwingend eine Voraussetzung sei, hätten etwa die Anstellungen in der jüngeren Vergangenheit von Profi-Cheftrainer Ole Werner (zuvor Holstein Kiel), Ausbildungsleiter Marc Dommer (1. FC Köln) und Kaderplaner Johannes Jahns (RB Salzburg) gezeigt. "In erster Linie geht es um fachliche Kompetenz und Inhalte", so der Aufsichtsratsvorsitzende.

Was Hess-Grunewald sich für den Nachfolger auf dem Geschäftsführerposten wünschen würde, sei, dass dieser stets das "Ganze im Blick" hat - wie Baumann: "Frank hat sich immer auch um die Belange gekümmert, die neben dem Profifußball von Relevanz waren. Das hat ihn ausgezeichnet."

Tim Lüddecke

In einer Welt ohne Messi und CR7: Sie hätten einen Ballon d'Or

alle Videos in der Übersicht