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Auto im Corona-Lockdown: Standschäden vorbeugen

Batterie, Bremsen, Reifen, Abstellplatz

Auto im Corona-Lockdown: Standschäden vorbeugen

Extremfall: So sollte das Auto nach längerer Standzeit nicht aussehen.

Extremfall: So sollte das Auto nach längerer Standzeit nicht aussehen. Hendrik van der Heide/Pixabay

Wie sehr unsere Mobilität zurückgegangen ist, lässt sich an Zahlen ablesen. So geht die Bundesanstalt für Straßenwesen davon aus, dass 2020 über 12 Prozent weniger Autobahnkilometer abgespult worden sind als noch im Vorjahr. Und der ADAC meldet ein um 28 Prozent reduziertes Stauaufkommen auf den Schnellstraßen.

Urlaubsreisen fallen ebenso weg wie vielfach auch Wochenendausflüge oder die Fahrt in die Arbeit, denn zahlreiche Beschäftigte haben sich bekanntermaßen ins Home Office zurückgezogen. Auch wenn der Lockdown irgendwann gelockert wird, dürfte sich daran zunächst nicht allzu viel ändern.

Für manche Autos bedeutet das eine längere Zwangspause. Moderne, gut in Schuss befindliche Neuwagen überstehen ihren ganz eigenen Lockdown zwar selbst über ein Vierteljahr hinweg problemlos. In diesem Winter wird die Standzeit aber von reichlich Schnee und bitterkalten Temperaturen begleitet. Und bei älteren Autos sollte man sowieso ein Auge auf die Befindlichkeit haben. Diese Tipps helfen, Standschäden vorzubeugen:

Sicher abstellen

Am besten parkt das untätige Auto in einer trockenen, nicht zu kalten und idealerweise absperrbaren Garage. Nicht jeder hat freilich einen solchen Abstellplatz zur Verfügung. Eine Alternative ist in diesem Fall eine wenig befahrene Seitenstraße, in nicht allzu viel Verkehr (salzhaltiges) Spritzwasser oder Splitt aufwirbelt.

Sofern das Auto zugelassen ist, darf es den öffentlichen Parkraum nutzen. Dabei ist aber daran zu denken, dass unvorhergesehene Park- oder Halteverbote erlassen werden können - beispielsweise, weil Bauarbeiten anstehen. Dann droht Abschleppgefahr. Auch deshalb ist es anzuraten, mindestens jeden dritten Tag beim abgestellten Fahrzeug vorbeizuschauen.

Tank befüllen

Wenn absehbar ist, dass das Auto über einen längeren Zeitraum nicht bewegt wird, sollte der Tank mindestens zur Hälfte aufgefüllt werden. Das gilt vor allem für ältere Fahrzeuge, die keinen Kunststoff-, sondern noch einen Blechtank besitzen, der möglicherweise von innen zu rosten beginnt.

Raus mit der Feuchtigkeit

Platter Reifen

Plattfuß: Dem lässt sich vorbeugen. Christian Bollow/Pixabay

Feuchte Jacken oder Fußmatten, vor allem aber Lebensmittelreste tun dem Innenraumklima nicht gut. Unappetitliche Gerüche können sich ausbreiten, schlimmstenfalls bildet sich sogar Schimmel.

Dem Standplatten vorbeugen

Während längerer Standphasen steht sich das Auto womöglich die "Füße" platt. Denn das Gewicht des Fahrzeugs belastet die Pneus, sie verlieren sukzessive etwas an Luft und ihre Lauffläche flacht ab. Eine sinnvolle Prophylaxe ist es, vor längeren Standzeiten den Reifenfülldruck etwas zu erhöhen, Experten empfehlen etwa 0,2 bar.

Auf die Batterie achten

Zumeist ist es die Autobatterie, die nach einer Pause Probleme bereitet. Ein permanent angeschlossenes Erhaltungsladegerät verhindert die Selbstentladung des Akkus. Allerdings wird für ein solches Gerät eine Steckdose benötigt. Steht keine Stromquelle zur Verfügung, hilft es, das Auto zumindest einmal pro Woche zu starten und eine Ausfahrt zu unternehmen. Abzuraten ist davon, den Motor im Stand warmlaufen zu lassen.

Arbeit an Autobatterie

Autobatterie: Sie hat es gerade bei längeren Standzeiten im Winter schwer. ampnet/ZDK

Kurzstreckenfahrern rät der Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK) dazu, die Batterie gerade im Winter gegebenenfalls nachzuladen. Bei neueren Fahrzeugen ist das allerdings mit hohem Aufwand verbunden - sie benötigen die Expertise einer Werkstatt, weil nach dem Abklemmen und Laden der Batterie meist auch die Fahrzeugelektronik neu angelernt werden muss. Andererseits sollte der Akku moderner Fahrzeuge auch längere Standzeiten problemlos wegstecken können.

Die Bremsen prüfen

Ein ebenfalls weit verbreitetes Problem macht sich meist erst dann bemerkbar, wenn das Auto nach einer Auszeit wieder bewegt wird und es beim Bremsen zum "Rubbeln" kommt. In aller Regel ist nur vergleichsweise harmloser Flugrost die Ursache. Ihm lässt sich durch ein paar kräftige Tritte aufs Bremspedal rasch beikommen, die Symptome verschwinden dann.

Problematischer wird es, wenn die Bremsbeläge durch permanente Befeuchtung schon an den Bremsscheiben festgerostet sind und sich Rostnarben im Gusseisen gebildet haben. Das kann nicht nur Ruckeln beim Bremsen, sondern auch eine ungleichmäßige Verzögerung zur Folge haben: Bei einer starken Bremsung zieht das Fahrzeug auf eine Seite, kommt schlimmstenfalls stark vom Kurs ab und gerät ins Schleudern.

Wenn sich die Bremsen in fortgeschritten beeinträchtigtem Zustand befinden, sollten sie den Fachleuten in einer Werkstatt vorgeführt werden. Sie entscheiden, ob Scheiben und Beläge ausgetauscht werden müssen.

Bremsen-Check

Bremsen-Check: Hier muss der Fachmann ran. ampnet/ZDK

Vorbeugen lässt sich nur, indem das Auto bei feuchter Witterung mindestens einmal pro Woche für etwa 20 Kilometer gefahren wird.

Noch kurz zur Handbremse: Sie sollte bei längeren Standpausen möglichst nicht angezogen werden, da sie sich festsetzen kann. Wer das Auto extragut vor Wegrollen schützen will, sollte besser Unterlegkeile benutzen.

Nicht nur Kurzstrecke fahren

Für Langstreckenfahrten bieten die Zeiten von Corona kaum Anlass. Ausschließlich Kurzstrecke tut dem Auto aber gar nicht gut. Denn: Auf begrenzter Distanz erlangt der Motor nicht seine volle Betriebstemperatur. Kondenswasser, das kurz nach dem Start entsteht, verdunstet nicht, sondern legt sich auf Metallflächen, wodurch wiederum Rost entstehen kann. Und auch der Kraftstoff, der über den Brennraum in die Ölwanne gelangt ist, kann nicht verdampfen, sondern vermischt sich mit dem Öl. Dessen Konsistenz wird dann dünnflüssiger, die Schmierfähigkeit lässt nach.

Heißt: Zwischendurch sollte es unbedingt auch mal eine längere Ausfahrt über Landstraße oder Autobahn sein.

Ulla Ellmer