Eishockey

Draisaitl weckt Hoffnungen - Canucks jung und wild

Play-offs, Qualifikationsrunde: Western Conference

Draisaitl weckt Hoffnungen - Canucks jung und wild

Connor McDavid & Leon Draisaitl

Dauerbrenner: Edmontons Superstars Connor McDavid (l.) und Leon Draisaitl werden in wichtigen Situationen immer aufs Eis geschickt. Getty Images

Edmonton Oilers (5.) - Chicago Blackhawks (12.)

Die Edmonton Oilers werden von ihren beiden Superstars getragen: Der Deutsche Leon Draisaitl (43 Tore, 67 Assists, 110 Scorerpunkte) und Kapitän Connor McDavid (34-63-97) führten gemeinsam die Scorerwertung in der NHL an. Vor allem hinter Draisaitl liegt eine Wahnsinnssaison: Kein anderer Spieler in der gesamten Liga sammelte mehr Powerplay-Punkte (44), erzielte mehr Siegtreffer (zehn) und wurde als Stürmer häufiger eingesetzt (22:37 Eiszeit/Spiel). 19,7 Prozent Schusseffizienz bedeuten, dass fast jeder fünfte Schuss die Torlampe anknipst. Nicht umsonst gewann der 24-jährige Kölner die Art Ross Trophy (Top-Scorer) und ist unter den Finalisten für die Hart Trophy (MVP) und den Tedd Lindsay Award (herausragender Spieler der Saison) sowie auch für den King Clancy Award (Führungsqualitäten und gesellschaftliches Engagement).

NHL Stanley Cup - Qualirunde - Qualifikation: Best of 5
Winnipeg Jets - Vereinsdaten
Winnipeg Jets

Gründungsdatum

25.06.1997

Vereinsfarben

Blau-Weiß-Silber

Edmonton Oilers - Vereinsdaten
Edmonton Oilers

Gründungsdatum

01.11.1971

Vereinsfarben

Blau-Orange-Weiß

Nashville Predators - Vereinsdaten
Nashville Predators

Gründungsdatum

25.06.1997

Vereinsfarben

Blau-Gold-Weiß

Arizona Coyotes - Vereinsdaten
Arizona Coyotes

Gründungsdatum

01.01.1972

Vereinsfarben

Dunkelrot-Schwarz-Weiß

Vancouver Canucks - Vereinsdaten
Vancouver Canucks

Gründungsdatum

01.01.1945

Vereinsfarben

Blau-Grün-Silber-Weiß

Calgary Flames - Vereinsdaten
Calgary Flames

Gründungsdatum

01.11.1971

Vereinsfarben

Rot-Gold-Schwarz-Weiß

Chicago Blackhawks - Vereinsdaten
Chicago Blackhawks

Gründungsdatum

25.09.1926

Vereinsfarben

Rot-Schwarz-Weiß

Minnesota Wild - Vereinsdaten
Minnesota Wild

Gründungsdatum

25.06.1997

Vereinsfarben

Grün-Rot-Gold-Weiß

Arizona Coyotes - Termine
Vancouver Canucks - Termine
Calgary Flames - Termine
Chicago Blackhawks - Termine

Doch die Oilers haben mittlerweile mehr zu bieten als die Strahlkraft ihrer Superstars: Mit den Stürmern Andreas Athanasiou und Tyler Ennis holte Edmonton vor der Trade-Deadline weitere Qualität und Tiefe in den Kader. Das Powerplay war in der Hauptrunde mit 29,5 Prozent Erfolgsquote das mit Abstand beste in der NHL. Zudem konnten sich die Oilers in der Defensive (von 3,30 auf 3,03 Gegentore/Spiel) und im Penalty Killing (von 74,8 auf 84,4 Prozent) im Vergleich zur Vorsaison erheblich steigern. Eine zusätzliche Alternative für die Abwehr ist der 19-jährige Schwede Philip Broberg, der zwar noch kein NHL-Spiel in seiner Vita stehen hat, sich aber im Trainingscamp nachhaltig für einen Kaderplatz empfehlen konnte und überraschend ins Aufgebot für die Play-offs rutschte.

Patrick Kane

Geborener Torjäger: Chicagos Patrick Kane war, ist und bleibt brandgefährlich. Getty Images

Mit den Chicago Blackhawks geht es nun gegen einen Gegner, der sich gerade in Sachen Special Teams strecken muss: Das Powerplay enttäuschte (15,2 Prozent, 28.), während das Penalty Killing solide war (82,1 Prozent, 8.), nun aber auf eine harte Probe gestellt wird. Zumindest meldete sich der positiv auf Covid-19 gestestete Stammtorwart Corey Crawford gerade rechtzeitig zum Re-Start gesund und fit zurück. Das gilt auch für den zuvor verletzten Verteidiger Calvin de Haan.

Für Chicago sollen es allen voran die erfahrenen Stützen richten. Dazu zählen Topscorer Patrick Kane (33-51-84), Kapitän Jonathan Toews (18-42-60) sowie Verteidiger Duncan Keith (3-24-27) waren bei den letzten drei Stanley-Cup-Siegen der Blackhawks dabei (2010, 2013, 2015) und sollen nun mit ihrer Erfahrung helfen. Denn: Seit dem letzten Titel im Jahr 2015 gewann die Truppe aus der Windy City keine einzige Play-off-Serie mehr! Zudem brauchen die Hawks auch einen Schub von Talenten wie Dominik Kubalik (30-16-45), Alex DeBrincat (18-27-45) und Dylan Strome (12-26-38), um bestehen zu können.

kicker-Tipp: Edmontons Offensiv-Maschinerie um Draisaitl und McDavid dürfte von Chicago kaum zu stoppen sein. Die Oilers setzen sich mit 3:0 durch.

Vancouver Canucks (6.) - Minnesota Wild (11.)

Quinn Hughes & Elias Pettersson

Die jungen Wilden: Vancouvers Verteidiger Quinn Hughes (l.) und Stürmer Elias Pettersson spielten eine herausragende Saison. Getty Images

In den letzten vier Jahren war für die Vancouver Canucks immer schon nach der regulären Saison Schluss. Umso größer ist jetzt der Play-off-Hunger bei den "jungen Wilden": Nummer-eins-Center Elias Pettersson (21, 27-39-66), Offensivverteidiger Quinn Hughes (20, 8-45-53), Kapitän Bo Horvat (25, 22-31-53) und Stürmer Brock Boeser (23, 16-29-45) zählen trotz ihres jungen Alters schon zu den ultimativen Leistungsträgern bei den Westkanadiern. Aus diesem Kreis hat außer Horvat kein einziger Spieler auch nur ein einziges Play-off-Spiel absolviert. Das gilt auch für Keeper Jacob Markström (30).

Die fehlende Erfahrung will Vancouver mit Einsatz wettmachen: Die Canucks pflegen einen schnellen, aggressiven und offensiven Stil. Mit 3,25 Toren pro Spiel stellten sie den achtbesten Angriff der Liga sowie mit 24,2 Prozent auch das viertbeste Powerplay. Stürmer J.T. Miller avancierte zur Überraschung der Saison und stellte mit 72 Scorerpunkten (27-45-72) einen persönlichen Karriere-Bestwert auf. Einen perfekten Start hatte auch der kurz vor der Trade-Deadline akquirierte Tyler Toffoli, der in zehn Spielen zehn Punkte sammelte (6-4-10) und das fehlende Puzzlestück für die Rückkehr in die Play-offs sein soll. Eine Option ist auch wieder Flügelspieler Micheal Ferland (nach langer Pause wegen einer Gehirnerschütterung).

Kevin Fiala

Guter letzter Eindruck: Minnesotas Kevin Fiala zählte vor der Corona-Zwangspause zu den heißesten NHL-Spielern. Getty Images

Für die Minnesota Wild kam die Corona-Unterbrechung zur Unzeit: Seit dem 4. Februar haben sie die drittmeisten Punkte in der ganzen NHL geholt (12-5-1). Ein Aufschwung der eng mit dem Namen Kevin Fiala verbunden ist: Denn der 24-jährige Schweizer drehte seit jenem 4. Februar gehörig auf und sammelte in besagten 18 Spielen starke 26 Scorerpunkte (14 Tore, zwölf Assists). In diesem Zeitraum waren nur Rangers-Stürmer Mika Zibanejad (21-11-32) und Draisaitl (14-13-27) erfolgreicher. Neben Senkrechtstarter und Wild-Topscorer Fiala sollen die Routiniers Eric Staal (35, 19-28-47), Zach Parise (35, 25-21-46) und Mats Zuccarello (32, 15-22-37) für Torgefahr und die nötige Erfahrung sorgen. Vor der Trade-Deadline wechselte zudem Alex Galchenyuk in den "State of Hockey" und fügte sich in seinen ersten 14 Spielen gut ein (3-4-7).

Minnesotas Achillesferse ist die Defensive: 3,14 Gegentore pro Spiel (23.) und eine PK-Quote von 77,2 Prozent (25.) sind stark verbesserungswürdig. Offen ist zudem, wer zwischen den Pfosten stehen wird: Devan Dubnyk (34, 3,35 Gegentore, 89 Prozent Fangquote) wurde während der regulären Saison von Alex Stalock (32, 2,67, 91) verdrängt. Für die Qualifikationsrunde werden die Karten wieder neu gemischt. Allerdings sind beide Keeper keine Ausnahmetorhüter. Womöglich könnte daher sogar die etatmäßige Nummer drei Kaapo Kähkönen, der nach seiner Beförderung aus der AHL in seinen ersten fünf NHL-Spielen stark pariert hatte (2,96, 91,3) zum Zug kommen. Auf seine Chance lauert mit Angreifer Nico Sturm auch ein Deutscher.

kicker-Tipp: Die Canucks sind jung, hungrig, schnell, offensivstark und bringen alles mit, um den in die Jahre gekommenen Kader der Wild weh zu tun. Trotz der geringeren Erfahrung setzt sich Vancouver mit 3:1 durch.

Nashville Predators (7.) - Arizona Coyotes (10.)

Roman Josi

Kapitän und Punktesammler: Nashvilles Roman Josi wurde als Verteidiger Top-Scorer seiner Mannschaft. Getty Images

Hinter den Nashville Predators liegt eine holprige Saison. Anfang Januar sah es nicht nach Play-offs aus: Unter Peter Laviolette waren die Preds mit einer 19-15-7-Bilanz weit davon entfernt. Die Folge: Nach fünfeinhalb Jahren musste Laviolette als Trainer gehen. Für ihn übernahm John Hynes, der zuvor bei den New Jersey Devils gefeuert worden war. Unter Hynes (16-11-1) gab es zunächst Anlaufschwierigkeiten, dann aber startete die Truppe aus der "Music City" eine Aufholjagd und darf nun doch noch von den Play-offs träumen. Die letzten drei Spiele vor dem Hauptrunden-Abbruch konnte Nashville gewinnen. Unter Hynes waren die Predators zwar defensiv stabiler, eine Großbaustelle aber blieben die Offensive und die Special Teams (17,3 Prozent Powerplay, 24.; 76,1 Prozent Penalty Killing, 29.).

Dass mit dem Schweizer Kapitän Roman Josi (16-49-65) ein Verteidiger der mit Abstand beste Scorer war, spricht Bände. Die Stürmer Filip Forsberg (21-27-48), Matt Duchene (13-29-42), Ryan Johansen (14-22-36), Kyle Turris (9-22-31), Mikael Granlund (17-13-30) oder Viktor Arvidsson (15-13-28) blieben teils weit hinter den Erwartungen zurück. Selbst der eigentlich so zuverlässige Torwart Pekka Rinne (89,9 Prozent Fangquote) schwächelte und erhielt ernstzunehmende Konkurrenz von seinem finnischen Landsmann Juuse Saros (91,4 Prozent). Hat die lange Pause die Formschwäche kuriert und finden die Leistungsträger im Angriff zu alter Stärke zurück? Normalerweise verfügt das Team aus Tennessee über viel Tempo, Spielwitz und Aggressivität. Mit dem Münchner Korbinian Holzer darf auch ein Deutscher auf Einsätze hoffen. Der 32-jährige Verteidiger wurde kurz vor der Deadline von den Anaheim Ducks verpflichtet.

Taylor Hall & Phil Kessel

Hoffnungsträger: Taylor Hall (l.) und Phil Kessel sollen in Arizona den Play-off-Durst stillen. Getty Images

Wohl nirgendwo sonst ist der Play-off-Hunger so groß wie bei den Arizona Coyotes. Siebenmal in Folge scheiterten die Wüstenhunde am Cut für die Endrunde. Bei der letzten Teilnahme im Jahr 2012 ging man noch unter dem alten Namen Phoenix Coyotes an den Start. Warum aber soll der Play-off-Fluch 2020 gebrochen werden? Auf der Pro-Liste steht eine sattelfeste und erfahrene Defensive um Abwehrchef Oliver Ekman-Larsson: Durchschnittlich 2,61 Gegentore pro Partie bedeuten den drittbesten Wert in der NHL, hinzu kommt eine Unterzahl-Erfolgsquote von 82,7 Prozent (5.).

Einen großen Anteil an der soliden Saison in Arizona haben auch die beiden Goalies Anttii Raanta (32 Starts, 15 Siege, 2,63 Gegentoreschnitt, 92,1 Prozent Fangquote, zwei Shutouts) und Darcy Kuemper (29 Starts, 16 Siege, 2,22 Gegentoreschnitt, 92,8 Prozent Fangquote, zwei Shutouts). Im Sturm fehlt ein ultimativer Goalgetter - auch wenn mit Sommer-Neuzugang Phil Kessel (14-24-38) und Nach-Verpflichtung Taylor Hall (10-17-27) zwei prominente Spieler zu den ganz großen Hoffnungsträgern zählen. Die Top-Scorer Nick Schmalz (24, 11-34-45), Clayton Keller (21, 17-27-44), Conor Garland (24, 22-17-39) und Christian Dvorak (24, 18-20-38) sind - abgesehen von den vier Partien von Schmaltz - noch gänzlich ohne Play-off-Erfahrung.

kicker-Tipp: Zwei starke Defensivreihen stehen sich gegenüber. Insgesamt haben die Predators auf dem Papier mehr individuelle Qualität, müssen diese nach einer schwierigen Saison aber auch aufs Eis bringen. Der Hunger bei den Coyotes ist groß, doch fehlt es vor allem im Sturm an Erfahrung und Durchschlagskraft. Eine enge Serie geht knapp mit 3:2 an Nashville.

Calgary Flames (8.) - Winnipeg Jets (9.)

Matthew Tkachuk & Tobias Rieder

Calgarys Matthew Tkachuk (l.) klatscht mit dem Landshuter Tobias Rieder ab. Getty Images

Wirklich weit kamen die Calgary Flames in den letzten Jahren nicht: Seit 2009/10 gelang nur dreimal eine Endrunden-Qualifikation. Dort war dann zweimal in der ersten und einmal in der zweiten Runde Schluss. In der Verantwortung ist mit Geoff Ward jetzt ein Trainer mit Vergangenheit in Deutschland: 2006/07 trainierte er die Iserlohn Roosters, 2014/15 die Adler Mannheim und war zwischen 2014 und 2018 auch als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft aktiv. Ende November übernahm Ward die Flames als Interimslösung, nachdem der bisherige Coach Bill Peters wegen schweren Rassismus-Vorwürfen zurückgetreten war.

Ward stehen eine Reihe von talentierten Stürmern zur Verfügung: Top-Scorer Matthew Tkachuk (23-38-61), Johnny Gaudreau (18-40-58), Elias Lindholm (29-25-54) und Sean Monahan (22-26-48) sorgen für Qualität in der Spitze. Doch kommt auch genügend Scoring-Touch aus der Tiefe? Zu dieser zählt mit Zwei-Wege-Stürmer Tobias Rieder auch ein Deutscher. Der 27-jährige Landshuter ist ein Unterzahl-Experte und wird mehr für seine Arbeiter- als für seine Scoring-Qualitäten (4-6-10) geschätzt. Spannend wird sein, wie Calgary die Härte in den Play-offs verträgt und physisch dagegenhalten kann. Auch das Goalie-Tandem mit Cam Talbot und dem wieder genesenen David Rittich (nach Ellenbogenverletzung) zählt nicht zur Beletage der Liga. Für mehr Stabilität soll Verteidiger Noah Hanifin sorgen, der seine nicht näher definierte Oberkörperverletzung in der Corona-Pause auskurierte. Fehlen wird Ward allerdings Abwehrspieler Travis Hamonic, der als wohl prominentester Spieler von seiner Verzichtsklausel Gebrauch machte.

Blake Wheeler, Patrik Laine, Kyle Connor & Mark Scheifele

Winnipegs personifizierter Scoring-Touch: Blake Wheeler, Patrik Laine, Kyle Connor und Mark Scheifele (v.l.). Getty Images

Mit den Winnipeg Jets geht es nun gegen einen Gegner, der mit einer Menge Physis ausgestattet ist. So finden sich nicht nur in der Verteidigung, sondern auch im Sturm harte Hitter. Und selbst der kleinste und leichteste Spieler im Kader, Mathieu Perreault (1,78 Meter groß, 85 Kilogramm schwer), kann mit seinem aggressiven Stil den Gegenspielern unter die Haut gehen.

Doch Winnipeg kann nicht nur zerstören, sondern auch Tore schießen. Die ebenfalls wuchtigen Kyle Connor (83-35-73), Mark Scheifele (29-44-73), Blake Wheeler (22-43-65) und Patrik Laine (28-35-63) erwiesen sich als zuverlässige Punktesammler. Offen bleibt die Frage, ob die Jets auch genügend Secondary Scoring in den hinteren Reihen haben. Für mehr Tiefe im Kader soll der in Winnipeg geborene Center Cody Eakin, der kurz vor der Deadline aus Las Vegas kam, sorgen. Das gilt auch Nachkauf Dylan DeMelo (Ottawa Senators), der die Verteidigung verstärken soll. Im Tor steht mit Connor Hellebuyck einer der besten Goalies der letzten drei Jahre (92,2 Prozent Fangquote).

kicker-Tipp: Der Blick in die Glaskugel fällt hier besonders schwer. Eine spannende Serie auf Augenhöhe gewinnen am Ende die Jets mit 3:2.

Christian Rupp