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Ausgerechnet Fred soll jetzt für Tore sorgen

Brasilien: Platzt der Knoten im "Wohnzimmer"?

Ausgerechnet Fred soll jetzt für Tore sorgen

Will gegen Deutschland wieder treffen und jubeln: Chaves Guedes Frederico, oder kurz: Fred.

Will gegen Deutschland wieder treffen und jubeln: Chaves Guedes Frederico, oder kurz: Fred. Getty Images

Für vier der zehn brasilianischen Treffer zeigte sich Neymar verantwortlich. Der Superstar, von dem das Spiel der "Seleçao" bislang abhängig war, fällt nun mit einer schweren Verletzung (Bruch des Querfortsatzes des dritten Lendenwirbels) aus und hinterlässt vor allem ein Tor-Vakuum. Dieses soll ausgerechnet der glücklose Fred füllen. "Ich hoffe, dass Fred oder andere das ausgleichen können", sagt etwa WM-Rekordschütze Ronaldo.

Bislang glänzte der 1,85 Meter große Stürmer von Fluminense Rio de Janeiro aber nicht gerade durch Torgefahr. Die traurige Bilanz des 30-jährigen Angreifers: Fünf Spiele, ein Treffer, eine Torvorlage und ein kicker-Notenschnitt von 4,5. Eine genauere Analyse von Freds Leistungen fördert noch mehr negative Statistiken zu Tage: So produzierte der Stoßstürmer im Schnitt nur 2,4 Torschüsse pro Spiel, hatte nur 24,8 Ballkontakte pro Partie und gewann nur knapp 40 Prozent seiner Zweikämpfe. Eine vielversprechende Bilanz liest sich anders.

Spielersteckbrief Fred
Fred

Chaves Guedes Frederico

Weltmeisterschaft - Halbfinale
Trainersteckbrief Scolari
Scolari

Scolari Luiz Felipe

Brasilien - Vereinsdaten
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Gründungsdatum

01.01.1914

Tostao: "Ein schwacher Spieler. Was kann er schon?"

WM 2014 - Halbfinale

Entsprechend groß ist der Druck in der Öffentlichkeit. Fred wird vom eigenen Anhang ausgepfiffen und erntet eisige Kritik von vielen Experten: "Brasilien spielt eigentlich nur zu zehnt", sagte Englands früherer Top-Stürmer Alan Shearer. "Zum ersten Mal in der Geschichte unseres Fußballs ist die Abwehr gut organisiert, aber der Sturm hat einige Schwierigkeiten", meinte "Seleçao"-Legende Pele. Und auch Weltmeister Tostao poltert im kicker (Montagsausgabe): "Eigentlich ist er von der Klasse her kein Spieler für eine Selecao, schon gar nicht bei einer WM. Was kann er schon? Er hat einen kleinen Aktionsradius, spielt sehr statitsch, okay, er kämpft, aber in der Summe: ein schwacher Spieler. Dass wir keinen anderen haben, ist aber noch schwächer. Kein gutes Zeichen generell."

Schon 42 Tore im "Wohnzimmer"

Völlig egal ist diese Kritik Scolari. Der Nationalcoach hält loyal an seiner Nummer Neun fest und brachte sie bislang in jedem Spiel von Anfang an. Damit der Stürmer wieder zu seiner Form findet, geht der Trainer sogar auf Kuschelkurs, nimmt ihn oft in den Arm, tätschelt seine Wange väterlich und nennt ihn "unentbehrlich".

Ausgerechnet in seinem "Wohnzimmer" soll Freds Knoten nun endlich platzen: Der 30-Jährige kennt das Estadio Mineirao in Belo Horizonte nur zu gut, spielte er doch bereits für die ortsansässigen Klubs America FC und Cruzeiro. "Ich kenne da ein paar Abkürzungen auf dem Platz", scherzte der Angreifer, der in 49 Spielen in diesem Stadion schon 42 Tore schoss. "Ich spüre eine andere Energie, wenn ich im Mineirao spiele." Doch selbst Fred ist klar, dass er Neymar nicht eins zu eins ersetzen kann: "Es wäre für mich ein Traum, mal ein Tor zu machen, nachdem ich fünf Gegner ausgespielt habe. Aber das vergesse ich besser. Das ist unmöglich."