Bundesliga

Affäre Potocnik: Schwerste Geschütze

Slowenen wollen FC-Vorwürfe kontern

Affäre Potocnik: Schwerste Geschütze

Um ihn entbrannte sich der juristische Streit: Jaka Cuper Potocnik.

Um ihn entbrannte sich der juristische Streit: Jaka Cuper Potocnik. picture alliance / BEAUTIFUL SPORTS/Wunderl

Drei Vertreter der Slowenen sollen laut dem Bundesligisten in der Sache falsche Angaben gemacht haben. "Die von NK Olimpija Ljubljana benannten Zeugen und beim CAS aussagenden Klubvertreter haben sich hingegen in Widersprüche verwickelt und in Teilen den von NK Olimpija Ljubljana schriftsätzlich vorgebrachten Tatsachenvortrag selbst widerlegt. Hierdurch sowie durch weitere Aussagen von FC-Seite benannter Zeugen konnte nach Überzeugung des 1. FC Köln belegt werden, dass NK Olimpija Ljubljana auf Grundlage falschen Tatsachenvortrags versucht, eine ungerechtfertigte Schadenersatzhöhe zugesprochen zu bekommen", heißt es in einer Mitteilung der Kölner vom Dienstagnachmittag und weiter: "Der 1. FC Köln hat diesen Sachverhalt strafrechtlich überprüfen lassen und daher gegen drei Vertreter von NK Olimpija Ljubljana Strafanzeige wegen eines möglichen versuchten Betrugs zum Nachteil des 1. FC Köln gestellt."

Olimpija kündigt an, gegen Köln wegen Verleumdung vorzugehen

Die Staatsanwaltschaft Köln bestätigte gegenüber dem kicker, dass sie über den Status der Vorermittlungen hinaus sei, erklärte aber auch: "Gleichwohl gilt natürlich bis zum Abschluss der Ermittlungen die Unschuldsvermutung." Gegen wen sich die Vorwürfe konkret richten, wollte die Behörde nicht mitteilen. Vor dem CAS ausgesagt haben Olimpija-Geschäftsführer Igor Barisic und Vize-Präsident Dr. Christian Dollinger, der die Vorwürfe via Bild-Zeitung entschieden zurückwies. Olimpija kündigte gegenüber dem kicker zudem an, wegen Verleumdung gegen den Bundesligisten vorgehen zu wollen. Beide Klubs fahren nun offenbar schwerste Geschütze auf in der Affäre.

Dass der FC die - angeblich - ungerechtfertigte Schadenersatzhöhe als Motiv für seinen Betrugsverdacht nennt, lässt gewisse Schlüsse zu. Die Slowenen forderten in dem Erstverfahren vor der FIFA-Streitschlichtungskammer 2,5 Millionen Euro an Transferentschädigung von den Kölnern für ihren damals 16-jährigen Spieler Jaka Cuber Potocnik. Dieser hatte im Januar 2022 seinen Vertrag in Ljubljana gekündigt und war in der Folge ablösefrei zum FC gewechselt. Unwirksam, sagen die Olimpija-Verantwortlichen. Die FIFA gab ihnen recht und sperrte Köln wegen Anstiftung zum Vertragsbruch für zwei Transferperioden. Weil die Rheinländer vor den CAS zogen, wurde die Sperre zunächst ausgesetzt, ehe im September bei dem Internationalen Sportgerichtshof Anhörungen stattfanden. Dort sollen, so die Kölner, die Slowenen also gelogen haben.

Der Wortlaut der Kölner Mitteilung erweckt den Eindruck, dass es um die von Ljubljana geforderten 2,5 Mio. Euro geht. Diese Forderung geht zurück auf eine Interessenbekundung für Potocnik vom kroatischen Spitzenklub Dinamo Zagreb in ebendieser Höhe. Vor einigen Monaten enthüllte der kicker, dass der Spielerberater Andy Bara diese Interessenbekundung an die Slowenen herangetragen haben soll.

Das ist aufgrund von zwei Gesichtspunkten zumindest bemerkenswert: Erstens hätte Bara an dem Transfer eines damals Minderjährigen laut FIFA-Regularien keinen Cent verdienen dürfen. Zweitens arbeitete Olimpija-Sportdirektor Goran Boromisa von 2013 bis 2020 selbst bei Dinamo in verantwortlicher Position. Warum die Kroaten nicht direkt bei ihrem Ex-Funktionär wegen Potocnik anklopften, erschließt sich nicht wirklich.

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"Indem die Staatsanwaltschaft Köln von einem Anfangsverdacht ausgeht, gibt sie zu verstehen, dass nach kriminalistischer Erfahrung tatsächliche Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten bestehen", ordnet der Strafrechtsexperte Prof. Dr. Ingo Bott die Strafanzeige ein. Der Düsseldorfer Rechtsanwalt kritisiert das schriftliche Umlaufverfahren der FIFA in der ersten Instanz: "Es gab keine mündliche Verhandlung, damit auch keine Vernehmung von Zeugen. Hätte der 1. FC Köln sich nicht gegen die damalige Sanktion gewehrt, wäre er daher gegebenenfalls für etwas bestraft worden, wofür er nicht nur nichts kann, sondern was anderen sogar als Straftat vorzuwerfen sein könnte."

Andererseits ging es sowohl bei der FIFA als auch vor dem CAS zunächst um die Frage der Wirksamkeit und der Rechtmäßigkeit der Kündigung Potocniks respektive um den Vorwurf, der FC hätte das Talent zum Vertragsbruch angestiftet - das zumindest war der Schluss der Richter des Weltverbandes. FC-Geschäftsführer Dr. Christian Keller sprach damals von einer Beweislastumkehr, weil die FIFA von den Kölnern gefordert hatte, zu belegen, dass sie Potocnik nicht angestiftet hätten. Ein Argument, das seine Berechtigung hat. Ob die Strafanzeige, die sich ja auf die Höhe der Schadenersatzforderung bezieht, nun wirklich Einfluss auf das mit Spannung erwartete CAS-Urteil haben wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Benni Hofmann

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