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Azmoun - Mut, Emotionen und die WM als Aufbautraining

Leverkusens Stürmer macht wichtige Schritte vor Endspiel ums Achtelfinale

Azmoun - Mut, Emotionen und die WM als Aufbautraining

Leverkusens Iraner Sardar Azmoun scheiterte zweimal am Aluminium.

Leverkusens Iraner Sardar Azmoun scheiterte zweimal am Aluminium. IMAGO/eu-images

Erst seine schwere Wadenverletzung und dann seine mutige Kritik am Mullah-Regime in seiner Heimat - für Sardar Azmoun war die Teilnahme an der WM in Katar aus mehreren Gründen mit dicken Fragezeichen versehen. Doch nun scheint sich das Turnier für den Iraner zu einer Erfolgsgeschichte zu entwickeln - und damit auch für seinen Klub.

Denn der 27-Jährige, der seit seiner Anfang Oktober erlittenen Muskelverletzung kein Pflichtspiel mehr für Bayer 04 bestritten hatte und ohne jede Spielpraxis nach Katar reiste, macht im Wüsten-Emirat entscheidende Schritte nach vorne. Vom Joker beim 2:6 gegen England zum Startelfspieler beim 2:0 gegen Wales. Azmoun kommt sichtbar voran.

"Gegen Wales hat er fast 70 Minuten gespielt und beim nächsten Mal vielleicht noch zehn Minuten länger. Dass er gut aus seiner Verletzungspause kommt, ist das Wichtigste. Und wenn der Iran weiterkommen würde, bekäme er noch mehr Minuten", freut sich Bayer-04-Geschäftsführer Simon Rolfes über den Auswärtstrend, dem nur noch ein Treffer fehlt.

Azmoun im Alu-Pech

Und auch auf den steuert Azmoun gezielt zu. Gegen England verhinderten Keeper Jordan Pickford und die Latte in der achten Minute der Nachspielzeit seinen ersten WM-Treffer, gegen Wales scheiterte er erst am Pfosten, später an Torhüter Wayne Hennessey. Azmoun schnuppert nach langer Zwangspause an seinem ersten Treffer.

Rolfes gefällt natürlich, wie Azmoun die WM als Aufbautraining nutzt. "Sardar hat es gut gemacht. Er ist in einer guten Verfassung. Im ersten Spiel hat er schon die Latte getroffen, gegen Wales den Pfosten. Jetzt hoffe ich, dass er gegen die USA das Glück auf seiner Seite hat."

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Im Endspiel gegen die USA um den Achtelfinaleinzug am Dienstag sieht Rolfes den Iran nicht chancenlos. "Gegen die USA wird es schwer, aber wenn sie so leidenschaftlich wie gegen Wales spielen, haben sie die Klasse, das Spiel zu gewinnen." Ein Unentschieden würde dem Iran schon reichen, wenn Wales das Parallelspiel gegen England nicht gewinnt.

Ich habe den Eindruck, dass sich die Europäer bislang schwertun, so viele Emotionen einzubringen.

Simon Rolfes

Diese absolute Leidenschaft, mit der bislang augenfällig gerade die Teams aus Südamerika, Afrika oder auch Asien ans Werk gehen. Diese sieht Rolfes womöglich als nicht unerheblichen Faktor in diesem Turnier. "Man muss noch abwarten. Wir sind ja noch in der Gruppenphase, aber ich habe den Eindruck, dass sich die Europäer bislang schwertun, so viele Emotionen einzubringen."

Die iranische Nationalmannschaft, die vor dem England-Spiel mit ihrem Schweigen während der iranischen Hymne ein starkes Zeichen setzte, und speziell Sardar Azmoun bringen auf jeden Fall allein schon aufgrund ihrer Vorgeschichte die größtmöglichen Emotionen mit.

Stephan von Nocks

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