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Für viele der beste Fußballer aller Zeiten: "König" Pelé

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Für viele der beste Fußballer aller Zeiten: "König" Pelé

Pelé

Drei WM-Titel bei drei Turnier-Teilnahmen: Pelé. imago images

Es war sein Tor Nummer 28, über tausend sollten noch folgen, zumindest nach eigener Auflistung. So geht es aus der Autobiografie "Mein Leben" von Edson Arantes do Nascimento hervor, dem jungen Stürmer des FC Santos, den damals, 1957, in der großen Fußballwelt noch kaum einer kannte.

In Brasilien schon. Denn eine Woche zuvor, am 7. Juli 1957, hatte er in der Nationalelf debütiert. Beim 1:2 gegen Argentinien erzielte der Youngster gleich auch sein erstes Länderspieltor. Bis heute ist er der jüngste Torschütze der Selecao. Drei Tage später ließ er beim 2:0 gegen, erneut, Argentinien sein zweites Tor folgen.

Ein Jahr später sollte dieses Talent dann in Schweden Weltruhm erlangen: als 17-Jähriger und bis heute jüngster, sogar doppelter Torschütze eines WM-Finales. 5:2 besiegte Brasilien Gastgeber Schweden und wurde zum ersten Mal Weltmeister.

Bei der WM 1958 ging der Stern von "O Rei" auf

Das Turnier gebar den Weltstar schlechthin, der Jahrzehnte später seine Autobiografie schreiben sollte und der vielen bis heute als der beste Fußballer aller Zeiten gilt: Ebenjener Edson Arantes do Nascimento, den alle Welt unter dem Namen Pelé kennt. Und den die Fußballwelt "O Rei" ruft, den König.

Pelé

Bei der WM 1958 begeistert Pelé das erste Mal. imago images

"Pelé ist der beste Fußballer aller Zeiten", adelte ihn unlängst Wolfgang Overath im kicker. Der deutsche Weltmeister von 1974 ist sich auch mit Blick auf die aktuellen Ausnahmespieler Lionel Messi und Cristiano Ronaldo sicher: "Pelé war unvergleichlich." Schon 1956 hatte dieser Ausnahmekönner für Santos sein erstes Tor gemacht. Im allerersten Spiel. Mit 15.

Schon damals nannten sie ihn Pelé, es ist eine Verballhornung des Namens eines ehemaligen Profi-Torhüters: Dieser Keeper Bilé wiederum war Teamkollege von Pelés Vater.

Pelé selbst hat in Schulzeiten einst mit undeutlicher Aussprache von "Bilé" seinen Spitznamen Pelé erschaffen. Sagt er zumindest selbst. Dieser ungewollte Spitzname Pelé blieb dann für alle Zeit an ihm haften. Der Goalgetter aller Goalgetter ist demnach also benannt nach einem Torhüter - es mutet an, als habe sich das Schicksal einen Scherz erlaubt.

Pelé - Der König des Fußballs

Als dieser Wunderfußballer Pelé am 19. November 1969 im weltberühmten Maracana-Stadion sein 1000. Tor erzielte, verdrängte der Jubiläumstreffer in Brasilien sogar die zweite Mondlandung von den Titelseiten. Und die Kirchenglocken wurden auch geläutet.

Über 1200 Tore erzielte dieser Pelé. Oder soll er erzielt haben, denn hie und da wird es in den Uralt-Statistiken etwas ungenau. Fakt ist indes: Bei der WM 1958, bei der sein Stern aufging, traf Pelé sechsmal: zum 1:0-Sieg im Viertelfinale über Wales, dreimal gleich beim 5:2 im Halbfinale gegen Frankreich und doppelt im Endspiel gegen Schweden - ausgemerzt war für die Brasilianer die Schmach im entscheidenden letzten Spiel bei der Heim-WM 1950 gegen Uruguay im damals nagelneuen Maracana.

Selbst wenn er nicht traf, wurde daraus Gold

Pelé

Bei der WM 1970 nicht zu stoppen: Brasilien mit Pelé (M.). imago images

Auch die Tatsache, dass die Selecao 1958 mit dem jungen Fußballgott Pelé ein Trauma aufarbeitete, trug dazu bei, dass der damalige Teenie fortan einen Platz im Herzen der Brasilianer einnahm.

Und selbst wenn Pelé einmal nicht traf, wurde daraus doch noch Gold: Bei der WM 1970, die zugleich Abschluss und Höhepunkt der zwölf Jahre des Ausnahmefußballers mit der Selecao darstellte, gewann der spätere Weltmeister Brasilien in der Gruppenphase gegen den damaligen Titelverteidiger England.

Das 1:0 war der erste Höhepunkt des Turniers. England half dabei auch eine der größten Torwartparaden der WM-Geschichte von Keeper Gordon Banks nichts: Rechtsaußen Jairzinho hatte geflankt, Pelé geköpft - und Banks wie durch ein Wunder den Ball pariert. Beim Siegtreffer indes legte Pelé ab auf Jairzinho: Tor.

Ein Ausnahmefußballer mit vielen Auszeichnungen

1958, 1962 und 1970 Weltmeister, als Einziger überhaupt dreimal als Spieler, dazu zigmal Meister mit dem FC Santos, zweimal auch Gewinner der Copa Libertadores, des südamerikanischen Landesmeister-Cups, später schillernder Altstar bei Cosmos New York. Vor allem aber war Pelé ein Ausnahmefußballer, der von diversen Seiten mit dem Etikett "Spieler des 20. Jahrhunderts" geehrt wurde, auch vom Weltverband FIFA.

Jörg Jakob, Pelé

kicker-Chefredakteur Jörg Jakob (li.) und Pelé. imago images

Nach der aktiven Laufbahn verließ ihn aber gar nicht so selten das untrügliche Gefühl dafür, wo das Tor steht. Als Werbeikone, Teilzeit-Diplomat oder gar Sportminister hatte er mitunter unglückliche Auftritte und offenbarte dabei auch eine Nähe zu nicht gut beleumundeten Funktionären. Sein strahlendes Lachen freilich begleitete ihn stets.

Dem Fußball verdanke er alles, schreibt Pelé, kaum überraschend, in seinen Memoiren. Poetischer ist schon dies: Er müsse eigentlich Edson Arantes do Nascimento Bola heißen. "Bola" ist das Wort für Fußball. Liest man diesen Wunschnamen im portugiesisch-brasilianischen Original, liest es sich wie: Der kleine Edson Arantes, zur Welt gebracht von einem Fußball. Im Oktober wird das Kind des Fußballs, das König wurde, 80.

Jörg Wolfrum

WM-Held Pelé

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