DFB-Pokal

Alte Bekannte in der Hauptstadt

Robben macht ein Supertor - Schaaf steht für Werders Pokaltradition

Alte Bekannte in der Hauptstadt

Fußball, DFB-Pokal: Arjen Robben war in einem Null-Null-Spiel der Matchwinner

Matchwinner in einem Null-Null-Spiel: Arjen Robben krönte sein Solo mit dem Siegtor auf Schalke. picture-alliance

Und dann rissen die Münchner die Arme hoch. Nach 120 mühsamen Minuten. Der 1:0-Sieg in der Pokal-Vorschlussrunde 2010 bedeutet schon zum 17. Mal das Fortkommen ins Endspiel, 14-mal holten die Münchner anschließend die Trophäe des Triumphes. Die letzte Halbfinal-Niederlage musste der Rekordpokalsieger im März 2002 abzeichnen, beim 0:2 nach Verlängerung bei Schalke. Den Münchnern bleibt somit die Perspektive auf drei Titel.

Die Paarung des 67. DFB-Pokal- endspiels am 15. Mai steht damit fest: Werder Bremen, am Dienstag 2:0-Sieger gegen den FC Augsburg, trifft auf die Bayern. Dieses Endspiel gab es bislang zweimal, beide Teams errangen jeweils einmal den Gesamtsieg.

Spielberichte

Als "eminent wichtig für uns" bezeichnet Sportdirektor Christian Nerlinger diese sportliche Buchung für Berlin, ansonsten hätte er "schon ein Problem für uns" befürchtet: Immerhin hatten die Seinen jüngst vier sieglose Pflichtspiele akzeptieren müssen. Auf dem von Bundestrainer Joachim Löw als "verheerend schlecht" kritisierten Rasen stoppten Mark van Bommel und Kollegen diese Negativentwicklung. "Wir waren die einzige Mannschaft, die Fußball spielen wollte", sagte Bastian Schweinsteiger nach dem Sieg. Nerlinger erachtet diese Partie "vom psychologischen Moment" als "sehr bedeutsam".

Denn nun stehen die Wochen der Abrechnung an. Den jüngsten 1:2-Patzer in Frankfurt nehmen die Münchner gelassen hin, Schweinsteiger sagt: "Es ist gut zu wissen, dass die anderen Punkte lassen und Fehler machen." Die Konkurrenz aus Gelsenkirchen und Leverkusen habe eben Probleme mit dem Druck, behauptet Trainer Louis van Gaal. Kapitän van Bommel und Schweinsteiger stützen diese These.

Als bedeutungslos für den Verlauf in der Liga wertet Felix Magath dieses Pokal-Resultat. Dabei hatte der Schalker Generalbevollmächtigte den Pokalgewinn doch zum großen Ziel ausgerufen. Alexander Baumjohann ist die Teilnahme an der Champions League ohnehin "noch wichtiger als der Pokalsieg".

Schon am Samstag können er und sein Team im Liga-Hit in Leverkusen viel für dieses Ziel tun. Und eine Woche später, am Ostersamstag, kommen schon wieder die Bayern vorbei, da wird erneut die Meisterschaft verhandelt.

Schaaf: Bei zehn Endspielen neunmal dabei

Fußball, DFB-Pokal: Werder-Coach Thomas Schaaf und Marko Marin.

Nicht nachlassen, Junge! Werder-Coach Thomas Schaaf im Gespräch mit Marko Marin. imago

In Bremen brauchen sie sich über die Titelvergabe in der Liga keine Gedanken mehr zu machen. Aber das Kofferpacken für Berlin zählt an der Weser zu den erprobten Übungen, selbstbewusst sehen die Bremer diesem Showdown entgegen. "Wir haben alle Möglichkeiten, den Titel zu verteidigen", sagt Klaus Allofs, der Werder-Vorsitzende. In dieser Runde durch Losglück begünstigt bei zuletzt vier Heimspielen gegen drei Zweitligisten, bestätigte Werder die Pokal-Tradition. Personifiziert in Trainer Thomas Schaaf: An nunmehr zehn Final-Teilnahmen des Klubs war er neunmal beteiligt - viermal als Spieler, fünfmal als Trainer, da ist er Rekordhalter in Deutschland, gemeinsam mit Otto Rehhagel.

Zuletzt hätten sie am Limit gespielt, sagte Schaaf. Nach 43 Saisonspielen freut er sich auf "normale Wochen" und betont, dass sie die Liga nicht herschenken wollten. Ganz im Gegenteil: Werder bläst zur Attacke nach fast sicherer Qualifikation für die Europa League.

"Pizza" warnt vor "Bala, bala"

Mit smartem Lächeln kündigte Claudio Pizarro einen Endspurt um die Plätze in der Champions League an: "Wir wollen noch Dritter werden." Ein zwar schweres Unterfangen, "aber nicht unmöglich". Wohl wahr: Acht Punkte Rückstand klaffen auf Leverkusen, doch die Hanseaten haben den Glauben an dieses "moderne Werder-Wunder" nicht aufgegeben. Natürlich weiß "Pizza", dass sie nicht so agieren können, wie phasenweise gegen Augsburg. "Bala, bala" hätten sie da gespielt und sich so selbst in Gefahr gebracht. Es ging gut. Und Thomas Schaaf konnte dem geschätzten Kollegen Jos Luhukay nur Trost spenden: "Vielleicht wird euer anderer Traum wahr. Dann sehen wir uns bald wieder."

"Wir wollen bald wieder nach Bremen fahren."

Andreas Rettig

Exakt dieses Ziel verfolgt der Zweitligazweite. Manager Andreas Rettig hatte beim 0:2 einen Unterschied zwischen einer Spitzenmannschaft der ersten und (s)einer aus der Zweiten Liga erkannt, wertete dennoch die Pokalbilanz des FCA als "sensationell" und richtete den Blick auf das große Ziel, als er sagte: "Wir wollen bald wieder nach Bremen fahren." In der kommenden Saison, als Bundesligist.

Hans-Günter Klemm/Karl-Heinz Wild