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DFB-Elf-Manager Bierhoff: "Die Vereine müssen wieder kreativer werden"

DFB-Mann sieht Chance und Belastung bei Talenten

Bierhoff: "Die Vereine müssen wieder kreativer werden"

Oliver Bierhoff

Oliver Bierhoff Getty Images

Ob er aus der Corona-Krise entwicklungsverzögernde Effekte bei den Talenten befürchte, wurde Bierhoff am Rande der Baustellenbegehung der neuen DFB-Akademie am Dienstag gefragt. Eher weniger, so lautet verknappt die Antwort des sportlichen Top-Funktionärs des Verbandes. Schließlich hatte auch die Konkurrenz mit den Folgen zu kämpfen, allerorten stand die Talentförderung still - die DFB-Akademie habe aber in Kooperation mit den Vereinen zahlreiche, digitale Trainingsmöglichkeiten angeboten. "Vielleicht", so sinnierte Bierhoff im Weiteren, "hat es den jungen Spielern, bei denen wir über Überbelastung sprechen, die ein riesiges Programm haben, auch mal ganz gutgetan, zwei, drei Monate runterzufahren."

Die Vereine müssen wieder kreativer werden. Viele werden mehr in Richtung Talentförderung übergehen.

Oliver Bierhoff

Mindestens auf den zweiten Blick ist dies ein bemerkenswerter Satz. Denn er impliziert eine viel zu hohe Belastung der Talente, die künftig Aushängeschilder der Nationalelf, der Bundesliga sein sollen. Die die WM 2030 und die EURO 2028 erfolgreich für den DFB gestalten sollen. Und die, das sagte Bierhoff nicht, aber das dürfte er gemeint haben, oft im Spannungsfeld stehen von drei, vier Seiten. Hier zerrt der DFB mit seinen U-Nationalmannschaften, dort zerrt der Berater (idealerweise im Einklang mit den Eltern, was auch nicht immer der Fall ist), und drüben der Klub. Und der manchmal noch von zwei Seiten - schließlich trainieren die Top-Talente oft schon mit 17 bei den Profis mit, absolvieren die Pflichtspiele aber noch in der U 19. Schalkes Chefausbilder Norbert Elgert bezeichnet das gerne als Steuerungschaos.

Wie belastet sind die Talente tatsächlich? Das ist schwer zu greifen. Zwischen den diversen Parteien findet ein inhaltlicher Austausch bezüglich der physischen Faktoren statt. Den mentalen Druck erfasst ein Brustgurt aber nicht. In jedem Fall "werden wir das Thema Belastungssteuerung auch in der Akademie aufgreifen", erläutert Bierhoff.

Ist der Weg zum Nachwuchsleistungszentrum für die Manager wieder kürzer?

Der 52-Jährige denkt, dass die finanziellen Folgen der Krise für mehr Durchlässigkeit zu den Seniorenteams sorgen: "Was auch meine Hoffnung ist: Die Vereine müssen wieder kreativer werden. Viele werden mehr in Richtung Talentförderung übergehen." In Gesprächen habe er bei allen Klubs den Willen hierfür gespürt. "Vorher hatte man vielleicht das Geld zur Verfügung und gab einfacher ein bisschen mehr aus", skizzierte Bierhoff. Sprich: lieber eine gestandene Kraft einkaufen als einem jungen Akteur mit Perspektive einen Kaderplatz zu geben, der sich erst noch in die ihm zugedachte Rolle hineinentwickeln muss. "Jetzt fragt man: Wollen wir das machen, verzichten wir mal drauf?", so Bierhoff dazu, dass der Weg auf den Transfermarkt für so manchen Sportdirektor bislang kürzer schien als der ins eigene Nachwuchsleistungszentrum. Fragt sich nur, welcher Gang den Managern künftig wirklich näherliegt.

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