2. Bundesliga

Aytekin zu Elfmeter-Rücknahme: "Hertha hat ein Stück weit Glück gehabt"

Die Entscheidung blieb schlussendlich ohne Folgen

Aytekin zu Elfmeter-Rücknahme: "Hertha hat ein Stück weit Glück gehabt"

Äußerte sich nach dem Abpfiff ausführlich zur Elfmeter-Rücknahme im Zweitliga-Topspiel zwischen Hertha BSC und St. Pauli: Schiedsrichter Deniz Aytekin.

Äußerte sich nach dem Abpfiff ausführlich zur Elfmeter-Rücknahme im Zweitliga-Topspiel zwischen Hertha BSC und St. Pauli: Schiedsrichter Deniz Aytekin. IMAGO/Matthias Koch

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Es war eine Entscheidung, die alle Eigenschaften hatte, um zur nächsten Kontroverse um den Video-Assistent (VAR) im Deutschen Fußball zu werden. Als Schiedsrichter Deniz Aytekin im Zweitliga-Topspiel am Samstagabend zwischen Hertha BSC und dem FC St. Pauli einen Elfmeter für die Gäste im ersten Durchgang vor den rund 66.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion zurücknahm, war die Wut auf der Gäste-Bank greifbar. Weil die Kietz-Kicker schlussendlich dennoch mit 2:1 siegten und die Tabellenspitze übernahmen, blieb jene Entscheidung aber folgenlos und die Wogen waren nach dem Abpfiff auch schnell wieder geglättet. Fragen blieben aber trotzdem - und diesen stellte sich der Unparteiische im Interview mit "Sky".

Was war passiert?

Beim Spielstand von 1:0 für die Gäste segelte ein Eckball in der 35. Spielminute durch den Strafraum der Berliner. Am zweiten Pfosten nahm Stürmer Johannes Eggestein, der den Führungstreffer St. Paulis zehn Minuten zuvor erzielt hatte, die Kugel runter und leitete sie mit etwas Glück auf Eric Smith weiter. Wenige Augenblicke später lag der Schwede auf dem Rasen und Schiedsrichter Aytekin zeigte auf den Punkt, weil Herthas Andreas Bouchalakis den Innenverteidiger beim Versuch zu klären am Bein getroffen hatte. So schien es zumindest, bis Aytekin nach längerer Besprechung mit VAR Sören Storks zu den Videomonitoren ging und den Strafstoß wenig später zurücknahm.

Das sagte Aytekin zur Szene

"Auf dem Platz war das für mich ein klarer Strafstoß", begann der 45-jährige FIFA-Schiedsrichter seine Erklärung bei "Sky". Er und sein Team, bestehend aus den Assistenten Christian Dietz und Eduard Beitinger sowie dem Vierten Offiziellen Felix Bickel, hätten einen "deutlicheren Kontakt" wahrgenommen, doch im Austausch mit VAR Storks kamen dann erste Zweifel auf. "Er hat zu mir gesagt, diesen deutlichen Kontakt, den du mir beschreibst, sehe ich in dieser Form nicht", so Aytekin. 

Weil es keinen deutlichen Kontakt gab, habe ich mich dann dazu entschieden, den Elfmeter nicht zu geben.

Deniz Aytekin

Um die Verantwortung "nicht nach Köln abzuschieben", sei er deshalb selbst an die Monitore gegangen. "Ich wollte einfach sichergehen", meinte der Referee. Bei genauerer Begutachtung seien weitere Zweifel aufgekommen, denn in einer ersten Perspektive sei der Kontakt nicht zu sehen gewesen. Eine zweite Perspektive der Aktion habe ein strafwürdiges Verhalten des Berliners dann "vermuten lassen", letztendlich sei sich Aytekin aber "zu unsicher" gewesen. "Weil es keinen deutlichen Kontakt gab, habe ich mich dann dazu entschieden, den Elfmeter nicht zu geben", erklärte er weiter.

Dass ein geneigter Zuschauer bei einer längeren Analyse der Sachlage auch zu einem anderen Schluss kommen könnte, verhehlte der Unparteiische dabei allerdings nicht. "Wenn man das detaillierter analysiert, kann man durchaus sagen, dass Hertha ein Stück weit Glück gehabt hat", sagte Aytekin, betonte allerdings auch die Komplexität solcher Entscheidungen - sowohl auf dem Feld als auch im so gescholtenen Kölner Keller. "Man sieht an so einer Szene, wie kompliziert die Aufgabe von den Jungs in Köln ist und ich wollte einfach selbst die Verantwortung dafür übernehmen", so Aytekin.

Hürzeler: "Gott sei Dank ist es am Ende gut gegangen"

St. Paulis Trainer Fabian Hürzeler, der direkt nach dem zurückgenommenen Elfmeter von Aytekin mit einer Gelben Karte verwarnt worden war, zeigte sich nach der Partie versöhnlich. "Er muss sich sicher sein, dass es ein Elfmeter ist", sagte der Coach gegenüber "Sport1", bestand gleichzeitig aber auch auf seiner Ansicht. Er glaube nach wie vor, dass Aytekin auf Strafstoß hätte entscheiden müssen, so Hürzeler, zumal Smith kein Spieler sei, "der sich im Strafraum fallen lässt". Schlussendlich war sich aber auch der Trainer bewusst, dass die Entscheidung gänzlich ohne Folgen blieb. "Gott sei Dank ist es am Ende gut gegangen."

Durch den Sieg gegen die Hertha hat St. Pauli nach dem 8. Spieltag auch die Tabellenführung inne, nur der 1. FC Kaiserslautern könnte diese den Kietz-Kickern mit einem Kantersieg in Osnabrück noch streitig machen. Vor der Länderspielpause trifft St. Pauli im dritten Samstagabendspiel in Serie auf den 1. FC Nürnberg (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker), während die Hertha am kommenden Wochenende (Sonntag, 13.30 Uhr) im Absteiger-Duell mit Schalke 04 zurück in die Spur finden will. 

cfr