Torjägerkanone

Ansbachs Top-Torjäger Kroiß und die Cola für zwischendurch

Die Torjägerkanone™ für alle

Ansbachs Top-Torjäger Patrick Kroiß und die Cola für zwischendurch

Eiskalt vor dem Tor: Patrick Kroiß (SpVgg Ansbach)

Eiskalt vor dem Tor: Patrick Kroiß (SpVgg Ansbach) IMAGO/Zink

Die Torjägerkanone™ für alle

Wenn es Patrick Kroiß in seiner Fußballkarriere an einem Attribut gemangelt hat, dann war dies ohne Zweifel die Disziplin. "Es war zwar schon immer so, dass ich zumindest versucht habe, mich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Wer mich kennt, weiß aber, dass ich vor allem in jüngeren Jahren ein Mensch mit einem äußerst ausgeprägten Nachtleben war und ab und zu einfach gerne einen Trinken gegangen bin", lacht Kroiß, ist sich seiner Defizite, die ihm letztlich vielleicht sogar den Weg in den Profifußball versperrt haben, aber durchaus bewusst.

In seiner Heimat, der Bayernliga Nord, ist der Angreifer der SpVgg Ansbach schon seit Jahren das Maß der Dinge und erzielt beinahe mühelos rund 30 Scorerpunkte pro Saison.

Mit dem sportlichen Wandel in seinem Jugendverein, die SpVgg Ansbach möchte unbedingt in die Regionalliga aufsteigen, hat sich mittlerweile auch der Lebensstil des Schlüsselspielers etwas verändert. "Zwar gehe ich jetzt auch noch hin und wieder feiern, seitdem wir uns im Verein das Ziel 'Regionalliga' gesteckt haben, mache ich das aber deutlich bewusster und richte mich dabei stehts nach unserem Spielplan", spricht er über den Kompromiss mit sich selbst, der bereits erste Früchte zum Tragen bringt.

Mit den "Nullneunern" steht er momentan auf Rang zwei der Bayernliga Nord und hat - punktgleich mit Spitzenreiter DJK Vilzing - noch beste Chancen auf den direkten Aufstieg in Liga vier.

Patrick Kroiß

Vom Fanklub bejubelt: Patrick Kroiß IMAGO/Zink

Doch nicht nur Kroiß musste für die Aufstiegsambitionen Anpassungen vornehmen. Damit das Ziel Regionalliga sobald wie möglich realisiert werden kann, wurde in Ansbach an vielen Stellschrauben gedreht, die den entscheidenden Unterschied machen könnten.

"Man merkt, dass sich im ganzen Verein etwas tut. Das fängt bei der Mannschaft und beim Trainer an, die viel professioneller arbeiten als in den Jahren davor. Aber auch Kleinigkeiten, wie die Greenkeeper, die uns optimale Trainings- und Wettbewerbsbedingungen ermöglichen oder unser stetig wachsender Fanklub, der uns sogar unter der Woche im 200 Kilometer entfernten Hof lauthals angefeuert hat, bringen uns um einige Prozentpunkte nach vorne", zeigt sich Kroiß zufrieden mit der jüngsten Entwicklung seines Herzensvereins.

Auch persönlich spielt Kroiß wahrscheinlich die beste Saison seines Lebens. 28-mal netzte der Stürmer bisher in 31 Spielen. Dadurch dringt er in dieser Spielzeit sogar auf Bundesebene (derzeit liegt Kroiß auf Rang sechs in den fünften Ligen) bis in die Sphären der Oberliga-Top-Stürmer Platzek (35 Tore), Harnik (31 Tore) und Co. hervor. Mit dem Toreschießen ist es im Falle des quirligen Offensivmannes aber bei weitem noch nicht getan, denn auch als Vorlagengeber, weiß der 27-Jährige regelmäßig zu glänzen.

Über 20 Treffer legte Kroiß seinen Teamkollegen in der laufenden Spielzeit schon vor, was ihn - aufgrund der mangelhaften bundesweiten Datenlage zwar nicht offiziell - zu einem der besten, wenn nicht sogar zu dem besten Oberliga-Scorer Deutschlands macht.

Innenseite statt Vollspann

Trotz seiner bemerkenswerten Statistik wird dem Ausnahme-Stürmer, der im Großraum Mittelfranken auch unter dem Namen "Lupferkönig" bekannt ist, immer wieder nachgesagt, dass er eigentlich gar nicht schießen könne und - wie sein Spitzname schon vorweg nimmt - meistens nur lupfen würde.

"Die Sache mit dem Lupfen ist in der Saison 2017/18 entstanden, in der ich tatsächlich - glaube ich - zwölf Lupfer-Tore erzielt habe. Das verfolgt mich bis heute, obwohl es nicht mehr wirklich zutreffend ist. Prinzipiell schließe ich zwar schon lieber mit der Innenseite als mit dem Vollspann ab, das bedeutet aber nicht, dass ich nichts anderes kann. Von meinen 28 Treffern in dieser Saison waren die allermeisten stinknormale Tore", will der gepriesene Lupferkönig klarstellen.

Cola schmeckt mir einfach besser als Wasser.

Patrick Kroiß (27) über sein liebstes Halbzeitpausen-Getränk

Auch wenn sich Kroiß mittlerweile bewusster amüsiert, so ganz verzichten kann und möchte er nicht auf die schönen Dinge im Leben. Während Sascha Mölders, Held vieler Kreisligakicker, zu Profizeiten erst nach Spielschluss zu Weißbier und Pizza griff, gönnt sich Kroiß sogar während der Spiele regelmäßig eine Leckerei. Ansbachs Teammanager Stefan Dehm muss sich stets fünf Minuten vor dem Pausenpfiff auf den Weg zum Ausschank machen, um dem Top-Torjäger in der Pause ein kaltes Glas Cola servieren zu können. "Ich brauche in der Halbzeit einfach etwas Geschmack im Mund und da schmeckt mir Cola einfach besser als Wasser", gibt Kroiß mit einem breiten Grinsen zu.

Neben der speziellen Ernährung verbindet Kroiß und Mölders aber auch eine weitaus wichtigere Sache: das Toreschießen. Mit fünf Toren Vorsprung auf Vilzings Andreas Jünger ist Kroiß die ligainterne Torjägerkanone bei zwei Restpartien schon so gut wie sicher.

Auf Bundesebene wird es für ihn bei sieben Toren Rückstand auf Bocholts Tormaschine Marcel Platzek hingegen nicht mehr für "die Torjägerkanone™ für alle" reichen, für Kroiß aber nicht weiter schlimm: "Dass es so eine Kanone für uns Amateurfußballer gibt, finde ich persönlich eine wirklich schöne Sache. Auch wenn es für mich in diesem Jahr nicht zum Titel reichen wird, bin ich deshalb aber nicht enttäuscht. Deutlich wichtiger ist mir dann schon der Aufstieg mit meiner SpVgg."

Lukas Karakas

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