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Balotelli on fire: City demütigt United im Old Trafford

Neun Blues verlieren bei QPR - Van Persie rettet Arsenal

Balotelli on fire: City demütigt United im Old Trafford

Botschaft statt Gesichtsregung: Mario Balotelli bejubelt sein Tor zum 1:0 - der Anfang vom Ende für United.

Botschaft statt Gesichtsregung: Mario Balotelli bejubelt sein Tor zum 1:0 - der Anfang vom Ende für United. imago

3,1 bzw. 3,4 Tore hatten Rot und Blau an den ersten acht Spieltagen im Schnitt geschossen, die Aufstellung - Sir Alex Ferguson setzte auf das Sturmduo Rooney/Welbeck, Roberto Mancini hielt mit Aguero/Balotelli (statt Dzeko) dagegen - ließ ein Spektakel erhoffen. Das wurde es erst einmal nicht - und doch wurde es ein historischer Nachmittag.

Im natürlich ausverkauften Old Trafford dominierte United zwar die ersten 20 Minuten des gleich sehr schnellen und intensiven 161. Manchester-Derbys klar, jede Menge Ballbesitz sorgte mitunter für Powerplay-Situationen. Allein: Eine echte Torchance sprang dabei nicht heraus - City dagegen nutzte gleich die erste. Milner, von Silva links in die Gasse geschickt, legte zurück auf Balotelli, der einen perfekten Flachschuss ins rechte Eck setzte (22.).

Premier League - 9. Spieltag
Premier League - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Manchester City Manchester City
25
2
Manchester United Manchester United
20
3
FC Chelsea FC Chelsea
19
Premier League - Torjäger 2011/12
Manchester City Aguero Sergio
9
Manchester United Rooney Wayne
9
Manchester City Dzeko Edin
8

Die Demütigung im Protokoll

Balotelli fragt: "Why always me?"

Das "Enfant terrible", das in der Nacht auf Samstag einmal mehr neben dem Platz Schlagzeilen produziert hatte, als eine Spielerei mit Feuerwerkskörpern sein Badezimmer in Flammen aufgehen ließ und die Feuerwehr anrücken musste, jubelte ohne Gesichtsregung - dafür mit der amüsanten T-Shirt-Botschaft: "Why always me?" Der urplötzliche Rückstand machte United erst einmal ratlos, zumal City jetzt weniger Räume ließ und richtig stark verteidigte. Zwei harmlose Fernschüsse von Anderson und Rooney und ein Luftloch von Evans in bester Position blieben die wenigen Highlights vor Citys Kasten.

United ist uns immer noch einen Schritt voraus. Das können wir nur ändern, wenn wir den Titel gewinnen.

City-Coach Roberto Mancini nach dem Triumph im Old Trafford

Die zweite Hälfte war 63 Sekunden alt, als sie für United schon wieder vorbei war: Evans reagierte bei Silvas Traum-Steilpass viel zu träge und hielt Balotelli fest - Rot! Von diesem Schock erholten sich die Hausherren nicht mehr, weil City die neuen Räume in Überzahl hervorragend nutzte und begann, mit dem Erzrivalen Katz und Maus zu spielen. Eine überragende Kombination schloss erneut Balotelli nach Milner-Hereingabe aus wenigen Metern ab (60.), Aguero staubte bei einem ähnlich gnadenlos vorgetragenen Tempo-Vorstoß nach Richards' Flanke ab - 3:0 (69.)!

United gibt einfach auf

Und es war noch längst nicht Schluss. Fletcher gelang zwar sehenswert der Ehrentreffer (81.) - den viele United-Fans schon gar nicht mehr mitbekommen hatten -, statt eines Endspurts folgte aber die bedingungslose Kapitulation: Joker Dzeko (89., 90.+3) und Silva (90.+1) sorgten bei einfachen Kontern für die Tore vier bis sechs, ein minutenlanges Dauergrinsen bei Mancini und die höchste Heimniederlage in Uniteds Premier-League-Geschichte. Mehr noch: seit 1955. Dabei hatten die Red Devils seit zwölf Monaten jedes Liga-Heimspiel gewonnen. Schlimmer jedoch: Im Derby war's die höchste Pleite seit 1926. Manchester ist erst einmal klar in blauer Hand.

Die Anzeigetafel im Old Trafford kurz vor dem Ende des Manchester-Derbys

Geleerte Plätze, lange Gesichter - und ein Resultat für die Geschichtsbücher: die Sekunden vor dem Schlusspfiff im Old Trafford. picture-alliance

Auch als Joker: Van Persie bleibt Arsenals Lebensversicherung

Im Parallelspiel bezwang Arsenal Stoke mit 3:1 - das deutsch-deutsche Abwehr-Duell Mertesacker gegen Huth fiel dabei aus, weil Letzterer wieder auf die Bank rotierte. Die Gunners-Bank war noch prominenter besetzt: So gönnte Coach Arsène Wenger unter anderem seinem erfolgreichsten Torjäger van Persie eine schöpferische Pause. Der für den Niederländer in die Startelf rotierte Gervinho traf zwar nach einer knappen halben Stunde für die Londoner, Crouch glich jedoch postwenden aus. So musste doch van Persie ran: Kurz nach seiner Einwechslung nach einer guten Stunde verwertete er zwei Gervinho-Flanken zum 2:1 und 3:1. Arsenal gewinnt damit zum ersten Mal in dieser Saison zwei Spiele in Folge und arbeitet sich langsam in der Tabelle nach oben. Erzrivale Tottenham mühte sich bei Schlusslicht Blackburn zum Sieg, van der Vaart traf von nah (15.) und fern (53.) zum knappen 2:1-Sieg.

Eine Stunde zu neunt! Chelsea verliert das West-London-Derby bei QPR

Jose Bosingwa foult Shaun Wright-Phillips, rechts John Terry

Notbremse? Bosingwa foult Wright-Phillips zwar, aber Terry (r.) war noch in der Nähe. Trotzdem gab's Rot. imago

Das Manchester- war vom West-London-Derby zwischen den Queens Park Rangers und Chelsea nicht mehr zu toppen, doch auch zwischen diesen Rivalen ging es hoch her. Drei Referee-Entscheidungen gaben den Ausschlag für den umjubelten 1:0-Triumph (und ersten Heimsieg) des Aufsteigers: Zunächst verwandelte der gefoulte Helguson einen berechtigten Elfmeter, dann flog Bosingwa für eine umstrittene Notbremse und Drogba für eine brutale Frust-Grätsche im Mittelfeld. Nach 41 Minuten war Chelsea nur noch zu neunt! Die Blues bäumten sich nach dem Seitenwechsel zwar mit viel Moral auf, doch nach einem Klammergriff gegen David Luiz blieb der erneute Elfmeterpfiff aus, und Anelka vergab die Riesenchance zum 1:1 per Kopf (80.). So entschied der Tabellendritte nur die Karten-Statistik für sich (7:2 Gelbe, 2:0 Rote Karten). Ein Jubiläum am Rande: Lampard knackte als fünfter Akteur die Marke von 500 Premier-League-Spielen.

Das Vorprogramm: West Brom siegt erstmals seit 1979 bei Villa - Liverpool patzt

Klar, das Manchester-Derby überstrahlt an diesem Wochenende alles. Am Samstag ging also quasi das Vorprogramm über die Bühne. Und das hatte doch einiges zu bieten: Zum Beispiel die späte Aufholjagd der Wolves, die durch Treffer von Doyle (84.) und O'Hara (86.) noch zu einem 2:2 gegen Swansea kamen und die sechste Niederlage in Serie abwendeten. Der erste Auswärtspunkt der Saison dürfte sich für die Waliser wie eine Niederlage anfühlen.

Am Nachmittag behauptete Newcastle auch gegen Wigan die "0" in der Niederlagenspalte. Cabaye sorgte mit seinem ersten Tor für die Magpies kurz vor Schluss dafür, dass der St. James' Park drei Punkte bejubeln durfte. Im traditionsreichen Midlands-Derby zwischen Aston Villa und West Brom kamen die Gäste trotz Rückstands in den seltenen Genuss eines Sieges. Dabei profitierten die Baggies allerdings auch von einer umstrittenen Roten Karte gegen Villas Herd (35.). Scharner bescherte den Gästen nach der Pause den ersten Sieg im Villa Park seit 1979.

Einen Dämpfer musste der FC Liverpool im Abendspiel gegen Aufsteiger Norwich hinnehmen. Skrtel und Suarez trafen Aluminium, ehe Bellamy den Favoriten in der Nachspielzeit der ersten Hälfte in Führung schoss. Doch der Aufsteiger gab sich nicht geschlagen: Ein Kopfballtor des eingewechselten Holt bescherte den Canaries einen Punkt an der Anfield Road. Für die Reds war es im fünften Heimspiel bereits das dritte Remis, die Spitzengruppe droht außer Sichtweite zu geraten.