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Angefressener BVB-Kapitän: Zorc springt Reus zur Seite

Favre fordert "schnelleres Sehen"

Angefressener BVB-Kapitän: Zorc springt Reus zur Seite

Schlechtes Wetter, schlechte Laune: Marco Reus nach seiner Auswechslung gegen Zenit St. Petersburg.

Schlechtes Wetter, schlechte Laune: Marco Reus nach seiner Auswechslung gegen Zenit St. Petersburg. imago images (2)

Manchmal sprechen Fernsehbilder Bände. Sie zeigten Marco Reus bei dessen Auswechslung in der 74. Minute schlechtlaunig, angefressen, unzufrieden und enttäuscht. Sie zeigten ihn, wie er sich eines Tapeverbandes entledigte und diesen Verband vor der Westtribüne über die Bande pfefferte. Reus stand den Medien später nicht Rede und Antwort, man hätte gern von ihm erfahren, ob ihm der bis dahin unendlich mühevolle und ertraglose Vortrag der eigenen Mannschaft - oder die überschaubare eigene Leistung die Laune verhagelt hatte.

Zorc findet fast schon trotzig ein paar Gramm Hoffnung bei Reus

Reus spielte gegen St. Petersburg nicht schlechter als die meisten anderen Dortmunder, aber eben auch nicht besser. Zwei Torschüsse in der ersten Hälfte, 29 von 32 Pässen an den Mann gebracht, 57 Prozent der Zweikämpfe gewonnen, aber auch nur 47 Ballkontakte. Das war nicht die Welt für den Kapitän, um den sich eine von "Sky"-Experte Dietmar Hamann losgetretene Diskussion entzündet hat. Reus sei entbehrlich und kein geeigneter Spielführer mehr für den BVB.

In einem Interview mit den Klubmedien hat Sportdirektor Michael Zorc am Mittwochabend die Verteidigung des Ur-Dortmunders übernommen und springt ihm zur Seite. "Ich verstehe die Diskussion nicht", sagte er (wie Tage vorher schon Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke), "dass Marco nach so einer langen Pause nicht jedes Spiel von Anfang an über 90 Minuten machen kann, ist jedem klar." Und auch wenn Reus beim ideenlosen Ballgeschiebe gegen ultradefensive Russen keine Ausnahme bildete, filterte Zorc aus den paar wenigen Ausrufezeichen, die der 31-Jährige setzte, fast schon trotzig ein paar Gramm Hoffnung heraus: "Es wird mit jedem Spiel besser. Das tut uns gut."

Favre predigt Geduld - mit ungewollt einschläfernder Wirkung?

Trainer Lucien Favre hatte zuvor die träge Darbietung der eigenen Elf überraschend nachsichtig noch als "ganz okay" bewertet: "Wir haben unseren Job gemacht." Unter Hinweis auf die "zwei Busse", die St. Petersburg vor dem eigenen Tor geparkt habe, plädierte Favre für mildernde Umstände und tadelte das Dortmunder Team nur sanft, als er schnelleren und intelligenteren Fußball anmahnte und das Anforderungsprofil für seine Profis um eine neue Kategorie erweiterte: "Wir müssen schneller sehen." Schneller sehen, wo sich Lücken auftun.

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Favre predigt Geduld, Geduld und noch einmal Geduld. Ungewollt entfaltet diese Regieanweisung eine offenbar einschläfernde Wirkung auf das Dortmunder Personal: Mittlerweile veranstaltet der BVB gegen massiert verteidigende Mannschaften wahre Passorgien in Tika-Taka-Tradition. 850 Pässe wurden gegen St. Petersburg gezählt, 850 Pässe von links nach rechts, von rechts nach links, die wenigsten in die Tiefe, unter weitgehendem Verzicht auf Tempo, Dynamik, Raumgewinn und Seitenverlagerungen.

"Wir haben sehr viel Geduld benötigt", sagte Innenverteidiger Manuel Akanji. Von der äußerst beanspruchten Geduld aller Zuschauer bei diesem überwiegend mit untauglichen Mitteln gestalteten Fußballspiel sprach er nicht.

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Thomas Hennecke

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