Bundesliga

ARD fürchtet "unappetitliches Menü"

Setzt die Liga ein Livespiel gegen die Sportschau?

ARD fürchtet "unappetitliches Menü"

Volker Herres

Kommt das Live-Topspiel, will die ARD weniger zahlen: Volker Herres, künftig Programmdirektor. dpa

"Wenn die DFL der ARD ein unappetitliches Menü servieren will, indem sie das Topspiel aus dem Programm nimmt und gegen die Sportschau sendet, darf sie nicht mit Preisen wie bei einem Sternekoch kalkulieren", sagte Volker Herres, ab 1. November Programmdirektor der ARD, gegenüber dem sid.

Der Liga-Vorstand verabschiedete auf seiner Sitzung jedenfalls ein Wunsch-Spielplan-Modell, das ein Top-Spiel am Samstag um 18.30 Uhr vorsieht. Pay-TV-Partner Premiere soll dann möglichst übertragen und dadurch an Exklusivität gewinnen.

Die DFL hält es jedoch auch für möglich, dass Free-TV-Sender (SAT.1 oder RTL) im Rennen um die Übertragung am Samstagabend mitbieten. Dass das ZDF einsteigt, ist eher unwahrscheinlich. Die beiden Öffentlichen hatten erst unter der Woche gemeinsam entschieden, aus der Tour-Übertragung auszusteigen und so einen Schulterschluss gezeigt.

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Wird der gewünschte Spielplan in die Tat umgesetzt, ist damit zu rechnen, dass die ARD als Erstverwerter angesichts der neu erwachsenen Konkurrenz um 18.30 Uhr nicht mehr die bislang überwiesenen 97 Millionen Euro pro Jahr zahlen will. Das ZDF wäre hingegen erster Free-TV-Verwerter des Top-Spiels - und damit sein Sportstudio am späten Abend aufgewertet.

Aufstockung auf 20er-Ligen angestrebt

Das Paket soll vor allem für Premiere interessant sein. Der Pay-TV-Sender steckt wirtschaftlich in großen Schwierigkeiten. Damit die bisher an die DFL überwiesene Summe auch künftig fließt (etwa 200 Millionen Euro pro Jahr), will die DFL ihr Produkt für den Sender attraktiver gestalten. Die Entzerrung der Sonntagsspiele wäre so ein Attraktivitätsplus.

Premiere-Unternehmenssprecher Torsten Fricke äußerte sich zunächst einmal verhalten: "Aus für jedermann nachvollziehbaren Gründen nehmen wir derzeit zu möglichen Varianten keine Stellung."

Neben der Entzerrung der Spiele wird von der DFL eine Aufstockung der Ligen angestrebt. 20 statt 18 Vereine, zehn statt neun Partien pro Runde. Mittels verkürzter Winterpause sollen die dann 38 statt 34 Spieltage in die Saison gepresst werden.

Hier muss die Liga jedoch noch am Verband und am Grundlagenvertrag vorbei. Und das benötigt wohl Zeit, denn mit einer Umsetzung wird nicht vor 2010/11 gerechnet.

Laut nachgedacht wird schließlich auch darüber, die TV-Rechte nicht wie geplant für drei Jahre auszuschreiben. Denn gelingt die Aufstockung der Ligen, ließen sich wohl mehr als die bisherigen 409 Millionen Euro erlösen. In der Auslandsvermarktung hat die DFL ihre Einnahmen bereits um über 40 Prozent gesteigert.