eSport

Fürth, Stuttgart und Bielefeld verabschieden sich

Ausweg Ausstieg: Der Vereinsschwund im deutschen eFootball

Fürth, Stuttgart und Bielefeld verabschieden sich

Drei deutsche Profi-Fußballvereine haben ihre eSport-Abteilung bereits geschlossen. DFL

Dass die Coronavirus-Pandemie dem virtuellen Sport nichts anhaben, eher noch einen Aufwind für die Branche darstellen könne, ist zügig widerlegt worden. Zwar rückte der eSport aufgrund des fehlenden realen Angebots einige Wochen lang in den öffentlichen Fokus, hinter den Kulissen aber hinterlässt die Krise auch im digitalen Bereich mancherorts einen Trümmerhaufen - vornehmlich finanzieller Natur.

Zweitligist SpVgg Greuther Fürth brachte die angespannte monetäre Situation im April als erster Klub in Zusammenhang mit der Zukunftsfähigkeit der eigenen eSport-Abteilung. Fehlende Sponsoreneinnahmen seien der Hauptgrund, aus dem das Aus der FIFA-Truppe beim "Kleeblatt" einige Wochen später beschlossene Sache war. Dabei hatte sich Fürth gerade erst die Vize-Meisterschaft in der VBL Club Championship gesichert, Fabio 'Fifabio97' Sabbagh war als Newcomer der Saison gefeiert worden. Seine Karriere wird der 22-Jährige andernorts fortsetzen müssen, ebenso sein Ex-Kollege Christian 'xImpact10x' Judt, der im VBL Grand Final noch bis ins Konsolen-Halbfinale auf der Xbox One vorgedrungen war.

Schicksale sind vom (e)sportlichen Erfolg unabhängig

Der sportliche Erfolg und die Perspektiven sind kausal jedoch nicht zwangsweise verbunden, diesen Schluss legt auch der Rückzug des VfB Stuttgart nahe. Die Schwaben waren in der Premierensaison 2018/19 auf dem zweiten Rang in der VBL Club Championship eingelaufen, Lukas 'VfB_Lukas' Seiler schloss die laufende Spielzeit auf dem 13. Platz der FIFA 20-Weltrangliste für die PlayStation 4 ab. Lediglich beim DSC Arminia Bielefeld, dem 20. der Club Championship-Abschlusstabelle, könnte sportlicher Misserfolg als Auslöser angenommen werden.

Der Klub von der Alm führte als obersten Beweggrund die Fokussierung auf das "Kerngeschäft Fußball" ins Feld, finanzielle Aspekte werden die Entscheidung aber wohl begleitet haben. Ein Negativtrend ist auch beim FC Schalke 04 zu erkennen, der schon fast traditionell mit Geldproblemen zu kämpfen hat: Die "Knappen" haben angekündigt, ihr Engagement im eSport-Segment zurückzufahren. Dabei gilt S04 - nicht nur im eFootball - als einer der deutschen Vorreiter in der Entwicklung des professionellen Gamings auf Vereinsebene.

In der Aufbauphase: Corona-Krise zur Unzeit

Bislang trifft es also die Vizemeister der beiden vergangenen Saisons, ein "Urgestein" der Branche sowie die Arminia. Beim Blick auf das sportliche Abschneiden hätte wohl kaum jemand dieses Quartett als Favoriten auf den Ausstieg respektive die Einschränkung auserkoren. eSport-Mannschaften, hinter denen ein eingetragener Verein steht, sind massiv von der Wirtschaftlichkeit des Schirmherren abhängig. Auf den Prioritätenlisten stehen die eFootballer in Krisenzeiten aber scheinbar eher im unteren Drittel.

Die Coronavirus-Pandemie erwischt den deutschen eSport in einer denkbar ungünstigen Phase, von einem validen Finanzkonzept mit lohnenden Übertragungsgeldern und Erfolgsprämien ist der Bereich noch weit entfernt. Hier ist auch die DFL gefragt, mittelfristig Lösungen zu finden, will die Herrin über den deutschen Profifußball ihre Expansion in die virtuelle Sportwelt fortsetzen. Bevorteilt sind in der aktuellen Situation all diejenigen FIFA-Profis, die bei einer Organisation unter Vertrag stehen. Weltmeister Mohammed 'MoAuba' Harkous beispielsweise ist beim Fokus Clan aktiv und kann der Zukunft etwas optimistischer entgegenblicken.

Die Szene braucht Solidarität statt Häme

Diese gefühlte Sicherheit veranlasste den 23-Jährigen zu einer unschönen "Anteilnahme" am eSport-Aus von Arminia Bielefeld. "Ich glaube, der Verein hat zwei Euro in den eSport gesteckt und fragt sich, warum das nicht funktioniert hat. Ich wusste bis jetzt nicht mal, dass die ein Team hatten", teilte 'MoAuba' via Twitter mit. Ob Harkous mit seiner These zum Scheitern des DSC auf der richtigen Fährte ist, sei mal dahingestellt. Die derzeitige Lage erfordert sicherlich keine Häme, sondern vielmehr Solidarität innerhalb der Szene - auch von einem Weltmeister.

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Niklas Aßfalg