Bundesliga

Zum Tod von Uwe Seeler: Alles Gute, "Uns Uwe"

Nachruf zum Tod von Uwe Seeler

Alles Gute, "Uns Uwe"

Er wurde 85 Jahre alt: Uwe Seeler.

Er wurde 85 Jahre alt: Uwe Seeler. IMAGO/Revierfoto

Jede Begegnung war auf ihre Weise besonders. Obwohl eigentlich alle gleich anfingen. Oder, besser: weil alle gleich anfingen. "Geht's gut?" Diese Frage war für Uwe Seeler keine Höflichkeitsfloskel nach der er wie viele andere nichtmal die Antwort abwartete, er wollte es wirklich wissen. Und wahrscheinlich war genau das ein entscheidendes Geheimnis seiner Beliebtheit.

Seeler war echt und "Uns Uwe" eben nicht nur ein Spitzname, sondern die perfekte Beschreibung seines Wesens. Am Donnerstag ist der Ehrenspielführer der Nationalmannschaft im Alter von 85 Jahren im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen.

Auf die Frage, weshalb er als gebürtiger Hamburger in der gesamten Republik so große Zuneigung erfuhr und Legendenstatus erlangte, hat er zunächst nur mit den Schultern gezuckt. Seeler redete gern und unterhaltsam über früher, über Fußball, über seinen HSV, aber nicht so gern über sich und seinen enormen Stellenwert. Erst auf Nachfrage folgte ein Erklärungsansatz: "Ich denke, es kommt so zu einem zurück, wie man selbst unterwegs ist."

Ich habe auf viel Geld verzichtet, aber ich war immer zufrieden damit.

Uwe Seeler

Seeler war stets geradeaus unterwegs. Das machte ihn im Kreise seiner Mitspieler während eines Spiels manchmal gefürchtet ("Wenn ich sauer wurde, haben sich die anderen immer schon zugerufen, Achtung, Uwe leuchtet") und abseits des Feldes so beliebt. "Ich sehe das Leben als ein Geben und Nehmen, bin schon immer offen auf alle Leute zugegangen. Ich bin einfach so. Man kann ja auch nicht ein Leben lang schauspielern."

Gelebte Bodenständigkeit

Ilka und Uwe Seeler

Sind sich bis zuletzt treu geblieben: Ilka und Uwe Seeler. IMAGO/APress

Ein weiterer Grund für seine außergewöhnliche Beliebtheit war seine Bodenständigkeit. Gelebte Bodenständigkeit. Er hat seine Ilka 1959 geheiratet und die Hochzeit standesgemäß im alten HSV-Klubheim an der Rothenbaumchaussee gefeiert. Er ist seiner einen großen Liebe bis zuletzt treu geblieben wie seiner zweiten, dem HSV.

1961 lockte Inter Mailand mit einem Millionenangebot, Trainer Helenio Herrera hatte sich zu Beginn der Woche im Hotel "Atlantic" eingemietet und von Tag zu Tag ungläubig das Angebot erhöht, weil sich der Hamburger Mittelstürmer zierte. "Ich habe unruhig geschlafen zwischen den Gesprächen, und am Mittwoch habe ich Schluss gemacht, ich habe abgesagt, einfach aus dem Bauch heraus. Herrera hat es nicht verstanden, Inter war damals das Nonplusultra im Weltfußball, die haben bekommen, wen sie wollten. Ich habe auf viel Geld verzichtet, aber ich war immer zufrieden damit, dass ich mich so entschieden habe."

Episoden wie diese machten Seeler zur Legende. Obwohl er nach Bundesliga-Gründung nicht mehr Deutscher Meister mit dem HSV wurde, obwohl er 1966 als Vize-Weltmeister und 1970 als WM-Dritter den ganz großen Titel verpasste und 1954 ganz knapp an der Teilnahme vorbeigeschrammt ist. Sepp Herberger wollte ihn vor dem Triumph als Nachwuchsstürmer mitnehmen, aber die Meldefrist war bereits abgelaufen.

Damit werde ich darin bestätigt, dass ich nicht so viel verkehrt gemacht habe.

Uwe Seeler

Ob ihm was fehlt ohne den WM-Pokal? An dieser Stelle kam kein Schulterzucken, sondern ein energisches Kopfschütteln. "Natürlich wäre ich gern Weltmeister geworden, aber was soll's?" Seeler war zufrieden mit dem was er hatte, er war sogar mehr als das. "Mein Lehrherr in meiner Ausbildung hat früher immer zu mir gesagt: Uwe, eines darfst du nie werden: gierig. Dann läufst du gegen die Wand. Und er hat Recht: Gier ist das Schlimmste. Ich bin glücklich mit meinem Leben. Es ist angenehm und schön, dass ich eigentlich überall gern gesehen bin. Damit werde ich darin bestätigt, dass ich nicht so viel verkehrt gemacht habe."

Seeler hat zwar auch Fehler begangen, etwa während seiner ungekrönten Präsidentschaft beim HSV von 1995 bis 1998, aber er hat tatsächlich nicht viel verkehrt gemacht. Er hat die Menschen nicht nur mit seinem Fußball und seinen Toren unterhalten, er hat sie auch mit seiner Art berührt. Weil er sich für sie interessiert hat. Deshalb endete auch jede Begegnung gleich: Mit einem festen Händedruck, einem freundlichen Lächeln und einem herzlichen Wunsch, der nun ihm selbst gilt: "Alles Gute!"

Ewige Torjägerliste der deutschen Nationalmannschaft