Gegenüber dem Nachrichtenportal "watson" äußerte sich die Katar-Expertin der Menschenrechtsorganisation, Regina Spöttl, wie folgt: "Amnesty setzt auf Aufdeckung und Sichtbarmachung der Missstände und den Dialog mit allen Beteiligten. Katar hat sich durchaus gesprächsbereit gezeigt und Reformen angestoßen. Es gibt Fortschritte, und mit einem Boykott würden diese um Jahre zurückgeworfen werden."
Norwegische Klubs rufen zum Boykott auf
Zum Boykott hatten zuletzt vor allem norwegische Klubs plädiert. Nach Berichten über 6500 Tote auf Baustellen in Katar hatte sich Tromsö IL für die Bewegung stark gemacht. Mehrere Erstligavereine und viele Fanvereinigungen hatten zuletzt den widerstrebenden Verband zu einer Diskussion über einen möglichen Boykott aufgerufen.
Diese erhielt allerdings bei der Jahreshauptversammlung des nationalen Verbandes NFF einen Dämpfer: So stimmten am vergangenen Sonntag nur 61 Vertreter dafür, die Debatte über einen Verzicht auf die Tagesordnung zu setzen, 146 waren dagegen. Nötig wäre eine Zweidrittelmehrheit gewesen. Die Entscheidung wurde damit vertagt.
Spöttl: "Probleme nahebringen"
Es sei "sehr schwierig zu überprüfen, wie viele Todesfälle es im Umfeld der WM gegeben hat und welche die Ursachen dafür waren", meinte Spöttl, die die Zahl von 6500 Toten jedoch als realistisch einstuft. Die Expertin rief deshalb Funktionäre, Spieler und Verbände auf, "ihren Gesprächspartnern und persönlichen Kontakten in Katar die Probleme nahezubringen". Dann könne das Wüstenemirat ein Vorbild für die arabische Welt werden.
