Europa League

"Aus Fehlern lernen, besser werden"

Bremen: Interview mit Per Mertesacker

"Aus Fehlern lernen, besser werden"

Per Mertesacker

Zweiter und weiter auf der Jagd nach dem größtmöglichen Erfolg: Per Mertesacker. imago

kicker: Haben Sie sich schon für den fürsorglichen Zuspruch bei Uli Hoeneß bedankt, Per Mertesacker?

Per Mertesacker: Nein, wieso? Was hat er getan?

kicker: Er hat Ihnen beigestanden im DSF-Doppelpass nach dem Katastrophenspiel in Stuttgart.

Mertesacker: Ach, du meine Güte.

kicker: Und prompt folgten die Schlagzeilen: Mertesacker zu Bayern, zu Klinsmann! Was ist dran?

Mertesacker: Ich konzentriere mich auf Werder, bin voll mit dem Herzen dabei. Wer etwas anderes behauptet, redet die Unwahrheit.

"Ich habe eine gewisse Demut an den Tag gelegt."

kicker: Ihnen wurde sogar schon ein Klose-Komplex angedichtet. Sie spielten so schlecht wie der Torjäger im letzten Jahr, als er sich mit dem Thema München beschäftigte.

Mertesacker: Toll, und ich hole morgen auch die Sterne vom Himmel.

kicker: Begonnen haben die Spekulationen, als der Wohnortwechsel Ihres Beraters Roman Pletz nach München öffentlich wurde.

UEFA-Cup-Rückspiel

Merteacker: Meinen Berater lassen wir mal außen vor. Privatsache.

kicker: Haben Sie den schwarzen Tag von Stuttgart inzwischen verdaut?

Mertesacker: Ja, die letzten 30 Minuten waren nicht optimal. Doch ich denke, das sollte auch mir und uns zugestanden werden.

kicker: Wie haben Sie versucht, es zu verarbeiten?

Mertesacker: Ich habe mir die Szenen noch mal vor Augen geführt, dabei eine gewisse Demut an den Tag gelegt. Ich wollte mich mit der Sache beschäftigen, um daraus zu lernen, um es besser zu machen.

kicker: Wie beurteilen Sie die Szene, die zum Platzverweis führte?

Mertesacker: Eine Szene, wie sie bei einem Abwehrspieler vorkommt. Ich muss Risiko gehen, wollte an den Ball und komme zu spät. Mario Gomez tritt mir auf den Fuß. Ich glaube, ich habe mich mehr verletzt als er. Natürlich war es unnötig bei diesem Spielstand, doch solche Gedanken kommen einem in dem Moment nicht.

kicker: Rot und zwei Spiele Sperre. Was sagen Sie zu der Strafe?

Mertesacker: Das normale Strafmaß. Ich muss dies hinnehmen. Ob mein Verhalten krass sportwidrig war, sollen andere beurteilen.

kicker: Wer hat Ihnen geholfen, den Tiefpunkt, wie Sie es nannten, zu überwinden?

Mertesacker: Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich viele Wegbegleiter habe. Meine Familie, mein Berater, Ex-Trainer - von allen habe ich Zuspruch bekommen. Diese Leute wissen schon meine Leistung richtig einzuordnen.

kicker: Also eine Art Gesprächstherapie?

Mertesacker: Das hat mir schon geholfen. Als Sportler darf man Fehler machen. Daraus zu lernen und besser zu werden - das ist wahre Größe. Bisher ist mir dies immer ganz gut gelungen.

kicker: Welchen Anteil hatte Trainer Schaaf an der Aufarbeitung?

"Ich bin gegen eine Grundsatzdiskussion."

Mertesacker: Einen großen, schließlich ist es seine Stärke, die Dinge anzusprechen, die für die Mannschaft relevant sind. Das hat er vor dem ersten Training getan.

kicker: Es hat also kein Einzelgespräch mit dem Trainer gegeben?

Mertesacker: Nein, wir haben in dem geschilderten Sinne die Sache aufgearbeitet.

kicker: Ihr Kollege Naldo hat eine Aussprache im Team gefordert. Begrüßen Sie diesen Vorschlag?

Mertesacker: Es gibt immer denkbare Szenarien, teilweise werden sie auch von außen herangetragen. Ich glaube, wir sollten mit der Situation offen umgehen - und natürlich mit großem Selbstbewusstsein.

kicker: Naldo hat eine Grundsatzdiskussion angeregt, die risikoreiche Spielweise umzustellen.

Mertesacker: Natürlich haben wir uns in Stuttgart selbst in Not gebracht. Das darf nicht vorkommen. Doch ich bin gegen eine Grundsatzdiskussion. Und sicherlich würde diese nicht in der Öffentlichkeit stattfinden. Es war und ist die Stärke Werders, nach vorn zu spielen. Das sollten wir beibehalten. Das 3:6 in Stuttgart war für mich ein Ausrutscher, nicht mehr und nicht weniger.

kicker: Mit zwölf Gegentoren nach Kontern ist Bremen negative Liga-Spitze. Wie ist dies abzustellen?

Mertesacker: Wir sind brutal ausgekontert worden, keine Frage. Vielleicht waren wir einen Tick zu offensiv. Doch die Elf ist jung und in dieser Beziehung auch lernfähig.

kicker: War die Elf nicht schon weiter, was die Balance zwischen Defensive und Offensive betrifft?

Mertesacker: Natürlich kommt es genau auf diese Balance an. In Stuttgart hatten wir sie anscheinend nicht. Doch ich möchte darüber nicht lamentieren, sondern nach vorn schauen.

Boenisch gegen Dailly

Schwache Leistung im Hinspiel, gibt es ein weiteres Werder-Wunder? Boenisch gegen Dailly. imago

kicker: Also schauen wir auf Glasgow. Kann Werder es packen?

Mertesacker: Werder hat schon einiges erlebt und vollbracht. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen können. Die Rangers müssen spüren, wer hier Herr im Haus ist.

kicker: Für Manager Klaus Allofs stellt sich die Frage nach dem Titel nicht mehr. Was ist noch drin?

Mertesacker: Fatale Frage nach einem 3:6. Noch sind wir Zweiter und ich will den größtmöglichen Erfolg.

kicker: Zur Nationalelf: Ihr Nebenmann Christoph Metzelder droht für die EURO auszufallen.

Mertesacker: So? Wer sagt das? Wir haben zuletzt häufig telefoniert. Und er ist der Meinung, dass er das hinbekommt.

Hans-Günter Klemm