Bundesliga

Bochum-Trainer Thomas Letsch: Lieber Air-Jordan als Hertha

Bochum erzwingt mit ungewöhnlichen Toren den Sieg im Schlüsselspiel

Ablenkung für Letsch: Lieber Air-Jordan als Hertha

Große Freude in Bochum nach dem Sieg gegen Augsburg: Trainer Thomas Letsch (l.) mit seinen Spielern.

Große Freude in Bochum nach dem Sieg gegen Augsburg: Trainer Thomas Letsch (l.) mit seinen Spielern. IMAGO/Sven Simon

Was denn nun mit seinen Fußballschuhen passiere, den auffälligen silbernen, wurde Christopher Antwi-Adjei nach dem hart erkämpften Heimsieg gegen Augsburg gefragt. "Die werde ich nachher noch putzen", gab der Matchwinner zurück, dann gehe man eben zur Tagesordnung über. Wie das so ist, auch nach einem überaus erfreulichen Heimsieg im Tabellenkeller. Also: Mund abputzen, Schuhe putzen, weiter Punkte sammeln.

Schon früh hatte "Jimmy" für Jubelstimmung an der Castroper Straße gesorgt, als er mit einem Haken von links nach innen und einem wuchtigen Rechtsschuss unter die Latte früh für das 1:0 gegen Augsburg sorgte. Ein echter Hammer in der zweiten Minute, ein mindestens so frühes Tor war dem VfL letztmals am zehnten Spieltag 2009/10 durch Stanislav Sestak gelungen, beim 1:4 gegen Bremen.

Auch hier zeigte sich die äußerste Entschlossenheit, den immens wichtigen Heimsieg einzufahren. "Für uns war es ein großes Thema, in die Box zu kommen. Diesmal hat man gesehen, was dabei herauskommen kann." Bei zwei weiteren Bochumer Toren war am Ende noch ein Augsburger Bein im Spiel, ganz egal, der Ball war drin. "Und wer nicht schießt, der schießt keine Tore", so Antwi-Adjei.

Bundesliga, 32. Spieltag

Erst also mit voller Wucht äußerst sehenswert ins Tor, dann zwei mehr oder minder abgefälschte Bälle, die im Kasten des Gegners landeten - ganz egal, auch diese drei Volltreffer, sprachen für die Wucht und Entschlossenheit, mit der der VfL Bochum seine Chance beim Schopf packte.

Die Bochumer Stehaufmännchen

Schon vorher hatte Augsburgs Trainer Enrico Maaßen respektvoll von den Nehmerqualitäten der Bochumer gesprochen, und die stellten die Hausherren am Samstag auch nachdrücklich zur Schau. Schon viele Chancen hat der VfL in der laufenden Saison zu Hause ausgelassen, unter anderem gegen die Schlusslichter FC Schalke und VfB Stuttgart, sich aber nie auf seinem Weg beirren lassen.

Nun bedeutete am vergangenen Wochenende eine wenig überzeugende Leistung und die Niederlage in Mönchengladbach (0:2) den nächsten Rückschlag, doch erneut erwies sich die Mannschaft von Thomas Letsch als robust und präsentierte sich als Stehaufmännchen, gerade rechtzeitig am drittletzten Spieltag der Saison.

"Unsere ganze Mannschaft hat alles reingehauen", so Antwi-Adjei, "für uns war es ein ziemlich perfekter Tag." Bei strahlendem Sonnenschein hatte die Partie an der Castroper Straße begonnen, zwischendurch gab es einen heftigen Schauer, dadurch verlor auch der Flügelstürmer zwischenzeitlich die Bodenhaftung.

Die ganze Mannschaft hat alles reingehauen. Wir waren insgesamt voll da.

Christopher Antwi-Adjei

Antwi-Adjei wechselte sein Schuhwerk, von Noppenschuhen auf Stollen. "Ich hatte keinen Grip mehr, nachher ging es besser", so der Außenstürmer, der sich allerdings ganz bescheiden nicht als "Mann des Tages" fühlte. "Die ganze Mannschaft", so der Doppel-Torschütze, der ansonsten kaum als Torjäger glänzt, aber auch im Hinspiel gegen Augsburg schon getroffen hatte, "hat alles reingehauen. Wir waren insgesamt voll da."

Sonderlob für Janko

Nach vielen Gesprächen und einem gemeinsamen Grillabend am Dienstag zeigte sich der VfL im Schlüsselspiel von seiner besseren Seite und hat mit dem Heimsieg seine Chancen deutlich gesteigert, tatsächlich ein drittes Jahr in der Bundesliga zu erleben.

Dazu trugen natürlich auch die Umstellungen des Trainers bei, der seine beiden über lange Jahre bewährten Außenverteidiger ausgetauscht und damit die richtige Maßnahme getroffen hatte. Dominique Heintz patzte zwar vor dem ersten Gegentreffer, fing sich dann aber und spielte mit all seiner Routine eine sehr solide Partie.

Saidy Janko auf der anderen Seite lieferte seine wohl beste Vorstellung, seit er im Sommer nach Bochum gewechselt war. Der Rechtsverteidiger verrichtete seinen Job schnörkellos, mit gewohnter Top-Schnelligkeit, lief viele Bälle ab und stand äußerst sicher.

"Er hat ja vorher auch nicht immer gespielt, aber jetzt war er voll da und hat das richtig gut gemacht, sehr stark verteidigt", lobte Letsch.

Letsch: "Gewonnen haben wir unterm Strich noch nichts"

Bochums Trainer hatte übrigens am Freitagabend darauf verzichtet, den nächsten Gegner und Abstiegskampf-Rivalen Hertha BSC im Spiel in Köln unter die Lupe zu nehmen. So verpasste er das glatte 2:5 des Hauptstadt-Klubs beim FC - und ging lieber ins Kino.

"In der vorigen Woche habe ich das Schalke-Spiel am Freitagabend geschaut und hatte danach eine ganz unruhige Nacht", so der Bochumer Trainer. Diesmal zog er einen Kinoabend vor und erlebte die Air-Jordan-Story: Der große Wurf.

Dieser Filmtitel passte ganz gut auch zum Samstagnachmittag an der Castroper Straße. Für Bochum war der Sieg gegen Augsburg in der Tat ein großer Wurf in starker Bedrängnis. Da stufte der Trainer das Erlebte ganz realistisch ein: "Das war ein ganz wichtiger Sieg. Aber gewonnen haben wir unterm Strich noch nichts."

Aber immerhin hat der VfL Bochum vor dem 33. Spieltag mit dem Spiel beim Tabellenletzten Hertha wieder eine starke Ausgangsposition, sogar den direkten Klassenverbleib zu bewerkstelligen.

Oliver Bitter

Bilder zur Partie VfL Bochum gegen FC Augsburg