Bundesliga

80 Prozent finden Klub: Neururer trainiert arbeitslose Profis

Die Situation am Transfermarkt ist kompliziert

80 Prozent finden einen Klub: Neururer trainiert arbeitslose Profis

Kümmert sich um die derzeit arbeitslosen Fußballprofis beim VDV-Camp: Ex-Bundesliga-Trainer Peter Neururer.

Kümmert sich um die derzeit arbeitslosen Fußballprofis beim VDV-Camp: Ex-Bundesliga-Trainer Peter Neururer. IMAGO/Eibner

Peter Neururer bringt es wie immer auf den Punkt. "Hier laufen keine Träumer rum", sagt der inzwischen 67-jährige Ex-Bundesliga-Trainer (unter anderem Schalke, Köln, Bochum) über die Teilnehmer des VDV-Proficamps. Die Spielergewerkschaft (Vereinigung der Vertragsfußballspieler e.V.) versammelt zum 20. Mal vertraglose Profifußballer zum Trainingslager in der Duisburger Sportschule Wedau.

Angeleitet von Neururer und dem ehemaligen Profi Karsten Hutwelker (unter anderem 1. FC Saarbrücken, Florenz, Augsburg) geht es unter anderem gegen Oberligist und Ex-Drittligist KFC Uerdingen. Es ist ein Programm, das sich mit denen in der 2. oder 3. Liga messen lassen soll. Regelmäßige Einheiten aus dem Übungsplatz, Testspiele und eine professionelle Leistungsdiagnostik nach den Standards der Deutschen Fußball Liga (DFL): Vier Wochen lang bietet der VDV den 15 Berufskickern ein Programm, das die Spieker natürlich allesamt lieber bei einem Verein erleben würden.

Riedel "kann es nur jedem ans Herz legen"

So wie Florian Riedel, der bereits im vergangenen Sommer beim Camp dabei war. Dann verpflichtete ihn der damalige Drittligist TSV Havelse kurz vor dem 3. Spieltag, Riedel wurde gleich eingewechselt. In allen weiteren Partien stand der 32 Jahre alte Abwehrspieler in der Startelf, insgesamt 35-mal. "Durch das Training war ich topfit. Nichts ersetzt die Arbeit mit der Mannschaft", sagt Riedel, der insgesamt schon 78 Drittliga-Einsätze und 13 Partien in der 2. Liga absolviert hat. "Der Einstieg bei einem Verein ist deutlich einfacher, wenn man hier mitgemacht hat. Ich kann es nur jedem ans Herz legen."

Etwa 80 Prozent der Teilnehmer an den VDV-Camps fänden auch wieder einen Klub, sagt Gewerkschafts-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Die VDV hilft nicht aktiv bei der Vereinssuche, zwischen den gut vernetzten Protagonisten kommen aber immer wieder hilfreiche Kontakte zustande. Parallel werden die Fußballer auch beraten: Wo muss ich mich arbeitslos melden, welche Alternativen gibt es zur Karriere auf dem Platz?

"Der eine oder andere muss sich vom Profifußball verabschieden"

VDV-Proficamp

Trainer Peter Neururer arbeitet erneut mit der Spielergewerkschaft (Vereinigung der Vertragsfußballspieler e.V.) zusammen. Jim Decker

Baranowsky und sein Team müssen viel Aufklärungsarbeit leisten. Und manchmal auch Träume zerstören. "Der eine oder andere muss sich vom Profifußball verabschieden - so hart es auch ist", weiß VDV-Vizepräsident Carsten Ramelow. "Es ist wichtig, dass man zweigleisig plant", betont auch Riedel. Das gelte aber für 32-Jährige genauso wie für 24-Jährige. "Die Spieler sind ja nicht hier, weil sie hoffnungslos keine Angebote haben", sagt Riedel, "sondern weil sie auf das richtige Angebot warten".

Das aber kann sich hinziehen. Viele Vereine wirtschaften vorsichtiger, verringern die Mannschaftsgröße und zahlen weniger. Baranowsky und Riedel wissen, dass sich die Situation durch die Coronazeit verschärft hat. Immerhin: Vertragslose Spieler können die Klubs auch noch nach dem Schluss des Wechselfensters am 1. September verpflichten.

"Es ist der schönste Beruf der Welt, aber auch sehr privilegiert", sagt Riedel. "Deswegen muss man da manchmal Geduld haben."

Jim Decker

Diese Bundesliga-Neuzugänge für die Saison 2022/23 stehen fest