DFB-Pokal

"Anders kannst du Bayern nicht schlagen"

Interview mit Ex-Trainer Paul Hesselbach

"Anders kannst du Bayern nicht schlagen"

Fußball, DFB-Pokal: Paul Hesselbach, Trainer des TSV Vestenbergsgreuth, jubelt nach dem 1:0 gegen den FC Bayern.

Geschafft: Paul Hesselbach, Trainer des TSV Vestenbergsgreuth, jubelt nach dem 1:0 gegen den FC Bayern. picture-alliance

kicker: Herr Hesselbach, was fiel Ihnen als erstes ein, als das Los den FC Bayern und die SpVgg Greuther Fürth wieder zusammenführte?

Paul Hesselbach (58): Zunächst habe ich gar nichts gedacht. Aber nachdem mich der erste darauf angesprochen hat, kamen die ganzen alten Bilder in meinem Kopf wieder zum Vorschein. Das hat mich dann schon ganz schön beschäftigt.

kicker: Welche Bilder?

Hesselbach: Hunderte. Wie die Vorarbeit zum 1:0-Siegtreffer entstand. Wie wir uns hinten reingehauen haben. Wie die Zeit verrann und die Zuschauer im Nürnberger Frankenstadion plötzlich merkten, 'hey, da liegt was ganz Großes in der Luft'.

Fußball, DFB-Pokal: Roland Stein bezwingt Oliver Kahn - es war der Siegtreffer.

Moment der Entscheidung: Roland Stein bezwingt Oliver Kahn - es war der Siegtreffer. imago

kicker: Vor dem Spiel war der TSV Vestenbergsgreuth (spielte damals drittklassig) nicht wirklich bekannt. Nach dem Spiel titelte die Bild, dass Trapattoni schon drei deutsche Wörter gelernt habe, nämlich 'danke, bitte, Vestenbergsgreuth'.

Hesselbach: Vor dem Spiel hat doch jeder nur gefragt, wie hoch die Packung ausfällt, die wir bekommen. Bela Rethy, der das Spiel damals kommentiert hat, kam extra an, um die Mannschaft bei einem gemeinamen Restaurantbesuch kennenzulernen und um zu erfahren, mit welcher Niederlage wir zufrieden wären.

kicker: Das haben Sie bestimmt ausgenutzt, um Ihre Spieler zusätzlich zu motivieren?

Hesselbach: Die waren ja längst hoch motiviert. Was will man denn eigentlich mehr, als als Fußballer, der nach der Arbeit zum Training schleicht, gegen den großen FC Bayern in einem Pflichtspiel zu bestehen? Deswegen waren meine Spieler auch ziemlich genervt, dass ich in der Abschlussbesprechung so ausführlich auf den Gegner einging. Dabei wollte ich Ihnen nur sagen, dass die Bayern unter Trapattoni relativ tief stehen. Das haben sie mir wohl nicht geglaubt, obwohl ich sie extra zweimal beobachtet hatte.

kicker: Das haben die Bayern mit Ihrer Mannschaft wohl nicht gemacht und sie gnadenlos unterschätzt?

Fußball, DFB-Pokal: Goivanni Trapattoni, Trainer des FC Bayern.

"Danke, bitte, Vestenbergsgreuth": Trapattonis erste Lektion. imago

Hesselbach: Ja, absolut. Anders kannst du als Amateurklub die Bayern auch nicht schlagen. Du musst darauf hoffen, dass sie gedanklich schon beim nächsten wichtigen Bundesligaspiel sind, dann ein Tor machen und darauf setzen, dass sie mit zunehmender Spielzeit immer nervöser werden. All das ist damals eingetreten - und ganz ehrlich, so viel hatte unser Torwart Ralf Scherbaum ja auch nicht zu halten.

kicker: Wie groß schätzen Sie den Unterschätzungs-Faktor für heute Abend ein?

Hesselbach: Ganz ehrlich - nullkommanull. Das hat viel mit Herrn van Gaal zu tun, wobei ich sagen muss, dass ich ein echter Fan von ihm bin, so wie er Fußball erklärt, taktisch spielen lässt und das Thema Disziplin vorlebt. Wenn van Gaal schon nach souveränen Siegen wie in Wolfsburg grantelt, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass seine Kicker gegen die Fürther zu locker ins Spiel gehen.

kicker: Also ist Fürth chancenlos?

Als reine Kaffeefahrt nach München wird das Spiel bestimmt nicht betrachtet.

Paul Hesselbach

Hesselbach: Nicht so chancenlos wie wir damals. Die Unterschiede sind heute bei weitem nicht so groß zwischen einem Tabellenzweiten in der Bundesliga und einem etablierten Zweitligisten. Wir reden hier von einem Duell zwischen Profiklubs. Als reine Kaffeefahrt nach München wird das Spiel bestimmt nicht betrachtet. Ich würde mir wünschen, dass sich die Fürther heute Abend nicht verstecken.

Fußball, Paul Hesselbach 1981 als Torwart von Bayer Uerdingen

Spielerduelle: Paul Hesselbach 1981 als Torwart von Bayer Uerdingen im Münchner Olympiastadion. picture-alliance

kicker: Und was passiert mit Fürth, wenn es so läuft, wie alle erwarten, sprich mit einem souveränen Sieg der Bayern?

Hesselbach: Was soll schon passieren? Gar nichts, dann bleibe ich bei unserem Verein der Trainer, der die Bayern rausgeworfen hat. Auch wenn ich Mike Büskens und seinen Jungs natürlich die Sensation gönne. So was ist einmalig, das gräbt sich in die Köpfe. In meinen übrigens erst Monate später, so lange habe ich gebraucht, um zu realisieren, was wir damals mit unserer geilen Truppe geschafft haben.

Interview: Bernd Staib

Paul Hesselbach trainierte den TSV Vestenbergsgreuth, einen der beiden Fusionsvereine, aus der zusammen mit der SpVgg Fürth die SpVgg Greuther Fürther entstand. In Fürth war er Assistenztrainer, Cheftrainer. In der Bundesliga spielte der in Nürnberg geborene Torwart 72-mal und 143-mal in der 2. Bundesliga (Bayer Uerdingen, Gladbach, Stuttgarter Kickers).