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Bassa Mawems Bizeps reißt - Ein Reglement mit dem Hauch von Wettbewerbsverzerrung

Französischer Sportkletterer kann nicht am Combined-Finale teilnehmen

Bassa Mawems Bizeps reißt - Ein Reglement mit dem Hauch von Wettbewerbsverzerrung

Sekunden nach der schweren Verletzung: Bassa Mawems linker Bizeps reißt.

Sekunden nach der schweren Verletzung: Bassa Mawems linker Bizeps reißt. AFP via Getty Images

Diese schwere Verletzung bestätigte mittlerweile Bassa Mawem in einem Interview mit France.TV - eine Teilnahme am Finale der besten acht Sportkletterer an diesem Donnerstag ist damit unmöglich, vielmehr wird der 36-Jährige rund ein halbes Jahr ausfallen. 

Platz 1 im Speed: Bassa Mawem legt mächtig vor

Die Qualifikation für Bassa Mawem hatte mit Platz 1 im Speedklettern perfekt begonnen, mit 5,45 Sekunden für die 15-Meter-Wand stellte er einen starken olympischen Rekord auf. Der Speedspezialist hatte mit diesem Auftritt aufgrund des Multiplizierens aller Platzierungen im Speed, Bouldern und Leadklettern das Finale sicher. So weit so gut.

Platz 1 im Bouldern: Mickael Mawem legt bärenstark nach

Getoppt wurde das Spitzenergebnis dann von seinem jüngeren Bruder Mickael Mawem, der just an seinem 31. Geburtstag im Bouldern einen Sahnetag erwischte - und selbst den Boulder-Weltmeister Tomoa Narasaki aus Japan hinter sich ließ. Mit unheimlich viel Selbstvertrauen und ebenso großer Dynamik toppte er drei von vier Boulderproblemen, zwei davon sogar als Flash, also mit dem ersten Versuch. Ein Schock für die Konkurrenz war vor allem sein Auftritt an Boulder 2, an dem zuvor alle anderen Athleten bis auf DAV-Kletterer Alex Megos nicht einmal den in der Mitte der Wand angebrachten Zonengriff erreicht hatten. Mickael Mawem konnte mit Platz 1 im Bouldern und Platz 3 im Speed ebenso entspannt dem sicheren Finaleinzug entgegenblicken wie sein Bruder Bassa. So weit, so gut.

Lead: Schock und Bizeps-Riss bei Griff 7

Doch dann folgte der Schock. Beim Seilklettern (Lead) griff Bassa Mawem relativ entspannt zu Griff 7 und wollte nach oben ziehen, als der komplette Bizeps-Muskel des linken Oberarms klar ersichtlich abriss und der Franzose aus dem unteren Teil der Wand kippte. Sofort fasste er sich an den lädierten Arm und stellte auch gleich die ebenso richtige, wie ernüchternde Diagnose. "Ich denke, ich habe mir den Bizeps gerissen." So weit, so unfassbar bitter.

Kein Nachrückverfahren im Finale - Vier Zweier-Duelle zu siebt?

Trotz des letzten Platzes im Lead ist Bassa Mawem sportlich ins Finale als Siebtplatzierter eingezogen. Das Reglement sieht für einen verletzungsbedingten Ausfall kein Nachrückverfahren anderer Athleten vor. Sonst wäre der Erlanger Megos der Profiteur von Bassa Mawems  Verletzung. Da allerdings das Speedfinale am Donnerstag in mehreren Ausscheidungs-Duellen zwischen jeweils zwei Kletterern angesetzt ist, könnte dieser Modus bei einem Feld von nur sieben Startern nicht aufrecht erhalten werden. Es sei denn, man gibt Bassa Mawems Gegner im Speedfinale, dem Tschechen Adam Ondra ein Freilos, was angesichts des Multiplikationsverfahrens aller Einzelergebnisse einen Hauch von Wettbewerbsverzerrung hätte.

Gerade bei der olympische Premiere des Sportkletterns wäre dies im Sinne des Sports sicher keine gute Lösung.

bst

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