WM

WM 2022: Australiens Graham Arnold lässt seine Zukunft offen

Nach Australiens bestem WM-Abschneiden der Geschichte

Arnold lässt seine Zukunft offen - und stellt eine Forderung

Coach Graham Arnold ist stolz auf seine Mannschaft.

Coach Graham Arnold ist stolz auf seine Mannschaft. IMAGO/Agencia MexSport

Aus Katar berichtet Thiemo Müller

Ein Ausscheiden, sagt Graham Arnold, sei "immer ein bisschen enttäuschend". Doch nach dem 1:2 im Achtelfinale gegen Argentinien legte der 59-jährige Coach sein Hauptaugenmerk auf den Gesamtauftritt während des Turniers in Katar. Und unter diesem Aspekt könne er "gar nicht stolzer sein auf das, was die Spieler geleistet und ihrem Land gegeben haben. Ich bin überzeugt, dass wir die australische Nation ziemlich stolz gemacht haben". Als neue australische WM-Rekordspieler firmieren zudem Mathew Leckie und Mathew Ryan mit nun je zehn Einsätzen. Ausgerechnet Keeper Ryan leistete sich freilich einen bösen Patzer vorm 0:2, über den sein  väterlicher Trainer indes nonchalant hinwegging: "Er ist ein fantastischer Kapitän und Spieler. Jeder macht Fehler, er wird daraus lernen."

"Es hieß, wir seien die schlechtesten Socceroos, die je zum Word Cup gefahren sind."

Graham Arnold

Nur mit Ach und Krach hatte Arnolds Team überhaupt die WM-Qualifikation gemeistert, dank eines Sieges gegen Peru per Elfmeterschießen in den Play-Offs. In der Asien-Quali war man gegen Saudi-Arabien und Japan zuvor chancenlos. "Es hieß, wir seien die schlechtesten Socceroos, die je zum World Cup gefahren sind", erinnert Arnold an die Ausgangssituation. "Dann haben wir hier erstmals überhaupt zwei Spiele gewonnen", gegen Tunesien und Dänemark, jeweils mit 1:0. Dagegen war Australien 2014 und 2018 jeweils sieglos ausgeschieden. Und beim zuvor einzigen Achtelfinaleinzug 2006 stand ein 3:1 gegen Japan als einziger Dreier zubuche. In der ersten K.o.-Runde unterlag Australien damals übrigens dem späteren Weltmeister Italien hauchdünn mit 0:1. Wenn man so will heute ein gutes Omen für die Argentinier.

"Mein Vertrag ist ausgelaufen, über die Zukunft habe ich noch nicht nachgedacht."

Graham Arnold

Australien, glaubt Arnold, sei mit dem erfolgreichsten WM-Abschneiden aller Zeiten indes noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen: "Diese jungen Spieler gehen mit so vielen Erfahrungen nach Hause. Das wird ihnen helfen, sich für die nächste WM wieder zu qualifizieren. Und das ist die wichtigste Aufgabe für die Zukunft." Ob er selbst diese auch weiter mitgestalten wird? Das ließ Arnold offen: "Mein Vertrag ist ausgelaufen, und ich brauche nach dieser intensiven Zeit jetzt erst einmal eine Pause. Über die Zukunft habe ich noch nicht nachgedacht. Wir werden Gespräche haben, aber erst einmal brauche ich etwas Abstand."

"Wir brauchen ein Leistungszentrum für die Entwicklung unserer Talente"

Zugleich ließ der Fußballlehrer, der nach der WM 2018 auf Bert van Marwijk gefolgt war, durchblicken: Seine Entscheidung könnte auch von der Perspektive auf eine Weiterentwicklung des australischen Fußballs insgesamt abhängen. "Die Erwartung im Land ist, dass ein Abschneiden wie bei dieser WM zur Normalität wird. Aber dafür brauchen wir staatliche Unterstützung. Wir brauchen Mittel, um in Infrastruktur und Ausbildung zu investieren. Denn wir brauchen ein Leistungszentrum für die Entwicklung unserer Talente, so etwas wie die Aspire Academy hier in Doha." Nach einem passenden Nationaltrainer, der das große Ganze im Blick behält, müsste man jedenfalls nicht lange suchen: Graham Arnold ist ja nicht aus der Welt…

Spieltagsbilder Achtelfinale 2022