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Aldag und Zabel gestehen!

T-Mobile: Telekom steigt nicht aus Sponsoring aus

Aldag und Zabel gestehen!

Erik Zabel und Rolf Aldag

Legten ein umfassendes Dopinggeständnis ab: Die ehemaligen T-Mobile-Profis Erik Zabel (li.) und Rolf Aldag. dpa

Im T-Mobile-Forum in Bonn eröffnete T-Mobile-Kommunikationschef Christian Frommert um Punkt 11:30 Uhr die Pressekonferenz.

Frommert betonte zu Anfang, dass der Telekommunikationsriese sein Sponsoring fortsetzen wird: "Ein Engagement im Radsport ist derzeit nicht imagefördernd. Folglich standen wir vor der Frage, ob wir unser Engagement einstellen oder weitermachen. Wir haben eine Vereinbarung bis 2010 und gedenken diese, zu erfüllen." Allerdings betonte Frommert auch, dass der Weg der Anti-Doping-Bekämpfung konsequent weiter geführt wird.

Dann übergab er das Wort an Rolf Aldag. Dieser gab unumwunden zu, gedopt zu haben: "Ich habe im Vorfeld der Tour de France 1995 damit begonnen, namentlich mit Epo. Danach lief es so weiter. Natürlich will ich Erfolg haben und ich habe mich aktiv dafür entschieden. Ich habe dies dann weitergemacht, eigentlich immer Schritt für Schritt, 1997 (das) erste Mal mit schlechtem Gewissen."

Angst vor Kontrollen hatte Aldag nicht: "Wo ist das Risiko? Ich habe gedopt, weil ich wusste, dass ich nicht erwischt werden kann."

Wegen Angst um seine Gesundheit hörte er zunächst mit dem Doping auf. Im Jahr 2002 aber, nach drei Jahren ohne Tour-Nominierung, habe er aktiv über das Internet versucht, an Dopingmittel aus den Niederlanden zu gelangen: "Habe dies auch über irgendwelche dubiosen Sachen bekommen (...), dazu Klebezettel wo Kerben markiert waren, wo erklärt war, eine Kerbe sind 500 Einheiten EPO, zwei Kerben sind 10 000 Einheiten EPO. Da war für mich klar, das ist lebensbedrohlich, was du hier gerade machst." Das sei für ihn der Zeitpunkt gewesen, um einen Schlussstrich zu ziehen.

Aldag gab auch offen zu, die Öffentlichkeit und seine Fans belogen zu haben: "Ja ich habe gelogen und dafür will ich mich entschuldigen." Aufgrund seiner Vergangenheit bot Aldag seinen Rücktritt bei T-Mobile an.

Rolf Aldag begann seine Profikarriere beim Team Helvetia, im Jahr 1993 wechselte er zum damaligen Team Telekom. Er war Helfer an der Seite beim Tour-Sieg von Jan Ullrich (1997). 2005 beendete er seine Karriere und arbeitete zunächst als TV-Experte. Seit letztem Jahr ist er Sportlicher Leiter bei T-Mobile.

Obwohl er bis vor drei Wochen jegliches Doping bestritten hat, wird Aldag zunächst Sportlicher Leiter beim Team T-Mobile bleiben. "Wir haben seit acht Monaten Hand in Hand gearbeitet und was Tolles aufgebaut. Ich habe mit den Fahrern und Mitgliedern im Team gesprochen. Er hat die Unterstützung aus der Mannschaft. Es ist wichtig, dass er weitermacht und den Weg im Anti-Doping-Kampf mitgeht", sagte T-Mobile-Teamchef Bob Stapleton. Doch der US-Amerikaner machte auch deutlich, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. "Rolf und ich haben nun viel zu besprechen, aber das ist in jeder Bezieheung so, auch in geschäftlichen".

Überraschend war auch Erik Zabel bei der Pressekonferenz dabei. Und der Milram-Sprintstar gab unumwunden zu, 1996 vor der Tour de France mit Epo gedopt zu haben. Erstmals gab somit ein noch aktiver deutscher Radsportler Doping zu.

Erik Zabel fuhr von 1993 bis Ende 2005 für den Bonner Radstall, seitdem für Milram. Er gewann sechsmal das Grüne Trikot des besten Sprinters bei der Tour de France, erstmals 1996, wo er gedopt hatte.

Allerdings dopte Zabel nach eigener Aussage nur einmalig. "Ich hatte mich entschieden, EPO zu nehmen. Es war ein einmaliger Test, den ich nach einer Woche abgebrochen habe", gestand der 36-Jährige. Gesundheitliche Nebenwirkungen, wie eine erhöhte Körpertemperatur, ließen ihn seitdem Abstand von Doping nehmen.

"Wenn ich von meinem Sohn erwarte, dass er ein guter Mensch wird, kann ich ihn nicht weiter anlügen", nannte Zabel am Donnerstag mit großer Ergriffenheit einen seiner Hauptgründe, als erster noch aktiver deutscher Rad-Profi ein Reue-Geständnis abzulegen. "Ich habe ihn angelogen und möchte mich dafür entschuldigen", stammelte er bei der Pressekonferenz des Teams T-Mobile in Bonn, dann verschlug es ihm für einige Sekunden die Stimme.

"Mein Sohn fährt selber Rad. Und ich möchte einfach nicht, dass die Jungs in einer ähnlichen Situation Sport treiben wie wir", fügte Zabel stockend hinzu, nachdem ihm sein früherer Team-Gefährte Rolf Aldag beruhigend auf die Schulter geklopft hatte.

Auf seine jetzige Situation angesprochen, antwortete Erik Zabel: "Ich fahre sauber."

Systematisches Doping im Team wollten beide weder ausschließen noch bestätigen. "Bei mir lief es intim ab", sagte Aldag: "Ob es systematisches Doping gab, müssen die sagen, die den Überblick hatten." So wollte er auch über mögliches Epo-Doping bei Jan Ullrich nichts sagen.

Am Donnerstagmorgen reagierte auch die Uniklinik Freiburg und trennte sich mit sofortiger Wirkung von den beiden Sportärzten Dr. Lothar Heinrich und Prof. Andreas Schmid. Beiden wurde fristlos gekündigt, nachdem sie am Mittweochabend zugegeben haben, dass sie Radprofis Epo zugänglich gemacht haben.

"Es ist wohl so, dass Ärzte involviert gewesen sind, das ist an sich schon schrecklich", sagte Dr. Wilhelm Schänzer gegenüber dem TV-Sender ARD. Der Kölner Dopingexperte fordert eine weitere Aufklärung der Vorkommnisse an der Uniklinik Freiburg und sieht besonders die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) gefordert.

Dem Auftritt von Zabel und Aldag steht Schänzer positiv gegenüber: "Ich finde es gut, dass man ganz klar sagt, was man gemacht hat", sagte Schänzer. Er hoffe, dass es nun zu einem Neuanfang kommt.