3. Liga

Alle Jahre wieder: Dresdens unrühmlicher Abgang

Kommentar

Alle Jahre wieder: Dresdens unrühmlicher Abgang

Schlimmes Erscheinungsbild: Dynamo Dresden ist sportlich abgestiegen - und muss sich erneut mit Aussetzern von Teilen der eigenen Fans herumschlagen.

Schlimmes Erscheinungsbild: Dynamo Dresden ist sportlich abgestiegen - und muss sich erneut mit Aussetzern von Teilen der eigenen Fans herumschlagen. IMAGO/Hentschel

Wer noch nie in Dresden ein Fußballspiel gesehen hat, der sollte das eigentlich tun. Die Atmosphäre ist beeindruckend, die Lautstärke ohrenbetäubend. Ganz besonders am Dienstagabend, als der prall gefüllte Gästeblock der Lauterer dem Gastgeber trotz klarer Unterzahl Paroli bot und alle zusammen den Hexenkessel zum vielleicht lautesten Stadion Deutschlands machten. Spannung auf dem Rasen bis zur letzten Sekunde rundete den denkwürdigen Abend ab.

Doch in den Schlussminuten zeigte sich, warum ein Stadionbesuch in Dresden vielleicht doch nicht zu empfehlen ist. Vor dem Anpfiff machte zunächst der FCK-Block auf denkbar schlechteste Weise auf sich aufmerksam, als eine Rakete im Dresdner Tribünenbereich landete. Als später das 2:0 in der zweiten Minute der Nachspielzeit fiel und Dynamo mit anderthalb Beinen in der 3. Liga stand, brannten einigen Anhängern in der Heimkurve endgültig die Sicherungen durch.

Zahlreiche Böller explodierten nur knapp neben Spielern oder Ordnern. Dutzende Bengalos und Raketen flogen aufs Spielfeld. Fanuntensilien wurden auf der Tribüne verbrannt. Eine Minderheit der Dresdner gefährdete sämtliche Personen im Innenraum und provozierte einen Spiellabbruch. Der konnte noch verhindert werden.

Erinnerungen an 2014

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Der Mannschaft und dem ganzen Klub erwiesen die Dynamo-Chaoten aber einen Bärendienst. Knapp vier Minuten wären noch zu spielen gewesen, vier Minuten, in denen andere Mannschaften schon den aussichtslosesten Rückstand gedreht haben. Die zu erwartende Strafe wird üppig ausfallen - Stichwort Wiederholungstäter. Von diesem Geld hätte Sportchef Ralf Becker wohl auch einen Spieler für den Neustart in der 3. Liga kaufen können.

Dass im Falle einer Niederlage mit einem Szenario dieser Art zu rechnen war, macht die Sache noch schlimmer. Selbst im Erfolgsfall legen die Randalierer in Dresden ihre Umgebung gerne mal in Schutt und Asche und liefern sich außerhalb des Stadions eine Straßenschlacht mit der Polizei - wie beim entscheidenden Spiel zum Aufstieg in die 2. Liga vor einem Jahr 2021, das während der Pandemie ohne Zuschauer stattfand.

Die aktuellen Bilder ähneln denen von 2014, als die SGD nach einer Niederlage gegen Bielefeld aus der 2. Liga abstieg. Damals ergänzte eine Drohung via Plakat an die eigene Mannschaft das traurige Bild ("Ihr habt eine Stunde, um unsere Stadt zu verlassen"). Diesmal blieb es nicht bei einer Drohung. Rund 30 Personen verschafften sich rund 90 Minuten nach Spielende gewaltsam Zutritt zum Kabinentrakt, zwei Ordner wurden verletzt. Der Mannschaftsbus wurde mit Steinen beworfen, Spieler dort bedroht.

"Eine klare Grenze" sei überschritten worden sagte Geschäftsführer Jürgen Wehlend.

Diese Grenze wurde jedoch schon unzählige Male überschritten. Was hat sich geändert? Nichts. Wer mit dem Einsatz von Feuerwerkskörpern bewusst einen Spielabbruch herbeiführen möchte und Spieler in der Kabine bedroht, hat in einem Fußballstadion nichts verloren. Dafür müssen die Verantwortlichen beim Traditionsverein jetzt sorgen - neben zahlreicher anderer Baustellen nach dem erneuten Abstieg.

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