2. Bundesliga

Alarm beim Hamburger SV - weil die Warnsignale ignoriert wurden

Thioune will nichts von einer Krise wissen

Alarm beim HSV - weil die Warnsignale ignoriert wurden

Enttäuschter Abgang: Die Spieler des HSV schleichen vom Platz.

Enttäuschter Abgang: Die Spieler des HSV schleichen vom Platz. imago images

Die Vorboten waren durchaus da, wurden aber unter dem Eindruck ordentlicher Leistungen nicht als solche wahrgenommen. Nach zwei vermeidbaren Unentschieden in Aue (3:3) und gegen Greuther Fürth (0:0) hat es den Hamburger SV - wie zu Beginn der Herbstkrise - mit Anlauf erneut im dritten sieglosen Spiel erwischt. Seinerzeit gab es gegen Spitzenteam Bochum die erste Niederlage, Sonntag nun beim Letzten Würzburg. Und das nach einem Vortrag, der verstörender war, als es das knappe Endresultat von 2:3 suggeriert. Die Folge: Weil die Warnsignale ignoriert wurden, droht jetzt wieder Alarm.

Die Rückrundentabelle weist den HSV als Neunten aus

Daniel Thioune wirkte sichtlich angeschlagen während der Pressekonferenz am Dallenberg. Natürlich wusste er was kommt. Dass drei sieglose Zweitligapartien in Hamburg schwerer ins Gewicht fallen als andernorts, erst recht, wenn darunter ein Auftritt wie am Sonntag ist, hat er längst verinnerlicht. Die Frage nach einer Ergebniskrise kann er dennoch nicht nachvollziehen. "Wir haben zuvor elf Spiele nicht verloren. Die jüngsten Ergebnisse waren nicht gut, aber von einer Krise sind wir sehr weit entfernt." Wirklich? Die Rückrundentabelle weist den HSV als Neunten aus, aus den ersten fünf Partien sammelte er lediglich sechs Zähler. Zum Vergleich: In der Hinrunde holte er gegen die ersten fünf Kontrahenten die Maximalausbeute von 15 Punkten. Und jetzt stehen mit St. Pauli, Kiel und Bochum Teams im Terminkalender, gegen die es im alten Jahr nur zwei Pünktchen gab.

2. Bundesliga - 22. Spieltag
2. Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Hamburger SV Hamburger SV
42
2
SpVgg Greuther Fürth SpVgg Greuther Fürth
42
3
VfL Bochum VfL Bochum
42
Hamburger SV - Termine

"Wir werden in der Analyse der Niederlage sehr ins Detail gehen", kündigt der Coach an und hat bereits eine lange Mängelliste formuliert: "Wir hatten von Beginn an Probleme, hatten zwar viel Ballbesitz, aber kein gutes Freilaufverhalten, kein Tempo." Und eine Fülle von individuellen Fehlern: Sven Ulreich hätte sich zu Beginn mit einem Luftloch nach einem Rückpass beinahe selbst düpiert, griff dann beim ersten Gegentor daneben, nachdem sich Jan Gyamerah und Moritz Heyer gegenseitig angeschossen haben; Gideon Jung patzte beim zweiten Treffer, Tim Leibold beim dritten, während Amadou Onana mehrfach wegen unterlassener Hilfeleistung anzuprangern ist. Für das Derby nahm er sich durch seine Ampelkarte schließlich selbst aus dem Spiel.

"Auch wir müssen uns in dieser Liga alles hart erarbeiten"

Die Selbstkritik von Tim Leibold ("Wir haben die Einstellung vermissen lassen") wollte Thioune so nicht stehen lassen und beteuert, Schlusslicht Würzburg sei nicht auf die leichte Schulter genommen worden, sein Kernsatz nach dem Niederschlag aber ist nicht weit weg von der Analyse seines Kapitäns. "Auch wir müssen uns in dieser Liga alles hart erarbeiten und verdienen." In Würzburg hatten sie dies nicht getan und daher auch nichts anderes verdient als eine schallende Ohrfeige. Wird diese als Ausrutscher abgetan, so wie die vorangegangenen Punkteteilungen nicht als Warnsignal wahrgenommen wurden, drohen in den kommenden Wochen weitere.

Sebastian Wolff