Bundesliga

"Richtiges Scheiß-Spiel": Kohfeldt kitzelt Friedl

Der Österreicher soll bei Werder den Sprung zur Stammkraft schaffen

"Richtiges Scheiß-Spiel": Kohfeldt kitzelt Friedl

Bremens Marco Frield organisierte zuletzt lautstark die Defensive Werders.

Bremens Marco Frield organisierte zuletzt lautstark die Defensive Werders. imago images

Dass ihm die Rolle des Abwehr-Chefs liegt, war am Wochenende einmal mehr unverkennbar: Beim 4:0 gegen den FC Groningen übernahm Marco Friedl diesen Part im Zentrum der Viererkette an der Seite von Youngster Julian Rieckmann, organisierte lautstark und agierte in den Zweikämpfen wie im Aufbau absolut souverän. Der Auftritt des 22-jährigen Österreichers gefiel auch Trainer Florian Kohfeldt ausdrücklich. Zugleich sparte der Coach aber auch nicht mit Kritik - an Friedls Auftritt im Test gegen Lustenau (4:2) am vergangenen Montag: "Da hat er ein richtiges Scheiß-Spiel gemacht. Das kann ich im Rückblick jetzt auch mal sagen."

Diese, für Kohfeldt ungewöhnliche, öffentliche Einzelkritik ist natürlich als psychologische Maßnahme zu verstehen. Der Fußballlehrer kitzelt Friedl gerade nach einer starken Leistung ganz bewusst: "Marco muss wissen, dass er dranbleiben muss", erklärt Kohfeldt. "Sein Potenzial schätze ich total, das habe ich auch in den schlechtesten Zeiten immer wieder betont. Aber so wie er jetzt gegen Groningen gespielt hat, muss es die Normalität sein. Von der Spannung, der Kommunikation, dem Passspiel. Gegen Lustenau war das eher anders." Kohfeldts Auftrag an den im Sommer 2019 für drei Millionen Euro Ablöse geholten Ex-Münchner: "Er muss den Sprung jetzt schaffen, das konstant abzurufen, egal gegen wen er spielt. Diesen Sprung traue ich ihm zu - und dann ist Marco auf dem Weg zu einem sehr guten Innenverteidiger in der Bundesliga." Und damit folgerichtig auch zur Stammkraft bei Werder.

Spielersteckbrief Friedl
Friedl

Friedl Marco

Trainersteckbrief Kohfeldt
Kohfeldt

Kohfeldt Florian

Kein eingespieltes Gespann zum Start

Aktuell hat Friedl gegenüber dem direkten Konkurrenten Niklas Moisander ohnehin die Nase vorn. Der Kapitän ist nach überstandener Wadenverletzung noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, kam am Samstag gegen St. Pauli (1:0) auch nur für eine Halbzeit zum Einsatz. Ob Moisander bis zum Pflichtspielstart in zwei Wochen topfit sein wird, bleibt offen. Gänzlich fehlten am Wochenende gar beide Top-Kandidaten für den Posten des rechten Innenverteidigers: Milos Veljkovic und Ömer Toprak. Veljkovic, wegen eines im zweiten Relegationsspiel gegen Heidenheim erlittenen Faserisses verspätet eingestiegen, wurde wieder aus dem Mannschaftstraining genommen. Kohfeldt erklärt: "Es ist kein Rückschlag, aber wir haben nach den ersten Einheiten festgestellt, dass Milos noch auftrainieren muss. Ich möchte nicht mehr einen Reha-Prozess ins Mannschaftstraining verlegen. Es geht jetzt um konditionelle Arbeit, um auf gutem Niveau zurückzukommen." Derweil laboriert Toprak an einer Prellung nach einem Schlag aufs Sprunggelenk. Angesichts der Verletzungsgeschichte des 31-Jährigen "sind wir bei ihm immer sehr vorsichtig", räumt Kohfeldt ein, "das ist kein Geheimnis". Aber: "Es ist nichts Schlimmes." Toprak könne vermutlich am kommenden Samstag im Test gegen Hannover noch mal "Einsatzminuten sammeln vor dem ersten Pflichtspiel", der Pokalpartie in Jena am 12. September.

Dramatisch ist die Personalsituation so gesehen nicht. Dennoch zeichnet sich ab: Mit einem konstant eingespielten Innenverteidiger-Duo wird Werder nicht in die Saison starten können. Zumal ausgerechnet Friedl die Generalprobe gegen 96 wegen seiner Länderspieltour mit Österreichs U 21 verpasst.

Thiemo Müller

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