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Maradona: Die Geschichte des teuersten Trikots der Welt

Warum Maradona es 1986 überhaupt trug

8,48 Millionen Euro: Die besondere Geschichte des teuersten Trikots der Welt

Das teuerste Trikot der Welt.

Das teuerste Trikot der Welt. AFP via Getty Images

Auf Zeit zu spielen, das war Carlos Bilardo in Fleisch und Blut übergegangen, seitdem der einstige Mittelfeldspieler mit Estudiantes de la Plata 1968, 1969 und 1970 durch berüchtigten "Anti-Fußball" dreimal in Folge die Copa Libertadores gewonnen hatte. Die Estudiantes hatten selbst ehemalige Schiedsrichter ins Training geholt, um zu perfektionieren, gerade noch so an der Grenze der Erlaubten zu spielen.

Als Bilardo während der WM 1986 aber nicht mehr spielte, sondern die argentinische Nationalmannschaft trainierte, hatte er sich mit seiner zeitlichen Spekulation ein wenig verzockt. Die Argentinier mussten das Viertelfinale gegen England wohl oder übel in ihren alternativen Trikots bestreiten, im Fall der Südamerikaner waren das die dunkelblauen. Bilardo überkam die Panik.

Am Ende entschied Maradona

In Dunkelblau waren die Argentinier bereits im Achtelfinale gegen Uruguay aufgelaufen - und in der Baumwoll-Kluft in der mexikanischen Mittagssonne mächtig ins Schwitzen geraten. Im Gegensatz zu den luftigeren Heimtrikots wurden die alternativen richtig schwer, wenn sie den vielen Schweiß aufsogen. Die Spieler beklagten sich - es mussten neue Hemden her.

Kurz vor dem Viertelfinale, das durch den Falkland-Krieg sowieso noch mal eine ganz besondere Brisanz hatte, schickte Bilardo also mehrere Mitarbeiter los, die Mexiko-Stadt nach möglichst leichten dunkelblauen Trikotsätzen des Ausrüsters "Le Coq Sportif" absuchten und schließlich ein paar Exemplare zur Auswahl stellten. Ausgerechnet der 2020 verstorbene Maradona zeigte auf jenes, das es am Ende wurde, und meinte: "Darin schlagen wir die Engländer."

Gestreifte Hemden, glitzernde Nummern

Das Problem bei diesem Trikotsatz war allerdings, dass auf der Brust die Wappen und auf dem Rücken die Nummern fehlten, sodass auch noch ein einigermaßen passender Flock herangeschafft werden musste. Die finale Version der Trikots, in denen Argentinien eines der berühmtesten Spiele der WM-Geschichte bestritt, bestand also aus leicht gestreiften dunkelblauen Hemden, in denen die Albiceleste nie wieder auflief, und nicht weißen, sondern silbern glitzernden Rückennummern aus einem American-Football-Shop.

Noch am Tag vor dem Spiel gegen England, in dem Maradona binnen vier Minuten kurz nach der Pause die "Hand Gottes" und das "Tor des Jahrhunderts", seinen legendären Slalomlauf, auspackte, wurden die Wappen, die dem des argentinischen Fußballverbands zumindest weitgehend ähnelten, auf die maximal improvisierten Leibchen genäht. Weshalb anhand der leicht veränderten Position des Wappens auch festzustellen war, welches Trikot Maradona in der torlosen ersten Hälfte und welches er in der weitaus geschichtsträchtigeren zweiten trug.

Während demnach, wie das Auktionshaus "Sotheby's" auch gutachterlich prüfen ließ, das erste Hemd noch im Besitz von Maradonas Familie ist - auch wenn diese noch immer behauptet, das andere zu besitzen -, tauschte der Weltmeister von 1986 das zweite nach Schlusspfiff mit dem Engländer Steve Hodge. Ihm gehörte es bis zuletzt, ehe es dem anonymen höchstbietenden Auktionär - und das ist Rekord für ein Sporttrikot - nun umgerechnet 8,48 Millionen Euro wert war.

nba

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