Bundesliga

Auf der Suche nach dem Zauber

Die 58. Bundesliga-Saison startet

Auf der Suche nach dem Zauber

Wie lange verkraftet die Bundesliga noch Meisterfeiern mit rot-weißem Konfetti aus Bayern?

Wie lange verkraftet die Bundesliga noch Meisterfeiern mit rot-weißem Konfetti aus Bayern? imago images

Nämlich: Wie viele Menschen kommen wieder in die einzelnen Stadien und wie fühlt es sich an, wenn sich in den bis zu 80.000-Zuschauer-Schüsseln in Dortmund oder Berlin maximal 16.000 Menschen verlieren? Die Herthaner könnten sagen: fast wie vor Corona.

Kaum hatte man sich an die Geisterspiele gewöhnt - endlich konnte man mal hören, was der Thomas Müller 90 Minuten durchplappert -, da werden sie auch schon wieder abgeschafft. Ein "Probestart" soll es sein, wie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die am Dienstag getroffene, bundeseinheitliche Lösung bezeichnete. Dieses auf sechs Wochen angelegte "Experiment" dürfte sich nicht nur für die Vereine wie eine Wiedergeburt anfühlen, sondern auch für die ganze Branche, Medienschaffende inklusive.

Revier-Derby am Ende der Testphase, Kracher BVB-Bayern kurz danach

20 Prozent Zuschauer in Relation zum jeweiligen Fassungsvermögen - das ist das vorläufige Maximum der Fan-Gefühle. Das Revierderby Dortmund gegen Schalke am 24. Oktober fällt in diese Experimentierphase, der Kracher Dortmund-Bayern am 7. November schon nicht mehr. Aber wer kann schon vorhersagen, was die nun getroffene Regelung bringt? Die vorerst abgeschafften Geisterspiele bleiben ein drohendes Szenario - siehe das kurzfristige Zuschauerverbot zur Saisoneröffnung in München.

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Dass der deutsche Profi-Fußball beim Re-Start Mitte Mai beispielhaft agierte, nährt die Hoffnung, dass nun auch das 20-Prozent-"Experiment" trotz aller logistischer Schwierigkeiten flutscht. Sollte die Entwicklung der Corona-Pandemie es zulassen und die gesamte Saison unter diesen Rahmenbedingungen gespielt werden können, läge der ligaweite Zuschauerschnitt unter 10.000. Ob sich das für die große Mehrzahl Klubs rechnet? Aber wie sagte DFB-Präsident Fritz Keller doch am Dienstagabend optimistisch: "Mit 20 Prozent kann man anfangen." Tendenz steigend wird erwartet.

Apropos Erwartung: Traditionell wird in der Woche vor dem Startschuss in jede neue Saison das Meisterthema gespielt. Aber ganz ehrlich: Was soll denn eigentlich noch alles passieren, damit die Bayern mal eine ganze Saison in den Sand setzen und nicht nur phasenweise schwächeln? Man sucht krampfhaft und findet möglicherweise dies: Erstens, der Lärm um David Alabas Vertragsverhandlungen könnten nicht nur dem Gehaltsgefüge schaden, sondern auch der mannschaftlichen Geschlossenheit. "Jeder wollte als erstes den Fehler des Anderen ausbügeln" - mit dieser von Joshua Kimmich in Worte gepressten Gier holte die Münchner das Triple. Für andere laufen, die unendlich mehr Euros verdienen? Mal sehen, vielleicht lassen sie ihn ja auch einfach ziehen.

Zweitens, der Terminstress. Das betrifft zwar alle international spielenden Klubs, deren Kader gespickt sind mit Nationalspielern, aber die Bayern eben noch mal einen Ticken heftiger. Und vielleicht lässt die Flick-Elf ja wirklich entscheidende Punkte liegen zwischen Nations League, Düren, Bielefeld und zum Beispiel Basaksehir.

Der FC Bayern hat seit 2013...

Aber selbst, wenn alles gegen den Rekordmeister laufen sollte, bedarf es immer noch einer dauerhaften Leistungsexplosion der Herausforderer. Dortmund, Leipzig, Gladbach und Leverkusen brauchen Konstanz auf höchstem Niveau, sonst kann man den Text für den 22. Mai 2021 schon mal vorschreiben. Und der geht so: "Der FC Bayern hat seit 2013 zum neunten Mal in Folge die deutsche Meisterschaft geholt und die 31. insgesamt." Dafür können die Münchner nichts, aber der Ausblick ist derart fad, denn dann hätte der Fußball seinen eigentlichen Zauber für eine weitere Spielzeit verloren. Nämlich, dass man nicht weiß, wie es ausgeht.

Alternative: Man zieht diesen Zauber ab sofort aus der Abstiegsfrage oder fiebert beim Rennen um die Plätze zwei bis vier mit. Das wäre dann wieder was für die Fans von 17 Bundesligisten. Doch ob diese Spannungsmomente auf Sicht der Attraktivität der Bundesliga weiterhelfen? Wenn sich schon der DFL-Boss Christian Seifert sorgt ...

Bernd Staib

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