Regionalliga

Hannover 96 II, Christoph Dabrowski: "Herunterzufahren war nicht einfach"

Trainer von Hannover 96 II über Vertrag, Ziele und Corona

Dabrowski im Interview: "Herunterzufahren war nicht einfach"

Christoph Dabrowski

Traf nach der Corona-Pause auf eine hungrige Mannschaft: Christoph Dabrowski, Trainer von Hannover 96 II. imago images

Seit dreieinhalb Wochen ist die U 23 von Hannover 96 zurück im Mannschaftstraining. Es sei eine Freude, "wieder täglich mit den Jungs auf dem Platz arbeiten zu können", beschreibt Trainer Christoph Dabrowski seine Erleichterung und Dankbarkeit, seinem gewohnten Arbeitsalltag im Nachwuchsleistungszentrum in der Eilenriede nachgehen zu können. Vor einem Trainingstag mit zwei Einheiten spricht der ehemalige Profi der Roten über Fußball in Corona-Zeiten, Personalien und seine Vertragsverlängerung als Cheftrainer von Hannover 96 II bis Juni 2022.

Herr Dabrowski, nach über einem Vierteljahr sind Sie und Ihre Mannschaft wieder auf den Trainingsplatz in der 96-Akademie zurückgekehrt. Wie war das Gefühl in den ersten Einheiten?
Dabrowski: Für mich war es zunächst eine schöne Sache, meine Jungs wiederzusehen, denn es war eine lange und zähe Zeit ohne das tägliche Training. Seit wir wieder ohne Kontaktbeschränkungen trainieren dürfen, ist eine gewisse Lockerheit zurückgekehrt. Nun geht es erstmal darum, sich Stück für Stück an die Belastung zu gewöhnen. Das benötigt seine Zeit, bis die gewohnten Abläufe wieder da sind, wie wir auch in den ersten Testspielen (0:1 gegen Arminia Hannover, 2:0 gegen Tündern, beide Oberliga) gesehen haben.

Wie liefen denn die Testspiele genau?
Man konnte beobachten, dass die Jungs willig sind, viele Meter zu machen und hungrig auf Fußball sind. Aufgrund der Umstände fanden die Spiele jedoch in verkürzter Spielzeit statt und es ist normal zu diesem Zeitpunkt der Vorbereitung, dass noch nicht alle Automatismen im neu formierten Team passen. Es waren jedoch gute Trainingseinheiten, die uns inhaltlich voranbringen.

Welche Unterschiede gibt es in dieser Saisonvorbereitung im Vergleich zu Ihren beiden bisherigen Jahren bei der U 23?
Eigentlich ändert sich für mich nicht viel, es geht darum, die jungen Männer an den Herrenbereich heranzuführen. Hier bei uns haben sie nochmal ein bis zwei Jahre, um sich frei entfalten zu können, um den Sprung in den Profibereich letztlich zu schaffen.

"Liebe es, selbst wenn es manchmal Stress bedeutet"

Wie haben Sie mit Ihren Akteuren in der trainingsfreien Zeit Kontakt gehalten, oder wollten Sie, dass die jungen Spieler auch mal Abstand gewinnen?
Wir haben den Jungs Lauf- und Trainingspläne zur Verfügung gestellt. Zudem habe ich hin und wieder mit ihnen telefoniert. Abseits davon sollte Jeder Ruhe und Zeit für sich selbst bekommen.

Wie war es für Sie persönlich, plötzlich die gewohnte Alltagsstruktur zu verlieren?
Es war für mich nicht einfach herunterzufahren, denn das was ich mache liebe ich, selbst wenn es manchmal Stress bedeutet. Gemeinsam mit meinem Trainerteam und dem Videoanalysten haben wir jedoch gewisse Spielideen weiterentwickelt, Dinge aufgearbeitet und Trainingskonzepte überdacht. Schön war es, mehr Zeit für die Familie zu haben.

Inwiefern haben Sie denn die Geisterspiele der Bundesliga verfolgt?
Erstmal fand ich es richtig, dass die Saison sportlich fair zu Ende gebracht wurde. Aber natürlich fehlten die Leidenschaft und Emotionen, die von den Zuschauern ins Spiel getragen werden sehr. Ein leeres Stadion möchte niemand sehen. Die Fans sind das Fundament des Fußballs und deshalb ist mein Wunsch nach Normalität groß.

Sie haben Ihren Vertrag in Hannover um zwei Jahre verlängert. Was waren die entscheidenden Argumente pro 96?
In erster Linie macht es mir viel Spaß mit den jungen Leuten täglich zu arbeiten. Der Verein hat mir seine Wertschätzung signalisiert und deshalb haben wir schnell zusammengefunden.

Zwei Staffeln "interessante Konstellation"

Wie bewerten Sie die Regelung des NFV zur kommenden Regionalliga-Saison mit den zwei regionalen Staffeln?
Der Verband hat denke ich damit versucht, möglichst vielen Klubs gerecht zu werden. Es ist eine interessante Konstellation und ein spannender Modus mit der Meisterschafts- und Abstiegsrunde nach der Winterpause. Zudem kommen die zunächst kürzeren Reisen gerade den kleineren Vereinen entgegen.

Wie sehen denn Ihre Saisonziele aus?
Wir sind ehrgeizig und neben der spielerischen Entwicklung wollen wir natürlich möglichst viele Partien gewinnen. Ein konkretes Saisonziel haben wir noch nicht.

Wie beurteilen Sie die Neuzugänge wie die Stürmer Thilo Töpken und Orrin McKinze Gaines II?
Ich bin überzeugt, dass sie - wie auch Jahn Herrmann von Bayern II - uns sofort weiterhelfen, es sind alles Spieler mit viel Potenzial, aber mit den von Ihnen genannten auch schon mit Erfahrung in dritter und vierter Liga. Ich glaube, wir haben wieder eine gute Mannschaft mit einer passenden Mentalität zusammengestellt.

Wie schätzen Sie die Rolle Ihrer beiden erfahren Spieler Martin Wagner und Christian Schulz ein?
Martin wird uns mit seiner Erfahrung aus der Zentrale guttun. Bei Christian überrascht es mich nicht, dass er sich noch ein weiteres Jahr in den Dienst der Mannschaft stellt. Er hat weiterhin große Freude, in dieser jungen Mannschaft voranzugehen und ist topfit.

Kann die Regionalliga mit ihrem deutlich geringeren Zuschaueraufkommen als der Profifußball als Gewinner aus dieser Zeit hervorgehen?
Gerade für ambitionierte Traditionsklubs ist es ein Einschnitt, wenn beispielsweise nur 500 Zuschauer zugelassen werden. Rot-Weiss Essen ist ein emotionaler Verein mit regelmäßig 10.000 Zuschauern. Auch ein kleinerer Klub wie etwa unser Nachbar Hannoverscher SC kann durchaus gut 1000 Zuschauer anlocken. Da fehlen dann schon wichtige Einnahmen für die Vereine auf diesem Niveau.

Haben Sie denn die Befürchtung, dass die Fußballbranche durch eine "zweite Welle" zurückgeworfen und wieder heruntergefahren wird?
In Deutschland stehen wir zum Glück im Vergleich mit vielen anderen Ländern auf der Welt in dieser Pandemie gut da. Ich habe Vertrauen in die richtigen Maßnahmen der Politik und in unser Gesundheitssystem. Die meisten Menschen sind sensibilisiert, was Kontakte und Hygienevorschriften anbetrifft. Die Zeit hat uns zudem allen gezeigt, dass wir achtsam miteinander umgehen und dankbar sein sollten für das, was wir haben.

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