Bundesliga

Hertha BSC: Wie Michael Preetz über Cunha, Grujic und Draxler denkt

Herthas Manager über Transfers, Hauptsponsor-Suche und die Perspektive

"Komplizierter Transfersommer": Wie Preetz über Cunha, Grujic und Draxler denkt

Michael Preetz

Michael Preetz beantwortete in einer Medienrunde am Donnerstag wichtige Fragen rund um Hertha BSC. imago images

Am Dienstag duellierte sich Hertha mit Ajax Amsterdam (0:1), am Samstag kommt die PSV Eindhoven zum Test nach Berlin (17 Uhr). Herthas Holland-Woche gilt als erster Wahrsager in der laufenden Vorbereitung. Am Donnerstagmittag sprach Michael Preetz vor den Berliner Medien über …

…den Stand der Vorbereitung:
"Wir haben als eine der ersten Mannschaften das Training aufgenommen - vor dem Hintergrund, dass wir eine Menge Arbeit vor uns haben und die Mannschaft in einen körperlich sehr, sehr guten Zustand bringen wollen. Die Mannschaft arbeitet sehr intensiv und fleißig - das ist vielleicht ungewohnt für den einen oder anderen, was Intensität und Umfänge angeht."

Spielersteckbrief Draxler
Draxler

Draxler Julian

Spielersteckbrief Grujic
Grujic

Grujic Marko

Spielersteckbrief Matheus Cunha
Matheus Cunha

Santos Carneiro de Cunha Matheus

…die in den bisherigen Testspielen eher harmlose Offensive:
"Da ist noch Luft, aber das ist auch dem Stand der Vorbereitung geschuldet. Wir hatten erst zwei Testspiele. Wir kommen jetzt im Training und auch mit dem Doppel-Test gegen Eindhoven in eine Phase, in der wir zulegen müssen, keine Frage. Wir müssen an der Entwicklung unseres Spiels nach vorn arbeiten. Wir haben in einigen Phasen der letzten Saison unter Bruno Labbadia schon gezeigt, wo es hingehen kann. Mehr gefährliche Situationen zu kreieren, ist ein Entwicklungsprozess, der nicht im Laufe der nächsten Saison abgeschlossen sein wird."

…die Neuzugänge:
"Lucas Tousart war derjenige, der am längsten kein Fußball gespielt hat. Das hat man ihm in den ersten Tagen und Wochen angesehen und das sieht man ihm auch jetzt noch an, das ist normal. Er braucht umso mehr die intensiven Einheiten und die Spiele. Aber man sieht schon, was er dieser Mannschaft geben kann: mit Routine trotz des recht jungen Alters, mit Robustheit, mit Verlagerungen. Bei Deyovaisio Zeefuik hat sich der Transfer recht lange hinausgezögert, der Junge war unruhig. Gerade für die Jungs, die wir aus anderen Ligen und einem anderen Sprachkreis holen, hilft jeder Tag mehr bei der Integration. Er hat's insofern einen Tick einfacher, weil er bekannte Gesichter hier getroffen hat (mit seinen niederländischen Landsleuten Javairo Dilrosun, Karim Rekik, Daishawn Redan - d. Red.). Jetzt geht's für ihn darum, schnell zu verstehen, wie wir Fußball spielen wollen und was auf seiner Position gefragt ist. Bei Alexander Schwolow geht es am einfachsten, weil er ein deutscher Spieler ist, der aus der Bundesliga kommt und der die Abläufe und die meisten Spieler kennt. Er hat sich schnell in die Gruppe integriert."

…weitere Transfers:
"Wir haben bis 5. Oktober die Möglichkeit. Es ist unter mehreren Aspekten ein wahnsinnig komplizierter Transfersommer. Ich erwarte, dass es nach hinten noch eine Menge Entscheidungen geben wird. Wir sind eng am Markt und beobachten Entwicklungen, bereiten uns vor, haben Ideen und schauen, dass wir sie in den nächsten Wochen umsetzen können. Ich gehe davon aus, dass es gegen Ende des Transferfensters einige Transfers geben wird, die so vorher nicht umsetzbar gewesen wären. Es werden Optionen auf den Markt kommen, die heute noch keine Optionen sind. Wir halten unsere Augen überall offen."

Es werden Optionen auf den Markt kommen, die heute noch keine Optionen sind. Wir halten unsere Augen überall offen.

Michael Preetz über mögliche neue Transfers

…Herthas gute Marktposition durch die Millionen von Investor Lars Windhorst:
"Den Eindruck, dass die Konkurrenz das weiß, konnte man schon das eine oder andere Mal bekommen. Der Zeefuik-Transfer hat sich auch deshalb so lange hingezogen. Es ist bekannt, dass da ein Verein ist, der ein paar mehr Mittel hat - da wird natürlich versucht, das an der einen oder anderen Stelle auszuspielen."

…mehr Druck durch die neuen finanziellen Möglichkeiten:
"Wir spüren, dass eine andere Erwartungshaltung da ist. Wir versuchen, die Mittel, die zur Verfügung stehen, so sorgfältig einzusetzen, dass die Mannschaft sich entwickeln kann. Es geht darum, Spieler zu finden, die sich entwickeln, die etwas mit uns erreichen wollen und die mithelfen, diesen Verein auf das nächste Level heben zu können. Das ist der Anspruch, den wir auch selber an uns haben. Die finanziellen Möglichkeiten sind jetzt größer als vorher. Aber es muss uns weiter gelingen, sorgfältig mit diesen Ressourcen umzugehen und gute Entscheidungen zu treffen."

…eine nochmalige Verpflichtung von Marko Grujic:
"Er ist ein Spieler des FC Liverpool, der zwei Jahre an uns ausgeliehen war. Er ist seit wenigen Tagen mit Liverpool im Training. Es war anders als im letzten Jahr der erklärte Wunsch von Liverpool, dass Marko dort weite Teile der Vorbereitung mitmacht. Dann wird es sicher in England eine Entscheidung geben, wie die nächste Zukunft von Marko aussieht: Wird er nochmal verliehen? Steht er zum Verkauf? Wird er Bestandteil der Mannschaft des FC Liverpool? Das kann man jetzt noch nicht absehen."

…über den Flirt von Matheus Cunha mit PSG:
"Es gab kein offizielles Interesse von Paris, sondern Berichterstattung über mögliches Interesse. Wir haben den Spieler nicht im Januar verpflichtet, um ihn jetzt im Sommer schon wieder abzugeben. Wir haben mit Matheus im Winter auch lange darüber gesprochen, was für ihn wichtig ist - als sehr jungen Spieler, der wenig Einsatzzeit hatte in Leipzig. Es war ihm wichtig, eine Heimat zu finden, wo man ankommen und die nächsten Jahre verbringen kann. Das war nicht zuletzt seine Hoffnung mit dem Wechsel nach Berlin. Er hatte unter schwierigen Umständen ein gutes erstes Halbjahr hier. Für ihn gilt wie für viele andere Spieler bei uns: Eine gute Vorbereitung ist wichtig, davon wird insbesondere auch Matheus profitieren. Dass wir ihn einplanen, dass er in unseren zentralen Planungen eine Rolle spielt, ist keine Überraschung."

Wir werden keinen Spieler abstellen, wenn es die gesundheitlichen Richtlinien nicht zulassen und er nach der Rückkehr 14 Tage in Quarantäne muss.

Michael Preetz über die anstehenden Länderspiele

…ein mögliches Interesse an Julian Draxler:
"Er hat Vertrag in Paris, das ist bekannt. Und er ist im Finalturnier der Champions League zum Einsatz gekommen. Es hat nichts darauf hingedeutet, dass er dort überhaupt keine Rolle spielt. Es hilft uns nicht, wenn weiter jeden Tag diskutiert wird. Wir versuchen, unsere Arbeit zu machen."

…die Suche nach einem neuen Hauptsponsor:
"Es ist eine Herausforderung, aber wir haben uns in Absprache mit unserem bisherigen Partner (TEDi, d. Red.) bewusst zu diesem Schritt entschieden. Wenn man sich's malen könnte, wäre es schön, wenn wir den neuen Hauptsponsor zum Pflichtspielauftakt präsentieren könnten. Aber das ist kein Muss."

…das Saisonziel:
"Es macht keinen Sinn, ein Saisonziel auszugeben, so lange der Kader noch nicht komplett ist. Wir wollen zulegen und besser Fußball spielen und dort weitermachen, wo wir in der letzten Saison - zum Beispiel gegen Leverkusen (2:0 am 33. Spieltag, d. Red.) - aufgehört haben."

…die anstehenden Länderspiel-Abstellungen:
"Wir sind mit allen Verbänden, die Spieler von uns abgestellt haben möchten, intensiv im Austausch. Es gibt seit dieser Woche eine neue Rechtsprechung, was die FIFA-Richtlinien angeht. Dadurch, dass sich die Pandemie-Lage in einigen Ländern und Regionen verschärft, gilt die Einstufung in Risikogebiete. Wir haben - Stand jetzt - keine Abstellungspflicht für Nationalspieler, die in Risikogebieten antreten. Das betrifft eine ganze Menge unserer Spieler. Das wird in den nächsten Tagen mit den Verbänden und Behörden besprochen. Wir werden keinen Spieler abstellen, wenn es die gesundheitlichen Richtlinien nicht zulassen und er nach der Rückkehr 14 Tage in Quarantäne muss (betrifft bei Hertha Dedryck Boyata, der mit Belgien in Brüssel spielen soll; Krzysztof Piatek mit Polen im bosnischen Zenica; Deyovaisio Zeefuik, Javairo Dilrosun, Daishawn Redan mit der niederländischen U21 im weißrussischen Schodsina; Ondrej Duda und Peter Pekarik mit der Slowakei im israelischen Netanja - d. Red.)."

…den drohenden Zuschauer-Ausschluss bis Jahresende:
"Oberste Priorität hat die Gesundheit. Das betrifft auch die Diskussion um die Zulassung von Zuschauern. Nichtsdestotrotz sehen wir es als unsere Aufgabe an, uns auf die Wiederzulassung von Zuschauern vorzubereiten - in welchen Schritten und welchem Zeitraum auch immer. Wir haben an unterschiedlichen Konzepten, die unterschiedliche Stufen beinhalten, gearbeitet. Da geht es um den Wiedereinstieg von Zuschauern im Spielbetrieb mit geringer Anzahl bis zu steigender Anzahl. Das findet immer in enger Absprache mit dem zuständigen Gesundheitsamt statt. Je nachdem, wie die politische Lage es dann zulässt, werden wir kurzfristig auf unterschiedliche Szenarien reagieren können. Wir sind vorbereitet und könnten flexibel reagieren."

…den Vorstoß von Stadtrivale Union, der vergangene Woche ein eigenes Präventivtest-Konzept als Grundlage für die Rückkehr zu einem vollen Stadion vorstellte:
"Es muss jeder für sich selbst beurteilen, wann man welche Ideen möglicherweise auch mit der Öffentlichkeit teilt. Wir wollen schon auch die Rückkehr zur Normalität und denken intensiv darüber nach, ob zunächst eine geringere Anzahl an Zuschauern möglich sein könnte. Der Weg zu vielen Zuschauern kann über kleinere Zuschauerzahlen führen, so sehen wir das."

Steffen Rohr

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