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Aussortierter Khedira: "Ich bin ein unheimlicher Fan der Premier League"

Juve-Profi unter Trainer Pirlo nicht mehr beachtet

Aussortierter Khedira: "Ich bin ein unheimlicher Fan der Premier League"

Nimmt aktuell nur am Trainingsbetrieb von Juventus teil: Ex-Nationalspieler und Weltmeister Sami Khedira.

Nimmt aktuell nur am Trainingsbetrieb von Juventus teil: Ex-Nationalspieler und Weltmeister Sami Khedira. imago images

Zuletzt waren in Italien Stimmen bezüglich einer Rückkehr von Sami Khedira in den Kader von Juventus aufgekommen. Zum Beispiel die "Gazzetta dello Sport" hatte geschrieben: "Dem Mittelfeld von Juve scheint es an Charisma, Führung und Erfahrung zu mangeln. Paradox: Alle drei Qualitäten sind in jenem Spieler zu finden, der eigentlich nicht mehr für das Projekt vorgesehen ist. Khedira, der in der Juve-Vergangenheit so nützlich war und nun vollkommen außen vor ist." Und warum auch nicht? Der Deutsche war seit seinem Wechsel von Real Madrid im Jahr 2015 immer wieder ein Fixpunkt in vielen Turiner Mannschaften gewesen. 21 Tore in 99 Spielen sprechen dabei ebenso für sich wie fünf Scudetti am Stück (dazu drei Triumphe in der Coppa Italia).

Doch nur zwölf Spiele in der letzten Saison (das jüngste davon bereits beim 2:0 gegen Inter am 8. März 2020) hatten das Standing sinken lassen, vor allem Gesundheitliches (Herz-OP, Knie-OP) warf den ohnehin in seiner Laufbahn immer wieder anfälligen Routinier beim Kampf um die Plätze zurück.

Spielersteckbrief Khedira
Khedira

Khedira Sami

Trainersteckbrief Pirlo
Pirlo

Pirlo Andrea

FC Everton - Vereinsdaten
FC Everton

Gründungsdatum

01.01.1878

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Tottenham Hotspur - Vereinsdaten
Tottenham Hotspur

Gründungsdatum

05.09.1882

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Juventus Turin - Vereinsdaten
Juventus Turin

Gründungsdatum

01.11.1897

Vereinsfarben

Weiß-Schwarz

Der neue Trainer Andrea Pirlo, der seine Serie-A-Karriere im Sommer 2015 beendet und somit nicht mehr aktiv mit Khedira zusammen gespielt hatte, sortierte den Weltmeister von 2014 nun gnadenlos aus - obwohl der Mittelfeldmann noch bis Sommer 2021 unter Vertrag steht. Inzwischen ist die Rede von der Premier League (Tottenham um Ex-Real-Coach José Mourinho, Everton um Carlo Ancelotti), was Khedira selbst zuletzt unterstrichen hatte: "Seit ich ein Kind war, habe ich immer davon geträumt, in der Premier League zu spielen."

"Ich bin überzeugt, dass ich gut genug bin"

Aussagen, die Khedira am späten Samstagabend und damit nur wenige Stunden nach dem 1:1 seines Arbeitgebers Juve in Benevento (fünftes Remis im neunten Spiel) im "Aktuellen Sportstudio" erneuerte. Der 33-Jährige, der vom ZDF gemeinsam mit seinem Bruder Rani (FC Augsburg) eingeladen war, sagte: "Unabhängig von Corona ist meine persönliche Situation schon so, dass ich mir intensiv Gedanken mache, was ich noch erleben und erreichen möchte." Doch auch unabhängig davon sei es in diesen Pandemie-Zeiten notwendig, sich über sich und sein Leben Gedanken zu machen.

Ich habe mir vorgenommen, mich nicht wie ein kleines Kind in die Ecke zu setzen und zu schmollen oder irgendwie den Miesepeter zu spielen.

Sami Khedira über die aktuelle Phase bei Juve

Der frühere Stuttgarter und Madrilene sprach in der Folge aber eben expliziter über seine noch nicht endende Fußballkarriere: "Ich möchte spielen, definitiv!" An Pirlo und dessen Philosphie, eher auf jüngere Spieler setzen zu wollen, liege es aber definitiv nicht, "die Situation mit ihm ist nicht frustrierend. Ich bin niemandem böse, im Gegenteil: Ich verstehe es, dass er seine Idee vom Fußball verfolgt - und damit die neue Idee des Vereins." Man habe sich auch schon einige Male ausgetauscht.

Warum er aber dann überhaupt bei der Alten Dame und dem ehemaligen Weltklasse-Spieler Pirlo, gegen den sich Khedira 2013 bei einem Tackling im Test-Länderspiel einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, geblieben sei - und eben nicht schon einen Abschied im Sommer in Betracht gezogen habe? "Ich bin weiter überzeugt, dass ich gut genug bin. Ich trainiere komplett mit der Mannschaft, ich gebe gutes Feedback im Training ab. Doch ich muss es eben auch akzeptieren, wie der Trainer entscheidet."

Sami Khedira

Sami Khedira: Folgt nach Deutschland (Stuttgart), Spanien (Real) und Italien (Juve) auch noch ein Engagement in England? imago images

Und das tue er ohne negative Gedanken. Kursierende Meldungen, er habe eine von Juventus angebotene Vertragsauflösung inklusive dicker Abfindung abgelehnt, seien laut Khedira schlicht falsch: "Ich habe diese Medienberichte natürlich verfolgt, doch das stimmt absolut nicht. Ich habe mit dem Verein über keine finanziellen Belange gesprochen." Er wolle sich einfach weiter zeigen: "Ich habe mir vorgenommen, mich nicht wie ein kleines Kind in die Ecke zu setzen und zu schmollen oder irgendwie den Miesepeter zu spielen. Sondern ich möchte, dass mich Juventus als großartigen Spieler in Erinnerung behält - und in der jetzigen Phase eben den besten Reservisten oder eben den besten nicht berücksichtigten Spieler zu geben, den sie je hatten."

Khedira und England? "Es gibt Gespräche"

Ihm sei aber auch klar, dass der Abschied in Turin immer näher rückt. Doch wohin zieht es den Ex-Nationalspieler - vielleicht Tottenham, vielleicht Everton? "Ich bin ein unheimlicher Fan der Premier League - und das hat jetzt nichts direkt mit den Weltklasse-Persönlichkeiten Mourinho und Ancelotti zu tun. Das war nie ein Geheimnis, das habe ich auch immer offen kundgetan." Und wenn es in den nächsten Monaten die Möglichkeit gebe, dann sei Khedira für einen Abflug gen England bereit. Ob schon in diesem Winter oder erst nach Juve-Vertragsende im Sommer? Das sei Nebensache, dazu brauche es auch Angebote von Vereinen - und damit meine er explizit nicht das Gehalt, sondern vielmehr ein Angebot als Vertrag und Engagement bei einem Verein an sich: "Das spielt für mich überhaupt keine Rolle. Es gibt Gespräche, es gibt einen Austausch - und wir werden sehen. Ich würde mich auf jeden Fall extrem freuen."

mag