2. Bundesliga

Nürnbergs Wiesinger: "Wir müssen uns für gar nichts rechtfertigen"

Nürnberg verhindert in letzter Minute den Abstieg

Wiesinger: "Wir müssen uns für gar nichts rechtfertigen"

Bei Michael Wiesinger & Co. brachen nach dem 1:3 alle Dämme.

Bei Michael Wiesinger & Co. brachen nach dem 1:3 alle Dämme. imago images

Dass es derart eng werden würde zwischen Nürnberg und Ingolstadt, war nach dem 2:0 im Hinspiel, als die Franken in allen Belangen klar besser waren und höher hätten gewinnen können, nicht wirklich zu vermuten. Und auch die ersten gut 50 Minuten am Samstag ließen nicht darauf schließen, dass der FCI den FCN an diesem Tag in Bedrängnis bringen könnte, denn die Franken hatten die Partie gut im Griff.

"In der ersten Hälfte ist nicht viel passiert, es war ein Lauern. Ich finde auch nach der Halbzeit war es nicht besorgniserregend, dann haben wir durch die Standardsituation aber den Faden verloren und schlecht verteidigt", analysierte Wiesinger nach der Partie bei "DAZN". "Plötzlich liegst du innerhalb von ein paar Minuten 0:3 zurück." Stefan Kutschke, Tobias Schröck und Robin Krauße erzielte binnen 13 Minuten drei Treffer für die Schanzer. Der Club war zu dieser Zeit abgestiegen.

Und zwar genau 30 Minuten. Bis in der sechsten Minute der Nachspielzeit Fabian Schleusener kam und einen elementar wichtigen Treffer für den ganzen Verein erzielte. Ausgerechnet Schleusener traf in Ingolstadt. An jenem Ort, an dem er sich im März 2019 im Dress des SV Sandhausen einen Schienbeinbruch zugezogen hatte. "Es freut mich sehr für ihn, dass er sich belohnt hat", sagte auch Interimscoach Wiesinger. "Wir sind am Ende All-in gegangen und dann glücklicherweise belohnt worden. Für den ganzen Verein war das natürlich ein überragendes Tor, weil wir dadurch in der 2. Liga bleiben."

"...und das zählt"

Dabei hätten es die Nürnberger natürlich nicht so spannend machen müssen. Das Hinspiel hätten die Franken deutlicher gewinnen können und im Rückspiel holten sie Ingolstadt durch schlecht verteidigte Standards in die Partie rein. "Wenn man das Hinspiel auch sieht, hätten wir die Dinge schon besser gestalten können. Heute ist es ein Kampfsieg. Wir müssen uns hier für nichts rechtfertigen, für gar nichts. Der 1. FC Nürnberg ist nächstes Jahr in der 2. Liga und das zählt", machte Wiesinger deutlich.

Wiesinger wird hochemotional

Was für ein Druck beim FCN auf dem Kessel war, sah man unter anderem bei Keeper Christian Mathenia, der nach dem 1:3 und auch nach dem Schlusspfiff seine Emotionen nicht mehr zurückhalten konnte und hemmungslos weinte. Auch Wiesinger, der wie geplant zurück zum Nachwuchsleistungszentrum kehren wird, war berührt. "Ich freue mich schon aufs NLZ, da haben heute auch alle mitgefiebert. Es geht ja nicht nur hier um die Relegation, da geht es um Jobs, da geht es um die kleinen Leute. Der Club ist schon ein Konstrukt mit vielen Leuten. Für die freut es mich am meisten", sagte Wiesinger und beendete unter Tränen das Interview.

Behrens: "Dann werden wir die Saison abhaken"

Diese Saison hat an den Nerven aller in Nürnberg genagt. Mit großen Hoffnungen gestartet wäre der Club am Ende fast in die 3. Liga abgestiegen. Aber so weit kam es nicht. "Wir haben so viel auf die Fresse bekommen und auch sehr oft Pech gehabt die letzten Sekunden, heute haben wir mal Glück gehabt", freute sich Kapitän Hanno Behrens und sagte danach klipp und klar: "Wir werden heute Abend feiern. Dann werden wir die Saison abhaken, das war eine scheiß Saison, das weiß jeder."

mst

Bilder zur Partie FC Ingolstadt 04 - 1. FC Nürnberg