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Auto-Unfall im Winter: Nicht immer zahlt die Versicherung

Angepasste Fahrweise verlangt

Auto-Unfall im Winter: Nicht immer zahlt die Versicherung

Autofahren im Winter: Solche Straßenverhältnisse bergen Unfallpotenzial.

Autofahren im Winter: Solche Straßenverhältnisse bergen Unfallpotenzial. ACE/Tchovikov

Im Winter, so sollte man meinen, kracht es besonders oft und besonders verhängnisvoll. In gewissem Sinne stimmt das auch: Wenn viel Weiß vom Himmel fällt und/oder sich die Straßen in Rutschbahnen verwandeln, meldet der Verkehrsfunk regelmäßig Staus, verursacht von Autos, die aufgrund winterlicher Straßenverhältnisse verunfallt sind. Den TV-Nachrichten und Social-Media-Kanälen ist dann das entsprechend dramatische Bildmaterial zu entnehmen.

Unterm Strich sieht die winterliche Wirklichkeit aber anders aus. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) kommt es ausgerechnet während der kalten Jahreszeit zumindest zu den wenigsten Unfällen mit Personenschäden. Das ist nur auf den ersten Blick ein Paradoxon. Denn abgesehen davon, dass Schnee und Eis zu vorsichtigerer Fahrweise animieren, bleibt bei widrigem Wetter das Auto oft ganz stehen. Und: Im Winter sind kaum Motorräder sowie weniger Fahrräder als in den Sommermonaten unterwegs.

Nur Schritttempo fahren

Wenn die Tücken der dunklen und kalten Monate aber doch zu einem Unfall geführt haben, fühlen sich die betroffenen Autofahrer und Autofahrerinnen wenigstens verlässlich von ihrer Versicherung geschützt. Doch das kann ein Trugschluss sein. Denn das, was die kalte Jahreszeit an Unbilden beschert, ist keineswegs höhere Gewalt, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Vielmehr verlangt die Straßenverkehrsordnung (StVO), dass sich Fahrzeuglenker und Fahrzeuglenkerinnen auf die Gegebenheiten einstellen und ihre Fahrweise entsprechend umstellen. So ist die Geschwindigkeit anzupassen, notfalls bis hin zum Schritttempo, sowie ein ausreichend großer Sicherheitsabstand einzuhalten - immer mit dem Ziel, das Fahrzeug jederzeit in der Gewalt behalten, ausweichen und vor einem Hindernis rechtzeitig anhalten zu können.

Blitzeis als Naturereignis

Vor allem das plötzlich auftretende Blitzeis, verursacht von unerwartet überfrierendem Regen, wird vielfach als ein Naturereignis und somit als die erwähnt höhere Gewalt begriffen, die aus der Verantwortung und somit aus der Haftung nimmt. Unter Berufung auf die Vorgaben, welche die StVO den Autofahrern und Autofahrerinnen hinsichtlich ihres Fahrverhaltens macht, sehen das die Versicherungen aber anders. Man müsse sich darüber klar sein, dass man bei einem Unfall selbst haftet, heißt es vonseiten des von der HUK-Coburg getragenen Goslar Instituts für verbrauchergerechtes Versichern.

Grobe Fahrlässigkeit

Diese Haltung kann im Schadensfall dazu führen, dass die Assekuranz den gegnerischen Schaden zwar zunächst bezahlt, sich das Geld aber wieder von ihrem Versicherungsnehmer zurückholt. Oder dass man als Geschädigter eine Teilschuld zugesprochen bekommt beziehungsweise - bei Unfällen ohne Unfallgegner - kein Geld von der eigenen Kasko sieht. Begründet wird dies mit dem Hinweis auf grobe Fahrlässigkeit.

Winterliche Straßenverhältnisse sollten also besser ernst genommen werden, ultravorsichtige Fahrweise inklusive. Oder, womöglich noch besser: Aufs Auto gleich ganz verzichten. Das tut dann auch der Unfallstatistik gut.

ule