Bundesliga

"Basics gefragt": Baumanns Lagebeurteilung und Forderung

Hoffenheims Torhüter spricht von einem "historischen Halbjahr"

"Basics gefragt": Baumanns Lagebeurteilung und Forderung

"Wir brauchen Spiele zu null": TSG-Torwart Oliver Baumann.

"Wir brauchen Spiele zu null": TSG-Torwart Oliver Baumann. imago images

"Es fällt schwer, sachlich zu bleiben", hatte Oliver Baumann nach dem ernüchternden 0:4 zuletzt auf Schalke gesagt und sich auf die Zunge gebissen. Mit etwas Abstand beschreibt der TSG-Torhüter die Defensivprobleme vor sich so: "Wir wollen die individualtaktischen Dinge besser machen. Wir brauchen Spiele zu null, um über Stabilität zu mehr Selbstvertrauen und Sicherheit zu kommen. Zuletzt taten wir uns nach Gegentoren schwer, unser Spiel fortzuführen." Da macht sich langsam auch die Psyche bemerkbar bei den Kraichgauern, die nun vor dem Heimspiel gegen Bielefeld unter Erfolgsdruck stehen. Durch den 1:0-Sieg des Aufsteigers gegen Hertha BSC erhielt diese Begegnung zusätzliche Brisanz, Bielefeld liegt nur noch zwei Punkte hinter der TSG.

"Jetzt sind die Basics gefragt, um den Bock umzustoßen", fordert Baumann, "Kampf, Bereitschaft und das absolute Engagement, kein Gegentor zu bekommen. Das brauchen wir jetzt und daran arbeiten wir hart." Um die Feinheiten in den defensiven Abläufen zu verbessern, brauche es Zeit. "Es geht doch um eine weitsichtigere Einordnung. Durch die vielen Ausfälle in den vergangenen Monaten, war es einfach nicht möglich sich über längere Trainingsphasen als Formation einzuspielen. Um Abläufe auf dem Platz zu justieren, braucht es einfach viele gemeinsame Einheiten. Das ist aktuell unser Schwerpunkt."

"In 23 Pflichtspielen 21 verschiedene Startformationen"

Die permanenten Rotationen in dieser von Corona, Verletzungen und Belastungssteuerung geprägten Saison haben ihren Tribut gefordert. "Wir haben in dieser Saison aufgrund der massiven Ausfälle in 23 Pflichtspielen 21 verschiedene Startformationen aufstellen müssen, dass das Konsequenzen hat, lässt sich doch nicht ausblenden. Diese Rahmenbedingungen dürfen bei der Bewertung eines extremen, ja historischen Halbjahres nicht außer Acht gelassen werden."

Baumann verteidigt Hoeneß

Die aufkommenden Diskussionen oder Spekulationen um Trainer Sebastian Hoeneß kann Baumann deshalb nicht nachvollziehen. "Er ist ein ambitionierter Trainer, der seine eigenen Ideen hat, wahnsinnig offen ist und viel kommuniziert", versichert Baumann, "wir kriegen es derzeit auf dem Platz einfach nicht umgesetzt, vor allem aufgrund der beschriebenen Problematik der vergangenen Monate. Wir sind wach und fokussiert und wollen die zweifellos guten Phasen, die wir in vielen Spielen hatten, jetzt auch in Punkte umwandeln." Die Mannschaft stehe "selbstverständlich" weiter geschlossen hinter dem Trainer und seinem Weg.

Nach einer Halbserie mit diesen Herausforderungen und Belastungen sollten öffentliche Erwartungshaltungen sicher noch mal neu justiert werden.

Oliver Baumann

Gegen Bielefeld soll der dringend notwendige Dreier eingefahren werden. "Weil wir sehr gut trainieren. Wir erarbeiten uns immer mehr", verrät Baumann, "und jedem ist bewusst, worum es in den kommenden Wochen geht." In denen auch in Berlin bei Hertha BSC dann zu Hause gegen Köln Boden gutgemacht werden soll.

Sind die großen Ziele für die TSG trotz allem noch erreichbar? Oder geht es nur noch um Konsolidierung? "Nach einer Halbserie mit diesen Herausforderungen und Belastungen sollten öffentliche Erwartungshaltungen sicher noch mal neu justiert werden", beurteilt Baumann die Lage, "intern sind wir uns in der Bewertung klar. Wir können es nur immer wieder in Erinnerung rufen. Ausfälle von zehn oder zwölf Spielern über viele Monate, kann man nicht ignorieren. Wir müssen, wie gesagt, im Spiel an Stabilität gewinnen. Das ist unser wichtigstes Ziel. An andere Dinge verschwenden wir keine Gedanken."

Michael Pfeifer

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