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"Bad Guys": Womit Tuchel nicht ganz richtig liegt

Liverpool auch nicht jedermanns Liebling

"Bad Guys": Womit Tuchel nicht ganz richtig liegt

Im FA-Cup-Finale treffen Jürgen Klopp und Thomas Tuchel erneut an der Seitenlinie aufeinander.

Im FA-Cup-Finale treffen Jürgen Klopp und Thomas Tuchel erneut an der Seitenlinie aufeinander. imago images/Shutterstock

Heute wollen die Blues einmal nicht die Ersten sein. 76 Tage ist es erst her, dass die Chelsea-Fans ihre Hälfte des Wembleystadions zügig verließen, nachdem das League-Cup-Endspiel mit einem 11:10 im Elfmeterschießen für den FC Liverpool entschieden worden war. Der Anhang der Reds feierte ausgelassen und bewegte sich erst viel später im von Stewards und wenigen Polizisten gesteuerten Stop-and-go zurück zur U-Bahn-Station Wembley Park.

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Eine strikte Fantrennung bei der An- und Abreise gab und gibt es nun auch beim FA-Cup-Finale nicht, wenngleich Fanzonen in der Nähe der Arena eingerichtet sind. Doch wer nicht direkt dorthin reist, kommt eben aus allen Ecken der Londoner Innenstadt, die Fußballfreunde mischen sich Stunden vorm Anstoß unwillkürlich. Nach einem praktisch störungsfreien Ligapokal-Krimi hatte es vermehrt Klagen über Sprüche und Gesänge gegeben, mit denen eine notorische Minderheit von Chelsea-Fans wieder einmal die Opfer der Stadionkatastrophe von Hillsborough verhöhnte. 97 Liverpool-Fans fanden durch diese Tragödie im FA-Cup-Halbfinale gegen Nottingham Forest 1989 den Tod.

Als Chelsea-Trainer Thomas Tuchel in der Pressekonferenz für das heutige Endspiel davon sprach, sein Team fülle die Rolle der "Bad Guys" aus, weil die Sympathien im Land überwiegend Liverpool gehörten, hatte er sicher nicht die Beurteilung von Fanverhalten im Sinn. Argwohn erweckt vielmehr Chelseas bald vormaliger Besitzer Roman Abramovich. Unter dem Eindruck des russischen Überfalls auf die Ukraine nahm die Abneigung zu, nachdem sich die Mehrheit der Fußball-Interessierten zuvor nicht mehr wirklich um die Besitzverhältnisse des durchaus attraktiven und erfolgreichen Klubs aus dem Londoner Südwesten geschert hatte.

Bei aller Begeisterung für Liverpools Fußball und seinen Trainer Jürgen Klopp, den auch Fans anderer Klubs sehr schätzen - ein Everybody’s Darling ist der LFC im Vereinigten Königreich gewiss nicht, selbst wenn Pep Guardiola das ebenfalls vor wenigen Tagen mit Blick auf das enge Titelrennen mit Manchester City behauptete. Die "Liverpudlians" legen auch gar keinen Wert darauf. "Scouse not English" ist ihre Haltung. Die Menschen von der Merseyside, die "Scouser" mit ihrer eigenen widerstandsfähigen und humorvollen Art, dem irischen Einfluss und ihrem speziellen Dialekt, stehen dem Süden und den von dort Regierenden in der Regel mindestens kritisch gegenüber. Die rote Hälfte im Stadion wird sich diesmal erneut keine Freunde im Land machen, wenn wieder ein großer Teil von ihnen bei "God save the Queen" auf die Nationalhymne pfeift.

Emirates FA Cup Final Package File photo dated 20-03-2022 of Liverpool manager Jurgen Klopp. Jurgen Klopp and Thomas Tuchel will face each other for the 19th time as managers in SaturdayÕs FA Cup final at Wembley. Issue date: Thursday May 12, 2022. FILE PHOTO EDITORIAL USE ONLY No use with unauthorised audio, video, data, fixture lists, club league logos or live services. Online in-match use limited to 120 images, no video emulation. No use in betting, games or single club league player publica... PUBLICATIONxNOTxINxUKxIRL Copyright: xIsaacxParkinx 66851237

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Prinz William, Fan von Aston Villa und Repräsentant des englischen Fußballverbandes (Football Association) muss das nicht persönlich nehmen. 1914 gab sich mit King George V erstmals das hochrangigste Mitglied der königlichen Familie die Ehre beim FA-Cup-Finale. Es heißt, die Berater des Regenten hätten damals eine nachlassende Zuneigung im Volk erkannt. Seine Anwesenheit beim Endspiel in Crystal Palace sollte wieder mehr Nähe schaffen. Für Liverpool war es das erste Endspiel im ältesten Pokalwettbewerb der Welt. Es ging, gegen Burnley, mit 0:1 verloren. Der Begriff Fantrennung war damals noch nicht geläufig. Vermutlich sind die Besucher aus dem Nordwesten Englands in denselben Zügen heimgekehrt.

Jörg Jakob

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