Bundesliga

Monopolkommission kritisiert den neuen Fernsehvertrag

Monopolkommission kritisiert den neuen Fernsehvertrag

Aufteilung der Spiele für Verbraucher nachteilig

Mikrofone der verschiedenen Fernsehanstalten

Die Übertragungsrechte an der Bundesliga sind begehrt. imago images

Diese Kommission ist ein mit Juristen und Ökonomen besetztes unabhängiges Gremium, das vom Bundespräsidenten berufen wird und die Bundesregierung auf den Gebieten der Wettbewerbspolitik und des Wettbewerbsrecht berät. Nach Auffassung der Experten sind in den am 22. Juni präsentierten neuen TV-Verträgen für die Übertragung der Spiele in der Bundesliga und in der 2. Bundesliga "Verbrauchervorteile durch die kartellrechtlichen Auflagen unklar".

Ab der Saison 2021/22 werden alle Bundesligaspiele am Samstag von Sky live übertragen, für die Spiele am Freitag und Sonntag hat DAZN die Übertragungsrechte erworben. Fans, die alle Spiele verfolgen wollen, müssten zwei Abonnements eingehen. "Tatsächlich birgt die Fokussierung auf die bloße Aufteilung der Rechte an mehrere Anbieter die Gefahr, dass Verbrauchervorteile verloren gehen, Wettbewerbe ausgeschlossen sind und es kumuliert zu höheren Preisen kommt", meinen die Experten.

Die vom Bundeskartellamt geforderte Vergabe der Rechte an mindestens zwei Medienunternehmen könnte für die Zuschauer dann zu geringeren Preisen führen, wenn zwei Sender parallel die Spiele übertragen würden. Die Aufteilung der Spiele sei für die Verbraucher nachteilig, da "der Fan eines bestimmten Vereins die Spiele seines Vereins weder durchgängig noch überwiegend durch das Angebot von Sky oder DAZN abdecken kann. Zudem ist es schwierig, dem Ligageschehen zu folgen, wenn jedes der Angebote der beiden Sender nur einen Teil des Spieltages erfasst. Es kann deshalb auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Nachteile für die Verbraucher durch die komplementären Effekte aus der erfolgten Aufteilung des Angebotes auf Sky und DAZN signifikant höher als bei einer Einzelvermarktung mit konkurrierenden Vereinsprodukten ausfallen."

Kritik an Pick-Rechten

Kritisch sieht die Monopolkommission auch die sogenannten Pick-Rechte. Sie erlauben Sky und DAZN, "auf die Ansetzung der Spiele eines Bundesligaspieltages Einfluss zu nehmen." Zu erwarten sei, dass darüber die vermutlich attraktivsten Spiele eines Wochenendes am Freitag, Samstag und Sonntag erst am Abend stattfinden und die Spiele am Samstagnachmittag darüber "nachrangig bedient" werden. Mit der Folge, dass am "Samstagnachmittag künftig etwa häufiger Begegnungen mit geringerem Marktwert gezeigt werden." Das hat natürlich Auswirkungen auf einen Klassiker wie die "ARD Sportschau", die am Samstag mit der zusammenfassenden Berichterstattung über die Bundesliga womöglich ein weniger attraktives Angebot bieten kann.

Zuschauerbefragung erwünscht

Verbraucherfreundlich wäre es nach Ansicht der Monopolkommission, wenn alle Spiele an einen Sender übergeben würden mit "einer parallelen Berichterstattung über einzelne Spiele durch einen zweiten Anbieter." Darüber hinaus seien "auch vereinsbezogene Rechtepakete als Alternative vorstellbar." Vor der Vergabe künftiger Rechte wird dem Bundeskartellamt eine Zuschauerbefragung geraten.

Inwieweit die Politik auf die Kritik am Bundeskartellamt reagieren wird, sei dahingestellt. Nur selten hatten die Gutachten der im Jahr 1973 von der Regierung unter Bundeskanzler Willy Brandt aus der Taufe gehobenen Monopolkommission tatsächlich Auswirkungen.

Rainer Franzke

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