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Als Real Madrid im Pokalfinale auf Real Madrid traf

1980: Sensation in der Copa del Rey

Als Real Madrid im Pokalfinale auf Real Madrid traf

1980 Schauplatz eines ganz besonderen Pokalfinals: Das Bernabeu-Stadion in Madrid.

1980 Schauplatz eines ganz besonderen Pokalfinals: Das Bernabeu-Stadion in Madrid. imago images

Hin und wieder gibt es Fußballspiele, in denen manche Fans durchaus beiden Mannschaften den Sieg gönnen. Anhänger Real Madrids hätten im spanischen Pokalfinale von 1980 wahrscheinlich mit jedem Ausgang leben können. Real Madrid spielte nämlich gegen... Real Madrid. Die Reserve der Königlichen hatte sich tatsächlich bis ins Endspiel der Copa vorgespielt und traf im Estadio Santiago Bernabeu auf die eigene erste Mannschaft.

Bis 1991 wurden Reserveteams im spanischen Pokal unabhängig behandelt - und ohnehin meistens in der ersten Runde aus dem Turnier gekegelt. Ein direktes Aufeinandertreffen eines Teams mit seiner zweiten Mannschaft war obendrein erst im Finale möglich - wozu es sowieso nicht kommen würde. Bis es 1980 doch so kam.

Mehr Zuschauer als die erste Mannschaft

Madrids Reserve, die sogenannte "Castilla" und im Durchschnitt gerade 20 Jahre alt, verzückte dabei nicht nur ihre eigenen Fans mit einem unbekümmerten, spektakulären Spielansatz. Und das sogar so sehr, dass zu dieser Zeit mehr Zuschauer zu den Spielen der zweiten Mannschaft Real Madrids kamen, als zu denen des amtierenden spanischen Meisters.

Wir wollten einfach Fußball spielen, die anderen Teams waren darauf nicht vorbereitet.

Ricardo Gallego

Und die Castilla begeisterte nicht nur, sie spielte besonders in der Copa del Rey 1979/80 einen unglaublich guten und auch erfolgreichen Fußball. Gegen Alicante und Gijón gelangen eindrucksvolle Aufholjagden, gegen den damaligen Rekord-Pokalsieger Athletic Bilbao ein Auswärtssieg. Auch den damaligen Tabellenführer Real Sociedad schaltete die Castilla auf ihrer Märchenreise ins Endspiel aus.

Emilio Butragueno, hier 1986 gegen Kölns Keeper Toni Schumacher

Ein Schlitzohr: Real Madrids Emilio Butragueno, hier 1986 gegen Kölns Keeper Toni Schumacher imago images

"Wir wollten einfach Fußball spielen und hatten eine erfrischende Attitüde - die anderen Teams waren darauf nicht vorbereitet", analysierte Führungsspieler Ricardo Gallego, der auch viele Jahre für Reals erste Garde spielte. Diese wies die Castilla im Finale zwar klar in die Schranken (6:1), die jungen Wilden durften aber, weil das große Madrid als Meister im Landesmeister-Cup unterwegs war, als unterlegener Pokal-Finalist im Europapokal der Pokalsieger antreten - ein absolutes Novum.

Vier Jahre später: Butragueno und die "Castilla" wird Zweitliga-Meister

Trotz eines Hinspielsieges war bereits in der ersten Runde gegen West Ham United Schluss, die Castilla von 1980 hatte dennoch ein kleines Umdenken beim spanischen Rekordmeister und eine große königliche Generation zur Folge: 1983/84 wurde Reals Reserve um die "Quinta del Buitre", einer Ausnahme-Generation um Angreifer Emilio Butragueno, tatsächlich Zweitliga-Erster. Aufsteigen durfte sie natürlich nicht, ihre besten Spieler allerdings schon. Sie führten Real Madrid zwischen 1986 und 1990 zu fünf Meisterschaften in Serie. Auch das gab es seither nicht mehr.

Niklas Baumgart

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