Champions League

Atletico mal wieder auf Reset: Aber wie lange noch?

Diego Simeone muss sich Kritik gefallen lassen

Atletico mal wieder auf Reset: Aber wie lange noch?

Schon wieder Lissabon: Für Diego Simeone und Atletico ist die portugiesische Metropole kein gutes Pflaster.

Schon wieder Lissabon: Für Diego Simeone und Atletico ist die portugiesische Metropole kein gutes Pflaster. imago images

Aus Lissabon berichtet Jörg Wolfrum

Zwei Tage waren sie gerade mal hier. Am Dienstag erst angereist wegen der Corona-Infektionen der Spieler Angel Correa und Sime Vrsaljko, hat Atletico Madrid Lissabon schon wieder verlassen. Die Stadt, in der sie sich eigentlich für die dramatischste Niederlage ihrer jüngeren Klubgeschichte entschädigen wollten. Nächste Woche mit einem Finalsieg. Da sollte sich aus Atletico-Sicht im Estadio Da Luz mit einem Triumph der Kreis schließen, der mit Endspiel-Niederlage von 2014 in der Verlängerung gegen Real Madrid genau dort begann.

Letztes Spiel von Kultfigur Burgos - und auch von Simeone?

Doch nach dem Viertelfinal-Aus gegen RB Leipzig am Donnerstagabend sind die Colchoneros längst wieder zurück in Madrid. Und beendet ist auch die Zeit des bulligen Co-Trainers German Burgos. Der hatte schon im Frühjahr erklärt, zum Ende dieser Saison die Rot-Weißen zu verlassen. Cheftrainer will der argentinische Ex-Nationaltorhüter werden. Wo ist bislang unbekannt.

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Diego Simeone wird sich also einen neuen Assistenten suchen müssen, auch wenn manche spanischen Medien schon den Stab über den 50-Jährigen gebrochen haben. Jeder Zyklus gehe einmal zu Ende, schrieb "Marca" noch in der Nacht, was letztlich so logisch wie redundant ist. Einst sei dies bei Barça mit Johan Cruyff der Fall gewesen, bei Milan mit Arrigo Sacchi, bei United mit Alex Ferguson. Ende einer Ära? Statt nur das Ende der Zusammenarbeit mit Burgos? Allerdings dürfte sich Atletico eine Entlassung kaum leisten können, rund 20 Millionen Euro netto soll der seit 2011 amtierende Chefcoach verdienen, der noch einen Vertrag bis 2022 hat. Und welcher andere Verein könnte diesem Ähnliches bieten? Gerade in wirtschaftlich flauen Corona-Zeiten.

Simeone: "Leipzig war besser"

Simeone hatte nach dem Aus gegen Leipzig die eigene Zukunft indes nicht im Blick. Vielmehr gab sich der Coach in der Niederlage ehrlich: "Sie waren besser." Sein Team sei erst nach der Hereinnahme von Joao Felix in Fahrt gekommen, was deutlich wurde mit der Situation beim Elfmeter, den der 20-Jährige dann gleich noch cool selbst verwandelte, auch wenn Peter Gulacsi die Ecke ahnte. Dennoch betonte Simeone mit Nachdruck: "Leipzig war besser, aktiver, waren in den direkten Duellen besser, wir gaben alles." Aber es reichte nicht für die Rot-Weißen.

Weil Simeone Kritik heraufziehen sah, zog er auch gleich sein Fazit einer "langen und komischen" Saison: "Wir haben uns wieder für die Champions League qualifiziert, wir werden wieder alles geben in diesem Wettbewerb, der uns so gefällt." Und in dem sie nun, in der Ägide Simeone, erstmals nicht an Cristiano Ronaldo scheiterten. Denn von 2014 bis 2017 war immer Real der Stolperstein: neben 2014 auch 2016 im Endspiel, 2015 im Viertelfinale und 2017 im Halbfinale. Vor einem Jahr kam das Aus im Achtelfinale gegen Juventus Turin, prompt, nachdem CR7 dorthin gewechselt war. Mit drei Treffern schoss der Supergoalgetter damals Atletico ab. "Letztes Jahr Achtelfinale, jetzt Viertelfinale, wir werden es wieder versuchen", so Simeone. Es wirkt ein wenig, als rennten die Colchoneros gegen eine Gummiwand an.

Intensiv, gallig und einfallslos

"Wir wollten mehr, aber wir haben alles gegeben. Kein Zweifel. Keine Ausreden, wir haben alles gegeben. Und alles fiel uns schwer", betonte der Coach. Und: "Wir hatten auch großen Respekt vor Leipzig." Intensiv und gallig wie immer hatte sich sein Team präsentiert. Aber auch einfallslos.

Was auch dem Trainer anzukreiden ist. Dass er den Torschützen Joao Felix nicht zu Beginn brachte, war allerdings aufgrund dessen schwacher Leistung die gesamte Saison hindurch nachvollziehbar. Zumal dann positionsgetreu wohl Marcos Llorente hätte weichen müssen, der beste Spieler der Rot-Weißen in den vergangenen Monaten.

Kapitän Koke schloss die Nacht mit den Worten, die sie sich bei Atletico Jahr für Jahr sagen: "Wir werden auf Reset drücken und es nächste Saison wieder versuchen."

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