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Ausbildungsentschädigung: Eintracht Trier präsentiert Reformmodell

Leeds United begleicht offene Forderungen für Robin Koch

Ausbildungsentschädigung: Eintracht Trier präsentiert Reformmodell

Wo kommen die zukünftigen Bundesliga-Stars her? Eintracht Trier hat ein Modell vorgeschlagen, wie gute Jugendarbeit honoriert werden könnte.

Wo kommen die zukünftigen Bundesliga-Stars her? Eintracht Trier hat ein Modell vorgeschlagen, wie gute Jugendarbeit honoriert werden könnte. IMAGO / Matthias Koch

Während Nationalspieler Robin Koch derzeit nach Knieverletzung an seinem Comeback bei Leeds United arbeitet, gibt es auch für einen seiner Jugendvereine, den SV Eintracht Trier, eine gute Nachricht: Die ausstehende Ausbildungsentschädigung für Koch ist mittlerweile auf dem Konto des Oberligisten eingetroffen. Mitte Januar nahm Trier die damals noch offene Forderung zum Anlass, das System der Ausbildungsentschädigungen grundsätzlich zu hinterfragen.

Trier ärgert sich auch nach der Überweisung aus Leeds über die aus seiner Sicht schleppende Zahlungsmoral der Engländer. An den DFB richtet der SVE in einem offenen Brief daher die dringende Bitte, dass er sich dafür einsetzen solle, dass "die für alle Beteiligten 'imageschädigenden' Vorgehensweisen künftig unterbleiben. Denn diese befeuern leider das Bild einer auseinanderdriftenden Sportart, in der Solidarität und korrektes Agieren keine Rolle mehr spielen, sondern ausschließlich monetäre Erwartung und Profitmaximierung die Handlungsprinzipien bestimmen".

Generell brauche es beim Thema "Ausbildungsentschädigungen" auf nationaler Ebene nach Meinung der Trierer "neue, intelligente und juristisch nicht angreifbare Lösungen, die dem Sinn der Sportart und den Begriffen Fairness und Solidarität Rechnung tragen".

3000 Euro pro Ausbildungsjahr

Trier schlägt dazu folgendes vor: Jeder Verein, der einen Spieler ausgebildet hat, soll beim Abschluss dessen ersten Profivertrags Anspruch auf einen "Solidaritätsbeitrag" in Höhe von 3000 Euro pro Ausbildungsjahr, gerechnet ab dem 12. Lebensjahr des Spielers, erhalten. Bis ein Spieler die Bundesliga oder 2. Liga verlässt - zum Beispiel um ins Ausland zu wechseln oder seine Karriere zu beenden - wird die Summe des "Solidaritätsbeitrags" mit der Anzahl der Profijahre multipliziert. Am Beispiel Robin Kochs hieße das: Trier bekäme für die Jahre 2009 bis 2015, also für sechs Ausbildungsjahre, insgesamt 18.000 Euro "Solidaritätsbeitrag". Koch unterschrieb 2016 beim 1. FC Kaiserslautern seinen ersten Profivertrag, wechselte 2020 vom SC Freiburg zu Leeds United. Also würden diese vier Profijahre mit der Summe des "Solidaritätsbeitrags" multipliziert, was Trier über die Jahre eine Ausbildungsentschädigung in Höhe von insgesamt 72.000 Euro eingebracht hätte.

Diese Summen sollen in einer jährlichen Abschlagszahlung aus einem Fond finanziert werden, in den Profivereine bei jedem Transfer auf nationaler Ebene fünf Prozent der Ablösesumme einzahlen. Wenn am Saisonende der Fond einen Überschuss ausweist, also die Einzahlungen größer als die ausgeschütteten Beträge sind, könnte die DFL die übriggebliebene Summe zurück an ihre Profiklubs überweisen. Wenn der Fond nach Saisonende ein Defizit ausweist, soll nach Triers Ansicht der DFB die Deckungslücke schließen, um im Sinne des "Masterplan 2024" den Amateurfußball zu stärken.

Der Oberligist sieht in seinem Modell mehrere Vorteile: So könnte das Problem gelöst werden, dass Ausbildungsklubs an nationalen Transfers bisher weniger beteiligt werden als bei internationalen. Auch würde der Solidaritätsgedanke im Fußball gestärkt werden und ein größerer Anreiz bestehen, eine qualitativ hochwertige Jugendarbeit zu betreiben.

stw / PM

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